Blaues Meer

Doch erstmal ein Rotkelchen im zu hellen Sonnenschein – fürs Handy, nicht fürs Rotkelchen.

Ein Tagesausflug – um die Spinnweben im Kopf zu vertreiben – führt uns nach Falmouth – drittgrößter natürlicher Hafen der Welt -, Moenporth (Sandstrand, Kiesstrand, dazwischen Wanderweg), dem Garten Glendurgan. Dies alles knubbelt sich in Cornwall, dem Ende der Halbinsel (nennt man so etwas Großes noch Halbinsel?) zu.

Anmerkungen:
Das Wasser, auch wenn beides irgendwie Ärmelkanal ist, ist im Plymouth Sund deutlich wärmer als “draußen” in Cornwall, beides aber gut beschwimmbar. Was viele Leute finden, man kann dennoch Distanz bewahren.

Corona: natürlich ist das Labyrinth oben wegen Corona geschlossen, fairerweise ist der Eintrittspreis dieses fantastischen Gartens plus Arboretums (Baumgarten) halbiert. Vorbestellen muss man dennoch, sonst “kommst du nicht rein”.

Erfahrungen mit Einkehren. Augenrollen ist angesagt. Ein Glück, dass der Südwesten insgesamt nie ein Hotspot war noch bislang einer geworden ist. Alles andere wäre nämlich dumm.

Erfahrung 1: K hat in Plymouth ein frisch gezapftes Pint genossen. Im Gastgarten, in dem 5 von 7 Pubtischen abgesperrt waren, obwohl genügend Platz zur sozialen Distanz gewesen wäre. Machte aber nichts, er war fast alleine draußen, es gab keinen Andrang. Drinnen dagegen, im Schankraum, machte man es sich enger gemütlich.
Man sollte eine SMS schreiben mit seinem Namen und der Anzahl der Personen, mit denen man unterwegs war. Deswegen bekam man einen Zettel mit (vermutlich) einer Codenummer für diesen Pub. Später stellte sich heraus, dass die SMS Geld gekostet hat. Nicht viel, aber das begeistert nicht, wer macht so etwas ein zweites Mal? Ein Zettel für den Pub, zwei Wochen aufzubewahren, ergäbe deutlich mehr Sinn.

Erfahrung 2: In Falmouth, weil es ein nettes Städtchen ist und weil wir abends staufrei nach Plymouth zurückfahren wollten, in einem modernen Bistro abends draußen gegessen. Alles sehr hygienisch, Tische und Bänke nach jeder Nutzung abgewischt, überall Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren, Menü auf einem QR Code nachzulesen. Das mit dem Menü war für uns ein Rohrkrepierer, da wir (noch) keine QR Leseapp haben. Es gab alternativ ein Papiermenü.

Nach dem Essen fiel uns auf: niemand hat uns nach einem Namen oder einer Kontaktnummer gefragt …

Im Garten Eden

Eden Projekt in einer alten Kaolingrube nahe St. Austell, Cornwall.

Was wie eine Mischung aus Außerirdischensiedlung und Großbienensilo aussieht, sind die größten Gewächshäuser der Welt. Die geodätischen Kuppeln sind nach den Prinzipien des amerikanischen Architekten Richard Buckminster-Fuller (toller Name) errichtet worden.

Im Außenwald verschwindender oder verschwimmender Waldschrat. Jemand sagte, es solle David Bowie darstellen. Kann auch sein.
Die Technik im Tropenhaus ist gut sichtbar und erinnert an alle Lüftungstechniken der Welt, so z.B. die von U-Bahn-Schächten.
Exotische Pflanzen warten im Tropenhaus.

Der Ansatz von Eden ist tatsächlich “Garten”. Der Schwerpunkt liegt auf Nutzpflanzen und nachhaltiger Bearbeitung von Boden im Einklang mit den Gegebenheiten, nicht gegen die Ökologie des Standortes.

Die Außenwelt mit der Grubenbegrenzung durch den Kuppelwald gesehen.
Bananen dürfen nicht fehlen
Roul Roul Vögel (Straußwachtel) treiben ihr Wesen im Unterholz und auf den Wegen. Kinder sind natürlich begeistert, dürfen sie aber nicht berühren und das klappt auch gut.

Apropos Berühren. Was auffiel: in zwei Tagen wird in den UK Maskenpflicht in allen Geschäften und auch in Eden herrschen. Heute trug außer den Angestellten genau eine Person eine Maske: ich. Das war schwach, denn trotz Coronagründiger reduzierter Besuchendenanzahl war es ganz schön voll in den Häusern. Wollte Maske ausprobieren, selbst im Tropenhaus, und funktionierte gut. Nachteil: fühlte mich nicht sicherer, naja, sie soll dazu dienen, dass sich andere sicherer fühlen.

Ziemlich geschäftige Vögel, auch im Bambuswald
Skurril: die fossilen Bakterienfelsen nachempfundene Keramikskulptur, die Rauchkringel ausstößt. Sie versinnbildlicht und feiert die Blaualgen, die als erste und bis zum heutigen Tag Sauerstoff abgaben und dadurch Leben auf der Erde ermöglichten. Sie sind längst nicht nur einzeln als Blaualgen unterwegs, sondern Bestandteile aller grünen Pflanzen, und ermöglichen die Photosynthese. Die “Seifenblaseneffekte” sind jedenfalls unerwartet …
Die Rabatten auf den gestuften Hängen sind sensationell: gut entwickelte Mehrjährige Pflanzen, oft flächenweise farblich abgestimmt und -jetzt im July- in voller Blüte.

Erleichterungen

Auch die UK befinden sich in Phase – ja, welcher eigentlich – jedenfalls nicht mehr in der kompletten Lockdown (Quarantäne) Phase. Die Verlautbarungen der Regierung ändern sich dermaßen schnell und werden teilweise stotternd vorgetragen, weil sich die Leute verhaspeln, die wissen selbst nicht, was sie meinen: außer, es geht aufwärts. Nach 35.000 getestet-mit-Corona-Verstorbenen und einer (sogar offiziellen) Zahl von 50.000 Übersterblichkeit bereits in den ersten sechs Wochen des Lockdown geht es endlich abwärts – mit den Toten, mit den Infektionen. Wunderbar!
Wir im Südwesten sind bislang vom Schlimmsten verschont geblieben. Die Krankenhäuser nicht überlastet, die Fallzahlen relativ niedrig. Möge es so bleiben!

Aufgrund der Gesamtlage treten Lockerungen in Kraft, wie zum Beispiel: Ich dürfte meine Mutter im Park treffen. Auf Abstand natürlich. Allerdings nicht zugleich mit meinem Vater. Den müsste ich später treffen. Gleichzeitig darf ich jedoch wieder eine Putzkraft ins Haus lassen. Diese muss nicht mit mir verwandt sein.

Man soll wieder Arbeiten gehen, aber bloß nicht mit den Öffis, die sollen schön leer bleiben, lieber mit dem Auto. Aber noch besser, mit dem Rad, dann wird man zusätzlich fit. Geld für Radwege wurde mittlerweile bereitgestellt. Die sind dann in 2-3 Jahren fertig.

Was wie drittklassiges Kabarett klingt, sind originale Redebestandteile von Johnson bei seiner Verkündigung der Lockerungen und Aussagen von Ministern beim Corona Briefing, das ist das tägliche Vor-die-Presse-Treten einiger Politischen und ExpertInnen, das live gesendet wird. Es werden auch Fragen von Bürger*n zugelassen, nicht nur von Journalist*en. Diese Volksnähe ist wirklich vorbildlich, der Inhalt kann mitunter zum Fremdschämen einladen.

Bei all der Verwirrung ist der Bevölkerung klar: man darf wieder ohne Begrenzung ins Freie, man darf auf Abstand wieder Freunde treffen. In England!
Wales, Nordirland und Schottland sind der Meinung: bleibt weg, Englische, wir halten unter uns noch ein paar Wochen strengere Maßnahmen ein.

Wie andere auch, nutzen wir die neue Freiheit zu einem ersten Ausflug: einem Spaziergang im Dartmoor.

Ein Kuckuck hat sich die Zunge aus dem Hals gerufen, Schafe trollten mit ihren Lämmern über die Wiesen, kühle Bäche rauschten im Grund.

Dies ist ein Ast, der waagerecht vom Baum wegführt, Meter für Meter (6?). Die Eiche steht voll im Saft, hat Spannkraft, dennoch wirkt der Winkel physikalisch unvorteilhaft auf die Betrachtenden, die darunter hergehen müssen.
Auf der Höh (dem Bench Tor) gibt es Aussicht. Die braune Fläche wird sich wieder mit Adlerfarn bedecken.
Und ein Wasserreservoir gibt es auch. Vielleicht werden wir in einiger Zeit dieses Wasser in Plymouth trinken?

Währenddessen, auf dem Allotment in Plymouth, wachsen Zwiebeln, Kornblumen und Kohl.

Spaziergang durch Plymouth Teil 4 (Ende)

Wir verlassen den Hoe, auf dem wir uns in Teil 3 aufgehalten haben, doch befinden uns weiterhin auf dem Küstenwanderweg rund um die eine großbritannische Insel – ohne Nordirland (und nicht so sicher bezüglich des Ausbaus des Wanderweges im zerklüfteten Schottland). Wales und England lassen sich jedoch umwandern, wenn man die Zeit mitbringt, es sind ein paar tausend Kilomenter. Wer in Plymouth lebt, geht automatisch immer wieder ein Meilchen mit …

Die Kaserne zieht sich …

Wanderzeichen.

Wir gelangen zum Sutton Hafen und dem Barbican, der Vergnügungsmeile: nicht nur ist die Kneipendichte sehr hoch, hier befindet sich ebenso das große Aquarium, die einzige Gindistillerie der Stadt und eine symbolische Ablegestelle der Mayflower. Dazu die Touriinfo und ein Motorradtreffpunkt für alte Männer.
Segeljachten aller Art liegen vor Anker. Vom Ausflugsboot, Wochenendschiff bis zum Wohnsitz, alles dabei.
Im Norden gibt es die Long Boats auf den Kanälen, am Ärmelkanal sind seetüchtige Häuser gefragt.

Links das Aquarium.

Im Hintergrund das Aquarium, im Vordergrund ein kleines Tor mit der britischen und der amerikanischen Flagge : Vor 400 Jahren brach die Mayflower auf und errichtete nicht die erste, doch die symbolträchtigste weiße Siedlung Amerikas.

Kneipenmeile.

Über Hauptstraßen und Einkaufszentren gelangt man in stille Wohnviertel und zu kleinen Parks.

Das Gebäude im Hintergrund ist neu, heißt Barcode (wegen der vertikalen Fassadenverzierung) und beherbergt ein Kino und ein paar Restaurants. Eine dieser Stadt-attraktiv-machen-Maßnahmen.

Die Charleskirche wurde im Weltkrieg zerbombt und so belassen. Sie liegt inmitten eines Kreisverkehrs und konnte bis vor ein paar Jahren noch unterirdisch ergangen werden. Dem ist nicht mehr so.
Die “gefalteten Wandschirme” oder Segel im Hintergrund gehören zum Einkaufszentrum Drake Circus.

Brachflächen an der Eisenbahn mit einem Verkehrshütchen, das sich -warum auch immer- in einem Baum befindet.

Blick über das für Plymouth charakteristische Häusermeer.

Ausblick auf die Hügel von Devon. Da Plymouth sehr hügelig ist, ergibt sich ein reizvoller Kontrast aus verschwiegenen Ecken und unvermuteten Sichtachsen.

Zu guter letzt zwei Parks in unserer unmittelbaren Nähe:

Beaumont Park punktet mit Baumbestand. Es war einmal der Garten des Beaumont Hauses, in dem befinden sie nun Kanzleien. Der Park selbst ist öffentlich, doch mit einer Mauer umgeben, in die bei Nacht verschlossene Tore eingelassen sind:

Freedom Fields Park punktet mit Seeblick und Häuschen für schlechtes Wetter:

“Das Beste” aus Corona-Plymouth

Ein Gastbeitrag von Klaus

Soweit ich unterrichtet bin, ist es verboten oder zumindest sehr, sehr ungern gesehen, wenn sich jemand motorisiert weit weg von der eigenen Wohnung begibt, um dort spazieren zu gehen. (Im Dartmoor zum Beispiel könnten Abertausende flanieren, ohne sich zu nahe zu kommen. Aber ich bin nicht kompetent, die Restriktionen zu beurteilen.)

Der tägliche Spaziergang rund ums eigene Heim also notwendig langweilig? Nicht unbedingt. Ich kann mir vorstellen, dass es noch für ein oder zwei Monate Isolation Neues zu entdecken gibt. Vorgestern habe ich einen mir bislang unbekannten Pub entdeckt – keine 15 Minuten Fußweg von zuhause entfernt. Oder: Straßen zu gehen, die man sonst immer nur befahren hat, ist auch interessant. – So, nun aber zum heutigen Spaziergang (leider ohne Fotos):

England – Land der Gärtnerinnen und Gärtner?

So zumindest ist die Reputation dieses Landes. Besuche in großen Gartengeschäften scheinen dies zu bestätigen. Beim Gehen durch bewohnte Straßen hingegen kommt man nicht umhin zu präzisieren. Land der Gärtnerinnen und Gärtner, das mag schon stimmen. Aber keinesfalls ist es ein Land der Vorgärtnerinnen und Vorgärtner. Da tun sich fürchterliche Anblicke zuhauf auf. Zubetoniert, verwahrlost und vermüllt, bestenfalls eine Kiesfläche mit einem Blumentopf drauf. Das ist vorherrschend. Kann man es da als “Entschuldigung” durchgehen lassen, dass kaum einer dieser Vorgärten eben ist. In Plymouth geht’s nur immer rauf und runter.

Denken ja – aber bloß nicht zuviel

Die Szene ist ein etwa drei Meter breiter Fußweg zwischen zwei Siedlungen, rechts und links davon Zäune, Mauern, Hecken. Zwei Damen unterhalten sich. Sie wohnen offensichtlich nicht im selben Haushalt, denn sie halten (vorbildlich!) zwischen sich einen Drei-Meter-Abstand ein – genau DIE drei Meter, die der Weg breit ist. Die eine steht rechts am Wegesrand, die andere ihr gegenüber am linken Wegesrand. Allen Durchgehenden fliegen die Viren und Bakterien der beiden Damen buchstäblich um die Ohren. Vorbildlich?

The Who …

ist eine Rockgruppe der 60er. Der Text eines ihrer Lieder geht so (*Übersetzung ganz unten):

Uh, well, a young man, ain’t got nothing in the world these days
I said a young man, ain’t got nothing in the world these days
Well you know in the old days
When a young man was a strong man
All the people they stepped back
When a young man walked by
But you know nowadays
It’s the old man, he’s got all the money

Offensichtlich hat Corona diese alten Tage wiederbelebt. Es bin fast immer ich, der beim Spaziergang vom Bürgersteig auf die Straße oder die gegenüber liegende Seite ausweicht, wenn “a young man walks by”. Dabei habe ich gar nicht “all the money”.

*
Uh, ja, ein junger Mann hat in der Welt heute nichts zu melden.
Ich sagte, ein junger Mann hat in der Welt heute nichts zu melden.
Ja, früher
Wenn ein junger Mann ein starker Mann war
Wichen alle Leute aus
Wenn ein junger Mann vorbeiging
Aber heutzutage
Hat der alte Mann das ganze Geld.

Spaziergang durch Plymouth Teil3

Nach einem Rundblick in der Plymouther Innenstadt wenden wir uns nun nach Süden, entlang einer direkt zum Meer führenden grünen Achse. Ein letzter Hügel will erklommen werden. In der Bildmitte lässt sich im Hintergrund eine “Nadel” erkennen, das ist das Kriegerdenkmal.

Und zwar dieses.

Daneben Sir Francis Drake. Immerhin hat er hier auf die Ankunft der Armada gewartet, Boccia spielenderweise, wie es heißt. Falls jemand es nicht weiß, er hat dann gewonnen (gegen die Armada, das Bocciaergebnis ist nicht überliefert).

Der so genannte Hoe ist mit Bänken bestückt, auf einer geteerten Fläche laufen Hunde, Leuten skaten und spielen auf den Rasen Frisbee – ich nenne den Hoe das Wohnzimmer von Plymouth. Besonders Sonntag Nachmittags genießen Einheimische und Touris den weiten Blick und verweilen.

Rückwärtig steht ein Block aus Appartmentgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, dazu ein paar neuere Bauten. Sie drängen sich nicht auf, der öffentliche Platz für jederman und jederfrau ist großzügig bemessen.

Ein Leuchtturm, der gerade für die 400 Jahrfeier der Abreise der Mayflower (Pilgerväter…) frisch gestrichen wird. Er heißt Smeatons Turm und verbringt hier seinen Austrag. Ursprünglich stand der im 18. Jahrhundert erbaute Turm außerhalb des geschützten Sundes, seine Warnfunktion übernahm ein Folgemodell und heutzutage eine automatische Anlage. Im Hintergrund ist ein Kriegsschiff zu sehen, ein bis zwei liegen meist vor Anker, Plymouth ist ein wichtiger Marinehafen.

Blick aufs Wasser nach Südwesten: der Sund von Plymouth mit der Drake Insel.

Nach Süden auf den Ärmelkanal.

Nach Südosten auf Mount Batten.

Blick auf den Lido, ein Salzwasserschwimmbecken aus den 30er Jahren. Man kann aber auch an vielen Stellen unproblematisch direkt ins Meer steigen. Die Innenstadtküste ist felsig, doch mit Treppen gut erschlossen. Die Schwimmenden haben einen breiten Wasserstreifen für sich, eine Reihe Bojen etwas weiter draußen als das Lidobecken zeigt Booten und Schiffen an, wie weit sie an die Küste herandürfen. Auf der anderen Seite sind Badende gut beraten, den Bojengürtel nicht zu überschwimmen, der Sund ist geschäftig. Lokale Fähren, die Fähren nach Frankreich und Spanien, private Segelnde, die Küstenwacht, die Marine, Feuerschiffe … sorgen für ein ständig wechselndes Bild und viel Betrieb.

Militär spielt eine Rolle auch auf dem Festland, eine riesige Kaserne aus dem 18. Jahrhundert verschandelt und verbaut den westlichen Teil des Hoe. Der Bau wird heute noch vom Militär genutzt.

Entlang des Hoe gibt es Cafés und Pubs, Eisverkaufende … Joggende, Busladungen von Touris und Leute, die um 6 Uhr früh hier relativ ungestört spazierengehen. Es ist für alle etwas dabei.

 

Spaziergang durch Plymouth Teil 2

Die Innenstadt

Plymouth liegt in Devon, an der Grenze zu Cornwall (getrennt durch den Fluss Tamar). Deshalb hat die Stadt auch einen cornischen Namen, nämlich Aberplymm, der dasselbe bedeutet wie Plymouth – Mündung des Flusses Plym. Die/der Plym fließt im Osten der Stadt ins Meer. Seit der Bronzezeit, die dauerte etwa von 3000 bis 1000 vor Christus, ist Besiedlung nachgewiesen.

Der Stadtkern von Plymouth wurde 1941 im Plymouth Blitz komplett zerstört. In den 1950ern kam die Stadterneuerung. Die war ambitioniert, da völlig neuartig. Die Innenstadt wurde auf dem Reißbrett mit rechten Winkeln entworfen, die Straßen sind breit, mehr Boulevard als Straße und von Beginn an als Fußgehendenzone konzipiert. Es war die erste solche Europas!

Leider ist auch für die geneigten Betrachtenden die Innenstadt sehr heruntergekommen. Unten Ladengeschäfte mit hässlichen Fassaden, oben die ans Art Deco angelehnten Bauten, die einmal sehr schön gewesen sein müssen, aber schlecht gealtert sind. Die Innenstadt zu gestalten ist eine Daueraufgabe.

Ich stehe ungefähr hier, da, dort (schwarzer Pfeil) und fotografiere einmal um mich rum. Los geht’s.

Norden, in die beschriebene FußgängerInnenzone hinein.

Westen. Ein Verwaltungshaus, steht leer und niemand will es haben.

Süden, Richtung Meer, da gehen wir im nächsten Blog hin.

Osten, die Guildhall, ein Gebäude aus de späten 19. Jahrhudnert. Sieht ein bisschen italienisch aus. Da auch die Hall die Bombardierung nur als Hülle überstand, ist innen 50er Jahre Schick. Ein bisschen wie eine neobarocke Oper, üppig, bisschen kitschig, aber nicht schlecht. Hier finden Konzerte und Märkte statt.

Und wieder ein Schwenk nach Norden, die Ostseite der großen Einkaufsstraße. Rechts das Gebäude ist das House of Fraser. Das ist kein Gebäude, das Herrn Fraser gehört, sondern ein Kaufhaus. Im Hintergrund der Turm ist das höchste Haus der Stadt, dazu liegt es auf dem nächsten Hügel. Es ist – ein Studierendenwohnheim. Daran sieht man, welche Bedeutung die Uni, die gleich dahinter liegt, für das moderne Plymouth hat.


Bevor es zum Meer geht, im nächsten Blog, noch ein kleiner Umweg nach Westen, ein paar Meter nur, dann sind wir beim modernen Stadttheater. Vor dem Theater, das so auch in Deutschland stehen könnte, die riesige Skulptur eines Mädchens.

Die energiegeladen wirkende junge Frau kam erst kurz vor uns, also letztes Jahr, in die Stadt. Sie wirkt ein bisschen wie eine Sportlerin, doch soll sie an die Pose einer Schauspielerin während einer Probe angelehnt sein. (Links sieht man den Theatereingang). Das sieben Meter hohe Kunstwerk ist so ungewöhnlich und originell, dort, an der Straße, die sie von der Innenstadt trennt.

Kein Stadttheater ohne Parkhaus – Plymouth ohne rosarote Brille. Auch dies könnte überall auf der Welt  sein.

Zwischen Parkhaus und Theater eingezwängt blieb ein Kleinod erhalten – dieser Uhrturm aus dem 19. Jahrhundert, der früher im unteren Bereich auch ein Wasserspender war:

 

Coronavirus neu

Liebe Lesenden, sieht so aus, als würden Stadtspaziergänge in Plymouth (vor der Ausgangssperre aufgenommen) mit Aktualisierungen betreffs des Virus abzuwechseln haben. Die Realität überholt den einen oder die andere.

Meinen ersten Virenblog habe ich am 19. März geschrieben, heute, keine Woche später, am 24. März, ist all das geschehen, was in anderen Staaten auch schon angeordnet wurde: die Schulen wurden am Freitag geschlossen, der ÖPNV wird runtergefahren, Pubs sind geschlossen, Bücherei, seufz, ab heute geschlossen.

Wie konnte es nur so weit kommen? Das ist eine rhetorische Frage. Die Regierung blieb auf ihrem Leierkurs: eindämmen, abflachen, durchseuchen. Noch am Wochenende wurde verkündet, keine Ausgangssperren. Bis man gesehen hat, was am Wochenende passiert ist: Hunderttausende nahmen die schönen Tage zum Anlass, eine kleine Auszeit zu nehmen … Dazu war am Sonntag Muttertag. Der Snowdonia Nationalpark meldete Besuchenderekorde, kein Witz!!! Die Nationalparks in Yorkshire waren nicht “amused”, dass sie von Leuten aus Corona Hot Spots überrannt wurden, die vielen ländlichen Gegenden mit zahlreichen Zweitwohnungen wurden überflutet, die Parks in London, dem mit Abstand infiziertesten Gebiet der Insel, waren brechend voll. Menschen mit Campingautos machten sich auf, den Virus möglicherweise auch noch in die letzte Ecke der Insel zu transportieren.

Noch gestern, wärend die Spazierenden in unserem kleinen Park auf das Gras gingen, um sich auszuweichen, sah ich 20 Jugendliche in einem dieser abgegitterten Sportbereiche auf Spielplätzen Ball spielen. Soziale Distanz sieht anders aus.

Ich muss sagen, es ist vernünftig, abzusperren, doch die Regierung hat bislang versucht, mit Gedankenübertragung anstatt mit klarer Ansage zu regieren. Wenn man Dinge sagt wie: wir mahnen an, dies und das nicht zu tun, wir schlagen vor, man sollte jetzt nicht mehr  … dann braucht man sich nicht zu wundern.
Gleichzeitig wurde keine klare Botschaft an Geschäfte und Kneipen gegeben. Die wussten auch nicht, was sie machen sollten. Nicht einmal Fitnessstudios wurden geschlossen. Zugegeben, ich war letzte Woche auch noch einmal in der Bücherei, aber nur, um mich zu wundern, dass sie noch auf war … Nun ist sie zu, Knall auf Fall, jetzt ohne Vorwarnung, und meine drei vorbestellten Bücher werden Staub ansetzen. Wenn sonst nichts ist: ich beklage mich nicht.

Denn seit gestern Abend weht ein anderer Wind. Die Regierung sieht, mit Appellen geht es nicht, obwohl so viele Menschen gut mitmachen, und zieht die Reißleine: außer einkaufen und einmal am Tag raus (für mich Allotment, das ist frische Luft und Sport in einem) ist nicht mehr viel drin.

Mit anderen Worten: die UK sind nun da, wo andere Länder schon lange sind, und hat von diesen nichts gelernt. Gut, von einem auf den anderen Tag alles zu verbieten, wäre hart gewesen, man stellt sich nicht so leicht um. Ich neigte selbst immer noch dazu, automatisch auf Leute zuzugehen, wenn ich mit ihnen geredet habe etc. Man muss das lernen. Doch man konnte die letzten Wochen klar erkennen, dass in keinem Land einfache Maßnahmen geholfen haben und man härtere Einschnitte in Kauf nehmen musste. Diese einwöchige Zögerlichkeit wird vor allem in England UK die Spitzenbelastung erhöhen und das war kein Kassandraruf, sondern, worauf man in London so gerne hinweist: Wissenschaft.

 

 

Spaziergang durch Plymouth Teil 1

Rund um den Royal William Yard

Der königlich Wilhelmsche Hof hieß früher Royal William Victualling Yard (Victualling ist ein Anhaltspunkt, wofür er erbaut wurde; immerhin dasselbe Wort wie in “Viktualien”markt in München) befindet sich westlich der Stadtmitte und ist eine militärische Versorgungsanlage aus den 1830er Jahren. Die Anlage mit Hafenbecken diente als Lager der hier stationierten Marineeinheiten. Die Bebauung ist “aus einem Guss”. Ihre Funktion hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts allerdings verloren und seit 15 Jahren wird die Anlage zivil regeneriert, es gibt ein Kunstcafé, Bäckereien, Restaurants, teure Wohnungen (ohne Balkon), Gallerien und dergleichen. Eine schöne Anlage, die besonders an Wochendenden von Jung und Alt gerne genutzt wird. Und die Aussicht rundum ist gut.

Im Yard

Hafenbecken (nach Norden zu offen), heute Marina und Anlegestelle für die kleine Plymouthfähre)

Lange Mauern in dem grauen Stein und der strengen klassizistischen Architektur.

Ein paar moderne Elemente

Der Yard liegt an der Mündung des Tamarflusses, der gleichzeitig Devon on Cornwall abgrenzt.

Schwenk zur Cornwallseite (Westen) mit der Fähranlegestelle gegenüber

Weiter Richtung Südwesten.

Wir nähern uns im Süden dem offenen Meer.

Und Süden, Ärmelkanal. Im Hintergrund der Wellenbrecher im Sund von Plymouth.

Im Yard ein Durchgang nach Süden

Blick nach Osten aus dem Tor heraus. Man kann gerade die Betoneinfassung des Gezeitenschwimmbeckens im Mittelgrund ausmachen.

 

Der Coronavirus in den UK

Auch in den UK grassiert der Virus, doch erst seit Anfang März sind mehr als einzelne Fälle bekannt. Zeitlich liegen wir folglich 3-4 Wochen hinter anderen europäischen Staaten zurück, wir haben die Spitze des Eisbergs im Ansatz nicht erreicht, geschweige denn überschritten.

Stand der Dinge

Die Fallzahlen steigen täglich, doch da die ersten Wochen nur eine kleine Anzahl von Menschen getestet wurden, fast nur Leute, die eh schon in Krankenhaus lagen, ist die Dunkelziffer hoch. Wegen der wenigen Tests erscheint die Sterbeziffer auch erstaunlich hoch. Das hat sich auch nicht wirklich geändert. Nachdem die WHO angemahnt hatte, die Wege des Virus konsequent mittels Tests zu verfolgen, wurde Besserung versprochen, doch immer wieder höre ich, selbst medizinisches Personal wird nur widerwillig getestet. Man hat die Kapazitäten noch nicht.

Am stärksten betroffen ist London. In Plymouth gab es die letzten Wochen nur einen Fall, dann zwei, heute liegen wir bei fünf Personen. Das klingt gut, doch wie wir alle wissen, kann eine einzige Party, ein einziges Flugzeug mit Virus an Bord, ein einziger Theaterbesuch das alles ändern.

Geschichte der Bekämpfung

Die Regierung hat sich von Anfang an von anderen Ländern abgesetzt, was die Methodik betrifft. Man stützt sich auf “Wissenschaft”, das wird ständig wiederholt, doch es wird nicht transparent gemacht, auf welche Studien genau. Darüber habe ich aber gestern auf der FAZ Seite was gelesen. Es handelt sich um renommierte Seuchenstudien, die aber eben genau das sind: Studien, die oft nach einer Epidemie irgendwo auf der Welt nachmodelliert worden sind. Man versucht aus der Datenlage, Seuchenverläufe zu verstehen und kann damit Vorhersagen treffen und Maßnahmenkataloge ableiten. Diese Art Technik wird ständig verfeinert, da steckt viel Arbeit dahinter, tolle Sache, doch im Endeffekt sind es Möglichkeitsszenarien. Das Gute an ihnen ist, dass sie den schlimmsten Fall nachbilden, also zur höchsten Vorsicht aufrufen.

Da die UK sehr von oben herab regiert werden, ist es typisch, dass von Tag zu Tag verkündet wird, was nun sinnvoll sei, immer mit der Begründung der wissenschaftlichen Empfehlung, ohne viel mehr offenzulegen.
Der erste Plan bestand darin, eine Durchseuchung der Gesellschaft maßvoll zu begleiten, damit eine hohe Immunisierung eintreten kann. Denn man ist sich sehr bewusst, vielleicht mehr als anderswo: eine Behandlung liegt noch in weiter Zukunft, die Seuche wird lange dauern. Je mehr Menschen immun sind, desto besser in Zeiten der Re-Infektion.
Schnell hat man jedoch begreifen müssen, dass der Corona nicht maßvoll begleitet werden kann. Der Virus ist zu infektiös. Und dass das in den letzten Jahren ausgeblutete Gesundheitssystem – mit proportional einem Sechstel der Intensivbettenanzahl als z.B. in Deutschland – schon bei geringeren Fallzahlen kollabieren könnte. Deshalb werden nun nach und nach dieselben Maßnahmen wie in anderen Ländern eingeführt, die letzte heute: Schulschließungen stehen an.

Manches kommt sehr ungeschickt daher, so wenn vor Theaterbesuchen gewarnt wird, die Theater aber nicht geschlossen werden, wozu die Regierung die Befugnis hätte. Zu Recht haben sich öffentliche und private Stätten darüber beschwert. Am nächsten Tag erst wurde im Nachgang über Milliardenhilfen für die Millionen betroffenen kleinen Unternehmen, FreiberuflerInnen und die Unterhaltungsindustrie, die hier eine große Rolle spielt, geredet. Da hat sich etwas bewegt, einfach ist es nicht. Die Sozialleistungen sind nicht hoch, viele Leute haben keine Rücklagen, sondern leben von Woche zu Woche.

Stand heute

Im Ergebnis stehen wir erst seit Montag, 16.3, in dieser ernsteren Phase: die Verbreitung abbremsen. Vor allem mit Hände waschen und Distanz halten und Heimarbeit. Gleichwohl gibt es bereits seit letzter Woche die berühmten Hamsterkäufe auf Klopapier und Nudeln. Klopapier wurde schon in den verschiedenen Brexitphasen gehortet, gewisse Leute sollten eigentlich noch davon übrig haben ….

Man droht an, in einiger Zeit alle Menschen über 70 Jahren zuhause sitzen zu lassen. Das gehört wieder zu dem Plan, die gesunde Bevölkerung zu durchseuchen. Man sieht, man fährt zweigleisig.

Grenzschließungen und Ausgehverbote sind noch nicht geplant. Im Supermarkt konnte ich aber geleerte Bierregale bewundern, als Alternativen zum Pubbesuch. Das wird schwierig für die Einheimischen: die Kultur ist wesentlich distanzierter als in Italien oder sogar Deutschland, dennoch gibt es wichtige Knotenpunkte, an denen man alle Bevölkerungskreise antreffen kann. Etwa den Pub.

Die gute Nachricht lautet, ab nächster Woche wird es milder, kann man wenigstens auf Distanz draußen sitzen.

Alle unserer Bekannten sind sehr vernünftig und verhalten sich entsprechend. Doch heute in der Stadt, das hat mich geschockt: in zwei Cafés/ einfachen Mittagsbistros sehe ich alte Leute dicht gedrängt fröhlich mit FreundInnen einen trinken und essen. Alle über 70. Die haben den Schuss noch nicht gehört.

Was bedeutet das Hin und Her für uns?

Kein Chor, obwohl man überlegt, wie man online zusammen singen oder zumindest üben könnte.

Keine Glocken, denn am Dienstag hat auch die anglikanische Kirche die Aussetzung der Gottesdienste verkündet.

Kein Schach für Klaus, als kleiner Trost kann er das Kandidatenturnier in Jekaterinburg verfolgen, das seit Montag läuft (nur 8 “Athleten”, deren Versorgung, kein Publikum, das erschien den Veranstaltern machbar). Das Kandidatenturnier ermittelt den Schachspieler, der gegen den amtierenden Groß- und Größtmeister bei der WM antreten darf.

Wir dürfen den Tennisplatz noch nutzen, da Tennis wahrlich kein Kontaktsport ist.

Unser Allotment braucht noch viel Liebe (und Umgrabearbeit). Damit sind wir gut beschäftigt.

Die Bücherei hat auch noch auf, sollte sie zumachen, besorge ich mir die Bücherei E-Leseapp. Auf dem kleinen Handy wirds zwar ungewohnt, ein Buch zu lesen, aber besser als nichts. Im Ganzen: uns geht es gut, das Katastrophenmanagement in den UK ist nicht schlecht, aber auch nicht gerade vorbildlich.


Ausblick

In der letzten Zeit habe ich viel fotografiert, die bald gibt es einige Plymouth Bildbeiträge in diesem Blog.