Der Brite / die Britin und sein / ihr Haustier

von Klaus

Hier im Lande sorgt man sich sehr um das Haustier. Ich erinnere nur an meine Erfahrung als Zuschauer beim Polo-Spiel, die man in diesem Blog in einem Beitrag vom 5. Juni 2017 nachlesen kann.

Merkwürdig in diesem Zusammenhang ist auch eine sprachliche Formulierung, die eine entscheidende Frage offenlässt – in diesem Fall die Frage, wer wen rettet. Eine Dame aus dem Tennisklub erzählte mir, ihr Hund sei ein „rescue dog“, wörtlich und korrekt übersetzt „ein Rettungshund“. Ich stellte mir also so etwas wie einen Bernhardiner vor und war nicht wenig erstaunt, als ich das Tier in Augenschein nahm und einer ziemlich kümmerlichen Kreatur gewahr wurde. Auf Nachfrage wurde ich belehrt, dass „rescue dog“ auch das glatte Gegenteil bezeichnen kann, nämlich einen Hund, der von seiner aktuellen Besitzerin aus Tier-unwürdigen Lebensumständen gerettet wurde.

Wenn König oder Königin zur Rettung des Vaterlandes rufen (wie etwa im Ersten Weltkrieg), dann müsssen nicht nur die menschlichen Untertanen sich unwürdigen Lebensumständen zum Beispiel in Schützengräben aussetzen, sondern die tierischen Untertanen ebenfalls. Respektabel dabei ist, dass man im Nachhinein nicht allein den menschlichen Opfern und Helden Denkmäler setzt. Auch dem leidenden Tier wird gedacht und Respekt gezollt. Ein Beispiel dafür ist George, ein handgeschmiedetes Eisenpferd (Granaten transportierend), aufgestellt nahe der Säule mit den Namen der in den Kriegen gefallenen Kameraden aus unserm Dorf Tattenhall. Eine Inschrift erklärt den Sinn des Dekmals: Man solle sich auch der vielen Pferde aus Tattenhall und dem gesamten Land erinnern, die im Ersten Weltkrieg zu Tode gekommen sind oder zumindest sehr gelitten haben.

Nun ist aber nicht allein der Leiden-stiftende Erste Weltkrieg großes Thema der britischen Patrioten und Patriotinnen. Stolz ist man hierzulande außerdem auf die industrielle Revolution, als deren Kernland man sich (möglicherweise zu Recht) empfindet. Ebenfalls respektabel: Es wird dabei nicht verschwiegen, welche enormen Opfer (unter den Arbeitern und Arbeiterinnen) diese Revolution hervorgebracht hat. Auch hier wird das Tier ins Opfer-Gedächtnis mit einbezogen.

Auf einem Spaziergang entlang eines der Kanäle, auf denen Produkte eben dieser Revolution transportiert wurden, sah ich dieses Holzpferd. Es erinnert an jene Huftiere, welche die Lastkähne auf den Treidelpfaden ziehen mussten. Die Schrifttafel lässt das arme Tier sprechen: „Trottend auf dem immergleichen schmutzigen Pfad / und das immergleiche alte Boot ziehend / Kannst du dir vorstellen, wie das ist … / tagein – tagaus?“

Bei soviel Augenmerk auf das geliebte Haustier, wen wundert dann noch Folgendes, das ich kürzlich einem britischen Nachrichtenmagazin entnahm?: Befragt wurde eine repräsentative Auswahl von Personen mit schulpflichtigen Kindern und gleichzeitig einem oder mehreren Hunden. „Was ist Ihnen bei der Wahl Ihres Wohnortes wichtiger, die Nähe zur Schule Ihrer Kinder oder die (Auslauf-)Bedingungen Ihres Hundes?“ Es waren nicht wenige, die antworteten …. – na was wohl?

Sonnenuntergang

in Plymouth, vom schönsten Platz dort – hoch über der Hafeneinfahrt. Im Sommer lud das zum Baden ein, heute ist es zu kalt dafür. Urlaub im November ist eben anders!

Plymouth ist ein merkwürdiger Ort. Die geschützteste natürliche Bucht, die man sich vorstellen kann, Francis Drake erwartete hier die Armada (er vertrieb sich die Zeit, wie man sagt, mit Boulespielen auf der zentralen Anhöhe, von der das Bild oben geschossen worden ist).

Blick seitlich zurück auf die zentrale Anhöhe, den so genannten Hoe.
Nach der Zerbombung im 2. Weltkrieg wurde die Innenstadt neu auf dem Reißbrett entworfen. Der Entwurf ist symmetrisch wie ein barocker Garten, großzügig, doch die Folgebebauung und die moderne Ladenaußenausstattung machen daraus heute ein typisches und hässliches Konsumterrornetzwerk. Die Stadt besteht aus riesigen Wohnvierteln, die sich an die umliegenden Hügel zwischen den Flüssen Tamar und Plym schmiegen, doch wo ist die Arbeit? Die Marine und Universität spielen wichtige Rollen, doch die aggresive Vermarktung von Wohnheimen und Privatunterkünften legt nahe, dass es zu viel Angebot am Wohnungsmarkt gibt. Die Preise sind nicht höher oder sogar niedriger als in Tattenhall, wo nun wirklich nichts los ist.

Katholische Kathedrale (links) mit anglikanischem Kirchturm Mitte hinten. Italienisch anmutende Architektur findet sich an einigen Stellen der Stadt.

Viele Gegensätze also in Plymouth, eine Stadt, die sich bemüht, aus der Zeit der Sparpolitik nach dem 2008er Crash herauszukommen und offensive Stadtplanung zu betreiben, z.B. durch den Bau eines Viertels am Hafen.


Nicht weit entfernt wunderbare Sandstrände mit Felsenschutz.

Plymouth liegt an der Grenze zu Cornwall, wo auch obiges Bild entstand und zwar an der Südküste, der Kanalküste.

Quert man Cornwall nach Norden, findet man einen sehr netten Rad-/Wanderweg, eine ehemalige Eisenbahnstrecke, die das Inland mit der Küste verbindet.

Mündung des Flusses Camel bei Padstow, Endstation des Radweges.

Hier ist viel los und es ist November! Wir kehren in Padstow in ein von einer Neuseeländerin geführtes Café ein (amerikanischer Käsekuchen mit salziger Karamellsoße und Popcorn, im Hintergrund Klaus‘ Baiser-Beeren-Roulade). Sie sagt mir auf Nachfrage, für November sei das Geschäft normal, im Sommer dagegen kann es verrückt viel werden.

 

100 Jahre

Während in Deutschland der Schwerpunkt der Erinnerung an 100 Jahre Ende Ersten Weltkriegs vielerorten auf dem lag, was kam, Revolution, Weimarer Republik, das Frauenwahlrecht, ist der „Große Krieg“, wie er in Frankreich oder den UK genannt wird, DAS Ereignis. In Großbuchstaben. Seit vier Jahren lief z.B. jeden Tag eine viertelstündige Radiosendung, die typische Kriegsereignisse gespiegelt an der Heimatfront nachspielt. Danach kann man nur sagen: ist dieser Krieg denn nie zu Ende?

Naja, 2018 war er dann doch vorbei, die Erinnerungskultur trieb Blüten, besonders in manchen Dörfern. So auch in Tattenhall, das an vielen landesweiten Aktionen teilnahm. Es hatte schon was von: wir tun das nun alle und das tut man jetzt so. Niemand wurde jedoch gezwungen, eine schweigende Minder- oder Mehrheit hat in dem Rausch des ‚wir stehen zusammen und gedenken‘ nicht mitgemacht. Überall rote Mohnblumen an Revers, der Frauenverein hat seit Monaten alle und jede gedrängt, Mohnblumen zu häkeln, stricken, zu basteln, die Pfadfinderinnen wurden eingespannt, es gab Aufrufe auf der Dorfwebseite. Alles nur, um ein großes Netz mit den Blumen zu benähen, das einen Blutsee zeigen soll. Als Echo der tönernen Mohnblumen, die 2014 im Tower von London gezeigt wurden, siehe im Link.

Rechts im Bild ist eine Plexiglassilhouette zu sehen, die in dieser Form auch in vielen Kirchen in den Bänken zu finden war: der fehlende Mensch.

Viel sympathischer als diese Darstellungen:

Schwarze Soldatenausschnitte an etlichen Geschäften und am Gemeindehaus.

Eingang zum Friedhof, der Metallkamerad bringt einem nicht nur nächtens das Gruseln bei.

Die Kirche ist blutrot geschmückt.

Ein bisschen der Übergau im öffentlichen Raum. Wir haben auch, wenn auch eher zufällig, unseren Beitrag geleistet: Glockenläuten war sehr gefragt. Am Sonntag war 3maliger Einsatz, einmal halb gedämmt, dann freudig in voller Lautstärke, denn der Frieden ist ausgebrochen – nicht ganz passend zum Brexitgeschehen.
Einmal läutete ich in einer Nachbarkirche vor einem Mitsingabend. Ich konnte zur ersten Hälfte bleiben, wir haben alte Gassenhauer gesungen, bis (es gab eine Dramaturgie) der Krieg ausbrach und die Lieder sich etwas geändert haben. War schon sehr eigen … Volksfest mit Untertönen. Diese unschuldige englische Art, Party zu machen.

Am Samstag wurde in der riesigen anglikanischen Kathedrale zu Liverpool (ca. 100 Jahre alt, neogotisch) Benjamin Brittains War Requiem – Kriegsrequiem gegeben. Eine Koproduktion des Royal Liverpool Orchester mit Chor und dem NDR Radioorchester und Knabenchor aus Hannover (Knabenchor auf der Empore quer über das riesige Kirchenschiff).

Das Konzert war ausverkauft und auch für nicht Klassikfans wirklich gut anhörbar und bewegend (Anmerkung: die Musik war sogar harmonisch).

In Liverpool trugen nicht so viele Menschen auf der Straße Mohnblumen, doch der Fernsehturm bekam eine jahreszeitliche Beleuchtung (in der Mitte des Bildes im Hintergrund zu sehen, das Bild wurde nur schnell auf der Straße geknipst, links findet sich eine Fassadenfigur, woher die bunten Schlieren kommen: ??):

Ein Spaziergang an Wales Südküste

Es wurde Zeit, den Kanal von Bristol von der anderen, der walisischen Seite aus zu besuchen.

Samstag mit Sturm.

Eine Schachspielkonferenz gibt uns die Gelegenheit, Swansea zu besuchen. Nicht nur wegen des drohenden Sturmes Callum sind wir froh, mit dem Zug zu fahren. 3,5 Stunden ohne Umsteigen, wundervoll! Endlich mal Zeit zu lesen.

Das Wetter ist nicht so ideal dieses Wochenende, doch durch die Stadt zu wandern und an der Küste entlang, vermittelt Eindrücke einer internationalen Stadt mit einer großen Uni und vielen neuen Wohnvierteln z.B. am alten Hafen.

Sonntag ohne Sturm.

Die Südwalisischen sind ausgesprochen freundlich und entspannt, besonders die Busfahrer. Sehr hilfsbereit und der erste zuckt nicht mit der Wimper, als mir mein münzschweres Marktgeld (wir fahren direkt nach dem Freitagsmarkt) aus dem Netzchen fällt, in das ich es gesteckt hatte. Viel hartes Geld auf dem Busboden. Ich bin also die perfekte Touristin, die ihre Pfunde in einer Extrabörse hat und bestimmt die Euros in einer normalen;-) So kam ich mir jedenfalls vor.

Wie in Nordwales sind alle Beschriftungen zweisprachig, Walisisch auf der Straße hört man nicht viel. Die meisten MuttersprachlerInnen leben an der Westküste und im Inland.


Ein Schild mit Penceparkgebühren wie dieses unten hätte ich in jeder Sprache originell gefunden.

Gleich hinter dem Parkplatz befindet sich ein Art Deco Schatz: Die Brangwyn Hall, eine Veranstaltungshalle aus den 30ern. Fühlt man sich wie in Darmstadt auf der Mathildenhöhe.

Der Sonnenschein auf dem Seitenansichtbild ist nicht „echt“, das Foto ist aus dem Netz.

Detail, am Tag gemacht.

Es gibt einen großen Innenmarkt, den größten von Wales oder Großbritannien, doch so besonders fand ich ihn nicht. Dagegen der Markt am Industriemuseum versorgte uns mit guten Hackfleischmet im Schlafrock Bissen und Pastetchen für Sonntag Abend und die Heimfahrt am Montag.


Bei so trübem Wetter gibt es nichts Besseres als ein altmodisches Museum aufzusuchen. War ich froh, endlich das Glynn Vivian gefunden zu haben. Ein altes Gebäude, das die Sammlung und Geschichte eines dieser viktorianischen Weltenbummler und Schöngeister (der Namensgeber) beherbergt. Einer der das, was er gesehen und erfahren hat, mit allen Menschen teilen wollte. Erfreulicherweise sammelte er auch Briefbeschwerer.

Es findet sich Platz für moderne Kunst, das Un/Gleichgewicht der Kräfte um den ersten Weltkrieg von Yinka Shonibare (Das Ende des Imperiums).


Zurück am Meer Blick nach Mumbles, einem Touristenstädtchen mit Burg (nicht im Bild und leider schon für den Winter geschlossen).

 

 

 

 

Das Schach? K hat wieder mal einen kleinen Preis gewonnen. Dafür dass er als nicht so hoch eingestufter Spieler auch mal stärkere geschlagen hat.

 

 

 

Ja, wo laufen sie denn?

In Bangor-on-Dee (toller Name), einem walisischen Örtchen mit Rennbahn (Hindernisrennen). 10 Pfund pro Nase Eintritt inklusive Parkplatz. Wir sind mit Freunden auf dem open course verabredet, wissen aber nicht, was das bedeuten soll. Was es heißt, wissen wir „offene Rennbahn“, also die billigste Option, aber was bedeutet das, wo ist es? Wir stellen uns nach dem Parken und Erwerb der Tickets am Parkplatzeingangshäuschen an einem Tor an. Es gibt zwei Schlangen, ich weiß nicht, dass sie nicht gleichwertig sind. Werde an der einen freundlich an die andere verwiesen, ich bin in der VIP Ecke gelandet, die Leute haben bessere Tickets, grins. In der anderen Schlange bemerke ich, die Leute haben dieselben Tickets wie wir, doch die legen noch 10 Pfund am Tor drauf. Ich trete aus der Schlange heraus, finde heraus, das ist der Aufpreis für die Tribüne. Kompliziert. Wir haben vergessen, viel Geld einzupacken, Aufpreise gehen nicht, wir wollen ja noch wetten.

Open course meint also, man ist schon hier. Es gibt eine erhöhte Wiese zwischen Parkplatz und Rennbahn, Spitzenblick, wir müssen nur die paar Meter hingehen und finden die Freunde. Picknickdecken, manche Leute feiern mit Freunden ihren 50. Geburtstag, Sektgläser, aufgebrezelte Leute, Leute in lässiger Kleidung, ein typischer britischer Ausflug an einem Freitagnachmittag.

Wir passieren die Wettbüros: die Buchmacher haben mobile Stände mit den Wettchancen für das jeweils nächste Rennen aufgebaut. Wie rustikal ist das denn!

7 Rennen sind angesagt. Der familienfreundliche Minimum Einsatz beträgt 2 Pfund. Und so ist es gelaufen:

Im ersten Rennen wetten wir noch nicht. Unsere Freunde setzen klugerweise 3 Pfund auf irgendein favorisiertes Pferd (im ersten Rennen sind nicht viele Pferde am Start, die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen ist einfach höher) und gewinnen 12 Pfund. Damit kann man wuchern …

1. Rennen, Zieleinlauf und kurz dahinter

Klaus setzt ohne Vorabsprache mit ihnen im 3. Rennen auf dasselbe Pferd wie die Freunde. Es wird Dritter. Ich setze auf ein anderes Pferd wie die Freunde im 4. Rennen. Grrhh, es wird Zweiter, das reicht aber nicht. Erst gegen Ende des Rennens holte es von ganz hinten auf. Unserer Freunde Pferd gewinnt auch nicht. Das 5. Rennen, beide setzen wir wieder zufällig auf dasselbe Pferd, erzielt wieder einen nur zweiten Gewinner.

Wir geben nicht auf. Klaus zieht los, wir haben nur noch 2 Pfund, also werden die 2 Pfund auf ein Pferd gesetzt. Er kommt mit dem Wettschein wieder. Unsere österreichische Freundin kommt auch zurück. Nicht zu fassen, sie hat 3 Pfund auf dasselbe Pferde gesetzt. So was kann man nicht planen. Eine kontinentale Vorliebe für dieselben Namen / Chancen? Nicht wirklich, ihr walisischer Freund hatte das Pferd erwählt.

Bei Pferderennen gibt es keinen Startschuss, das würde die Tiere in alle Richtungen auseinanderstieben lassen. Wegen der verschiedenen Längen der Rennen findet der Start überall auf der Bahn statt, auch weit weg von den Zuschauenden. Denn das Ziel liegt immer vor den teuren Plätzen – ist aber von den billigen Plätzen aus noch gut zu sehen. Selbst dann, wenn man wie wir den Fernstecher vergessen haben. Wir sind halt RennamateurInnen.

Den Start bekommt man also nicht unbedingt mit, doch dann kommen die Ansagen aus den Lautsprechern. Ich kucke alleine von der Anhöhe zu, die anderen stehen irgendwo an der Bahn. Ich habe fast vergessen, wie das Pferd heißt, ich glaube, es war Hermanus, Nummer 12, also achten wir mal auf dieses, mit irgendwas will man ja mitfiebern.

Zu Beginn des Rennens läuft Hermanus mittig mit, bleibt weiter mittig, wird dann erstaunlich oft vom Rennsprecher genannt, denn er bleibt nicht mittig, kommt tatsächlich weiter nach vorne und weiter nach vorne, ist auf einmal ganz vorne in dem dichten Feld, keine Ausreißer hier, schiebt sich auf den zweiten Platz vor, es sind nur noch 2 Hürden bis zum Ziel, er bleibt vorne, erster, noch eine Hürde, niemand fällt, Hermanus ist vorne, das kann doch nicht sein, Zielgerade
– und unser Pferd hat gewonnen … 14 Pfund.

Da nehmen wir doch das Geld und hauen ab, solange wir im Wettplus sind (3 Pfund). Auf das 7. Rennen warten wir nicht mehr, man muss es nicht verschreien.

 

Massenweise Eindrücke

Ein letztes cornisches Schmankerl ist St. Isaac, ein kleiner Fischerhafen mit tief in das Land eindringende / vorragende, wie man es nimmt, Bucht. Selbst diese Premiumlage wird zusätzlich mittels zweier Kaimauern (Bild, links hinter dem Haus kann man ein Stück sehen) geschützt.

Typischer Wetterschutz: Schiefer.

Weitere Dorfansichten:


Übernachtung in Ilfracombe, bereits Norddevon. Hier habe ich vor fast 30 Jahren eine Nacht in einer Jugendherberge verbracht auf einer kleinen Exmoor-Reise mit zwei Freundinnen. Gute Erinnerung an die JuHe (jedes der Meerbettzimmer war  andersfarbig mit Blümchenmustern gestaltet, hatte nichts gemein mit den damaligen deutschen kasernenartigen Unterbringungen). Keine Erinnerung an den Ort selbst. Wir kamen bei Dunkelheit an und haben am nächsten Tag irgendwo stundenlang auf einen Bus gewartet, so mein Eindruck und der, fürchte ich, ist nicht falsch.

Dieses Mal gibt es ein Zimmer mit Meerblick:

Die Marina:

Und eine Überraschung:

Tunnel-Strände? Da müssen wir rein, auch wenn es Eintritt kostet und kurz vor Schließungszeit ist.

Seit 1823 badeten Damen und Herren, fein säuberlich getrennt natürlich, an zwei Stränden, die durch Tunnels zu erreichen sind, auch heute noch, es gibt den Ladies Beach und den Gentlemen Beach. An den Wänden sind Zeitungsartikel aus den folgenden Jahrzehnten nachgedruckt, die von traurig – jemand ist beim Klettern auf den Felsen abgestürzt – bis amüsant reichen. So wurde um 1850 ein Mann dabei erwischt, in die Damenbucht geschwommen zu sein. Wenn die Zeitung den Namen des Mannes, der ihr bekannt ist, abdruckte, könnte er sich in vornehmer Gesellschaft (polite society) nicht mehr blicken lassen!

Wie im Film

Atlantikküste und Inland

An den Stufen von Budruthan sieht es so aus. Eine Treppe führt zum Strand hinunter, bei Ebbe kann man von Bucht zu Bucht gehen, bei Flut werden die Buchten voneinander abgeschnitten und müsste sehr ungemütlich 6 Stunden ausharren. Wir kommen bei gerade steigender Flut an und machen den üblichen Versuch: durch die lappenden Wellen ein paar Meter quer gehen, um das obere Foto schießen zu können. Beim Zurückgehen, nach wenigen Minuten, sind die Wellen 20 cm höher. Solche Küstenabschnitte sind Naturschutzgebiete, alle dürfen sie sich ansehen und daran erfreuen. Solche Landschaften werden gerne für Filmaufnahmen genutzt, bestimmt haben alle schon so etwas gesehen und siehe da: keine Kulissen und man muss nicht einmal nach Thailand dafür reisen.

Strand gibt es auch mit Sanddünen, in Holywell, wo nur ein fieser Regenschauer vom Baden abgehalten hat:

Stranddistel (Eryngium, wenn man es genau wissen will, Arten davon gibt es als Gartenpflanze)

Dünenlandschaft


Inlandsorte: sehen meist gut aus wie das schicke Truro, die Hauptstadt von Cornwall. Man lebt nicht nur vom Tourismus, wenn man einen schönen Wochenmarkt hat, auf dem mit heimischem Honig verfeinerte Orangenmarmelade angeboten wird oder Kalbfleisch, eine Seltenheit in GB.

Die Kathedrale ist aus dem 19. Jahrhundert, deshalb wirkt sie „aufgeräumt“. Sie ist aus einem Guss, man hat nicht jahrhundertelang seinen Geschmack geändert bzw. Bau-Wetter-und Kriegsschäden reparieren müssen. Sie ist alt genug für Flair, die Ablagerungen der Geschichte erzeugen.

Das Taufbecken innen sieht imposant aus, doch unpraktisch: ein dicker Steindeckel deckt das Wasser ab. Doch halt, man hat mitgedacht. Ein Haken an einem Flaschenzug erleichtert die Bedienung.

 

Kunst und Krempel

In einem Dorf namens Luxulyan (sprich Laxilian) verbringen wir drei Tage. Nahebei ragen kegelförmige Abraumhalden auf, bereits bewaldet, so alt sind sie. Die berühmten aufgegebenen cornischen Zinnminen? Dem ist nicht so, noch heute wird hier Lehm abgebaut – im großen Stil, zum Töpfern und für andere Zwecke.

Da wir gerade vom Töpfern reden, das hat vor Ort eine riesige Tradition und zwar z.B. in St. Ives, DEM touristischen Ort in Cornwall. Wir fahren mit dem Zug hin. Das ist einfacher als Park&Ride oder sich – i bewahre – bemotord durch die winzige Innenstadt zu quetschen (die brauchen unbedingt Beratung von autofreien Innenstädten wie Zermatt oder den ostfriesischen Inseln). Davon abgesehen sieht man schnell, warum hier viele Leute hinkommen: hinreißende atlantische Badebuchten mit etwas Wellengang, perfekt zum Erlernen von dem auf dem Brett liegenden, nicht stehenden, Surfen für Groß und Klein. Einfach so ins Wasser gehen und die Wellenkraft zu erleben macht auch Freude und es ist NICHT kalt … Leckeren Fudge  gibt es, dieses Karamelzeugs … und Kultur wie das Bernard Leach-Museum. B.L. war ein multi-begabter Künstler, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Japan lebte, japanisches Töpfern lernte und bestimmte Aspekte deren Keramik und gleich einheimische Gasttöpfer mit nach England brachte. Sein Einfluss auf Kunstkeramik war enorm. Seine alte Werkstatt ist heute Museum, doch eine lebendiges. Im angrenzenden Produktionsraum schaffen weiterhin professionelle Töpfernde aus aller Welt ihre Interpretation sehr bodenständiger Töpfe mit erdigen Glasuren.

Töpfermarke der Leach Werkstatt. Letztes Jahr habe ich einen Krug daraus geschenkt bekommen, s.b. diesen älteren Beitrag (zweites Bild von oben)

Die alte Werkstatt, mit original Werkzeugen, auf dem Foto im Foto B.L selbst.

Als wäre der Ort nicht schon gesteckt voll mit allem Möglichen, gibt es auch einen Ableger des berühmten Tate Museums, denn Cornwall inspiriert KünstlerInnen und hat das immer schon getan. Der runde Bau des Museums, auf einer alten Gashalle erbaut, mutet seltsam zurückgenommen in seiner Gipsfarbenheit an, das ist interessant. Deshalb bezahle ich den stolzen Eintrittspreis von 9.50 – und das in einem Land, in dem die großen Museen wie die Tate in London freien Eintritt haben – und bin in der ersten der 10 Galerien, sprich Räumen, noch nicht entzückt. Doch das ändert sich. St. Ives war offenbar ein Hort, eine Brutstätte abstrakter Kunst von einheimischen und internationalen Kunstschaffenden und ist es bis heute geblieben. Sonnenuntergänge (nichts gegen Sonnenuntergänge, aber es gibt ein Leben jenseits gemalter Sonnenuntergänge) findet man hier nicht, sondern das andere, sich reibende, das Kunst so spannend macht. Hat sich mal wieder ausgezahlt, die Investition.

Die Tate in St. Ives. Im Vordergrund ist eine Mauer zu sehen, davor stehen Bänke und nach einer Brüstung fällt der Felsen 5 Meter bis zum Strand ab. Es gibt alle üblichen Strandzubehöre, Café, Surfbretter zum Leihen, Strandwacht, wasserhungrige Kinder in Handtücher gewickelt und Atlantikwellen. Klaus hat auf einer Bank Schach gespielt, derweil ich im Museum war.


Luxulyan liegt nahe an St. Austell, einem der wenigen Orte, die uns aufgefallen sind, die ärmlich wirken. Cornwall soll die ärmste Gegend Englands mit einer hohen Arbeitslosenrate sein. Es wirkt meist nicht so, aber Tourismus kann nicht für alles sorgen. Wir sind das bescheiden auftretende Nordwales gewohnt, vielleicht ist Cornwall im Verhältnis dazu wohlhabender.


Es heißt, wer in Cornwall Auto fahren kann, ist praktisch einheimisch. Wahr ist, es gibt auch zu völlig normalen Ortschaften manchmal Straßen, die abschnittsweise einspurig sind, unübersichtlich durch Hecken und die hügelige Geographie der gesamten Region sind und ganz wenige Ausweichstellen haben. Man kann da gut fahren, aber das ständige Aufpassen darauf, ob jemand entgegen kommt, ist anstrengender als auf zweispurigen Straßen. Das ist der Unterschied, die Art der Konzentrationleistung.


Was nie verkehrt ist, am frühen Nachmittag, wenn das englische Frühstück langsam verdaut ist: ein Cream Tea mit Scones, Clotted Cream und Marmelade.

Ein Schritt weiter – Cornwall

Die Straßen sind alle besser geteert als in Cheshire. Auf der anderen Seite sind schmale Straßen wirklich schmal und nicht reich an Ausweichstellen – man windet sich durch die Weiler, wenn man sich zum B&B verfährt. Geht aber alles und Gegenverkehr gibt es wenig, die Einheimischen kennen die besseren Straßen. Vor dem B&B finden passiert an dem Tag noch einiges. Zuerst raus aus Plymouth auf einer 10 Minuten Fähre, die nichts kostet, erstaunlicherweise, und cornische Seebäder – sehr populäre wie Looe (sprich Lu), und ein weltberühmter Garten.

Dazu ein paar Bilder:

Ein Vorteil des Südens: schon wieder Fähre fahren.

Es gibt Ost-Looe und West-Looe, getrennt durch den Fluss – richtig – Looe. West-Looe hat den Strand, malerisch und voll und Gassen voller Essläden und Souvenirbuden. Ost-Looe, über eine Brücke erreichbar, kein Strand, aber viele Häuser. Die Bilder sind vom selben Standort aus gemacht worden als Art Panoramaaufnahme für Arme.

Genug Küste, es ist heiß, Schatten muss her. Am besten in Gestalt eines Gartens, des verlorenen Gartens von Heligan. Verloren, weil er 100 Jahre nicht gepflegt wurde, seit den 90ern jedoch wieder, teilweise buchstäblich, ausgebuddelt wurde. Da wir im milden Cornwall sind, wurden zu den Gemüsegärten, italienischen Ecken und sonstig üblichen Komponenten eines herrschaftlichen Gartens sehr exotische Elemente dazugefügt, einen Dschungel mit Seilbrücke (mit meinem Fuß) im burmesischem Stil z.B.

Jeder Garten ist anders. Diese Anlage fühlt sich ein bisschen wie ein Zoo an, da ist die Art der Besuchendenführung usw. Und richtig, es finden sich Weiden für seltene Nutztierrassen.

Nicht nur wegen des Wetters ist es  schön, auf viele Bäume zu treffen. Große und ganz große:

Auf dem Bild eine gar mächtige Eiche entlang einer Palmenallee. Die Palmen sind auch nicht klein. Kann man alles zusammen wachsen lassen in dem Klima.

Nahaufname, recht Palmwedel, links Eichenblätter.

Schöne alte Glashäuser – das Ananashaus. In der Mitte kann man einen Heizlüfter erkennen (in diesem Sommer nicht notwendig).

Die alte Befeuerung à la römisches Bad sieht man links vom Glashaus:

Kunst: Gigant aus einer Wurzel aus einem umgestürzten Baum. Die Augen sind aus Glasscherben aus einer viktorianischen Müllkippe. Im 19. Jahrhundert wurde aller Müll (von Exkrementen bis Asche) gesammelt und gebraucht, zumindest in Städten, doch auf dem Land finden sich viele kleine Gruben, die das Einwegglas und andere Dinge eines großen Haushaltes aufnahmen. Die Vegetation auf dem Kopf ist angepflanzt und wird gehegt und gepflegt.

Diese Frau ist aus dem örtlichen Lehm geformt und stört sich nicht an den Besuchendengruppen.

Unser B&B befindet sich außerhalb von St. Austell in einem Dorf mit lebhaftem Pub und hervorragenden fritierten Zwiebelringen. St. Austell ist leider etwas traurig, da boxt der Papst nicht gerade.

In Devon

Eine fette Fähre aus Frankreich steuert im Hafen von Plymouth direkt auf mich zu (schwimmend), bevor sie ordnungsgemäß den Leitbojen folgt und backbord (oder steuerbord oder wie auch immer) ablenkt. Es ist kurz nach 6 Uhr morgens, die See ist spiegelglatt und das Wasser ist warm.

In der Nähe der Badestelle. Dies ist mitten in Plymouth (260.000 Einwohnende)

 

Ein bisschen Erfrischung braucht es nach einem langen Tag auf oft einspurigen Straßen der zerklüfteten Küste von Devon folgend. Dabei im Inland das kreative Städtchen Totnes besuchend, in dem man problemlos einen Vollkornkuchen bekommt.

Kingsbridge, s.u., ist ein netter Ort, aber weder am Meer noch im Inland: dorthin mündet das letzte Zipfelchen eines sehr langen Meeresarmes. Aber wirklich das letzte, dann ist Ende Gelände, s.Bild. Wirkt wie eine Gracht. Die Tiden bewirken, dass die Boote zwei Stunden früher noch völlig auf dem Trockenen lagen und auch die Tatsache, dass es sich um wertvolles Watt handelt, tröstet nicht darüber hinweg, dass sich kein Meergefühl einstellen will.

Ewig kurvige enge Sträßchen zwischen Hecken und Getreidefeldern und das Ganze auf Hügeln, die höher und steiler sind als die im Voralpenland: das ist Süddevon. Hat man es an die Küste, die mehr Ausbuchtungen als das Innere eines Darmes hat, geschafft, trifft man auf solche Badebuchten:

Cheers aus Plymouth:

Hafenbecken links unsichtbar ist das Ausgehviertel. Hafenbecken Richtung Ärmelkanal, Insel mit Festungsanlagen, im Bild. Ein Hafenbecken rechter Hand beherbergt dann die Fähren, die immer noch mit den ganz alten, wirklich schmutzigen Dieselmotoren fahren.