Der letzte Tag des Sommers

Polzeath / Cornwall, am 21. September

Ein kalendarisch letzter Sommertag, der durch wirkliche Sommerlichkeit auffällt. Deshalb nutzen wir dankbar die Gelegenheit, einen Ausflug zu machen. Wir wandern an der Nordküste Cornwalls entlang, nahe dieses, wie man an der Anzahl der Autos sehen kann, beliebten Badeortes.

In der Bucht trieb sich eine Kegelrobbe herum. Zu weit entfernt, um mit dem Handy ein sinnvolles Bild zu bekommen, und weit genug entfernt, um 2x hinsehen zu müssen. Ist es doch ein Taucher? Die dunkle Farbe, die Flossen, die wie Arme wirken. Die Torpedoform im klaren Wasser verrät das elegante Tier.

Eine Malvenblüte vor einem Picknickplatz (durch die Hecke) am Rückweg über Land. Wir verbleiben nicht, sondern steuern den Strand an.

Ein Wetter zum Eierlegen, das mit einem Softeis gekrönt wird. Wie oft isst man schon noch ein Softeis? Wie in England üblich, mit einem “Flake” (“Flocke”), einem gefalteten Milchschokoladenstück, das in das Eis gesteckt wird und zwar schon seit 1930.

Baden in Nordcornwall ist nicht unbedingt wie Baden anderswo. Wo sieht man schon mehr als ein paar Kinder im Wasser oder ein paar ernsthaft Kraulende? Der Rest liegt am Strand. Nicht so hier. Auch an diesem späten Nachmittag befinden sich an die 100 Menschen im angenehm temperierten Wasser (ehrlich!). Bis auf mich praktisch alle im Nassneoprenanzug und irgendeinem kleinen Bord an der Hand.
Selbst an diesem ungewöhnlich windstillen Tag rollen die Atlantikwellen stetig heran und bauen sich zu kleinen Brechern auf. Auf denen wird gesurft. Auf der Seite mit den größeren Wellen, sportlich stehend auf einem echten Surfbrett. Für den Rest der Bucht, die Leute auf dem Bauch auf einem kleinen Brett liegend gegen die Welle oder mit der Welle schwimmend.
Auch ohne Brett, ist der Sprung in jede der Wellen, die sich da aufschaukeln, ein Garant für gute Laune.

Noch steht die Nachmittagssonne hoch. Es ist Sommer.

Auf dem Sand liegend Blick von unten auf die Randdüne.

Schnipsel 3

Erste Ernte schon im nächsten Jahr?

Geschickt verpackt. Lieferung von vier Blaubeerbüschen mit der Post

So werden Blaubeeren verschickt. Sie kommen von einer Gärtnerei, die sich auf Japanische Kamelien und Blaubeeren spezialisiert hat. Die sollten sich auskennen. Die ersten Kultur-Blaubeeren kamen ab den 40ern aus Kanada.
In unserem Allotment eine spannende Pflanzung für die nächsten Jahre. Sie werden dorthin gesetzt, wo ich kürzlich Obstbaumstümpfe ausgegraben habe. Dazu eine dicke Lage Rindengeschnetzeltes und etwas Rhododrendronkompost und die leicht säuerliche Umgebung sollte gegeben sein, um die Büsche glücklich zu machen und uns blaue Zungen zu bescheren. Wobei, Kulturbeeren färben weniger ab.
Die Literatur rät (klingt besser als “das Internet”), verschiedene Sorten nebeneinander zu setzen, die Kreuzbefruchtung ergäbe bessere Ergebnisse. Etwas nach dem Zufallsprinzip entscheiden wir uns für die früh bis späten Sorten Bluecrop, North Country, Chandler und Herbert.

Nach oben

… schauen. Der Nachthimmel in Plymouth ist für eine Stadt recht klar. Deshalb half mir meine übliche Leichtschläfigkeit, Mitte August endlich einmal um 2 Uhr Morgens aufzustehen und im Hof sitzend ein paar Perseidenmeteoriten anzusehen. Leider nicht mit Bild, dazu sind sie zu schnell. Ein Hauch von Ewigkeit, wie sie da ihre Bahn ziehen, kalt und tot und doch interessant.

Im September gab es bei Tage eine weitere ungewöhnliche Himmelserscheinung. Auf einer Tour über verschiedene Krankenhäuser der Region drehte eine original Spitfire auch über einem nahe gelegenen kleinen Krankenhaus eine Runde. Die Ankündigung klang merkwürdig: über Hospitäler? mit einem Flugzeug? Da reißt es die Kranken aber aus den Betten. Zufällig war ich im entscheidenden Moment gerade draußen, stutzte bei einem unbekannten Motorengeräusch und erspähte das Flugzeug zwischen den Häusern. Eine Spitfire ist ein Spuckerl aus dem 2. Weltkrieg und wirklich nicht laut. Ein kleines Flugzeug mit charakteristisch abgerundeten Flügelspitzen, bis in die 50er im Dienst. Sieht man nicht alle Tage. Auch hier zu schnell abgedreht, um ein Bild zu schießen.

Grund der Flugaktion war eine Danksagung der RAF, der Luftstreitkräfte, an die NHS, das Gesundheitssystem, für deren Arbeit in der Coronakrise. Jeder drückt es halt so aus, wie er kann … selbst mit einem antiken Bomber.

Schnipsel 2

Wanderung Über Land

Der grüne Rand des Dartmoors.

Eine Wanderung rund um Ashburton, einer feinen Kleinstadt und mit 3500 Einwohnenden der größte Ort im Dartmoor. An dessen Rand gelegen, zieht er sich entlang der A38, einer Quasiautobahn, die Cornwall (und Plymouth) mit dem Rest des Landes verbindet.

Ashburton ist bekannt für ein Auktionshaus, in dem man Schnäppchen ersteigern kann, Antikläden, Gastronomie, ein Geschäft, in dem wir für K. ein buntes Hemd finden … multifunktionaler Ort. In der erstandenen nahöstlichen Teigtasche ist ihnen der Knoblauch ausgerutscht. Dies nur zur Illustration, dass man, wenn man in den UK lebt, nicht ständig in Pubs rumhängt und einen Shepherd’s Pie (Auflauf mit Hackfleisch und Kartoffelbreideckel) bestellt. Andere Nahrung ist erhältlich.

Unser Weg führt uns durch eine Kuhweide. Nun stehen wir Kühen misstrauisch gegenüber und tatsächlich gibt es Grund zur Vorsicht: Kühen ausweichen ist die eine Sache, doch diese Kühe liegen direkt auf dem Pfad. Selbst die härtest gesottenen TierfreundInnen werden nicht direkt über die Tiere klettern … Unser Umweg durch höheres Gras am Rand der Weide hat einen anderen Preis. Ein verstecktes Stück aufgerollten Drahts benötigt weniger als eine halbe Sekunde, um gestolpert blutende Schnitte in meine beiden Waden zu ritzen. So was. Wenigstens rostfreier Draht.

Weiter geht’s mit corona, ohne Corona geht gar nichts

In den Meldungen in den Medien (beiderseits des Ärmelkanals) häufen sich Hinweise, dass Impfstoffe in dritte Phasen kommen und vielleicht sogar etwas bewirken, das wäre ja auch schön, also die Wissenschaft schläft nicht und knickt an vielen Orten der Welt auch nicht vor politischem Druck ein. Ich wüsste jedenfalls, welchem Impfstoff oder Medikament ich vertrauen würde und welchem nicht so sehr.

Das Problem: welche Mengen Virus genetischen Materials muss ich in mir haben, damit ich auch ansteckend bin? und wie muss ich meine Tests entsprechend anpassen? beschäftigt viele Arbeitsgruppen. Das ist schwierig und vielleicht werden die Erkenntnisse erst in der nächsten (Daumen drücken, dass das dauert) Pandemie nutzbar werden.
Apropos nächste Pandemie. Es gibt Länder mit Pandemieerfahrung. So erhält Senegal gute Noten in der Coronaeindämmung. Und das ist ein armes Land, wenig Intensivbetten, nur begrenzte Testkapazitäten. Sie zeigen, auch ohne viel Geld ist Gesundheitsfürsorge möglich. Die dortigen Epidemiepläne, das letzte Mal für Ebola aufgefrischt, hatten noch nicht einmal Staub angesetzt, als sie im März herausgeholt wurden, an das neue Virus angepasst und umgesetzt. Die Bevölkerung weiß, dass Krankheiten kein Spaß sind. Niemand scheint anzunehmen, dass das Tragen einer Maske und Soziale Distanz Grundrechte beschneidet. Vielmehr scheinen die Menschen anzunehmen, dass eine Maske anderen helfen kann und für das Gemeinwohl gut ist. Auch wenn Corona nicht gleich tödlich ist. In manchen Ländern scheint man sich fast dafür entschuldigen zu müssen, dass die Todesrate keine, z.B. 50% sind. Ja, dann … kann das alles nicht so wichtig sein.

Plymouth Jachthafen.

Zum Abschluss noch die Bemerkung, dass Jacht im Englischen Yacht heißt. Also Yacht geschrieben wird. Ausgeprochen wird es Jot. Wie der deutsche Buchstabe J. Im Bild Beispiele von Js.

Schnipsel 1

Zucchini ist eine frucht

Die Überraschungszucchini (der Überraschungszucchino??)

Versteckt im Kürbislaub (es gibt Kürbisse) wuchs diese Riesenbeere. Ab einem gewissen Zeitpunkt sah sie immer gleich aus, also wird sie abgenabelt und gewogen. Die Waage, links im Bild, wurde zum Allotment gebracht, nicht die schwere Beere in die Küche und zurück auf den Kompost. Denn essbar ist der zähe Klumpen nicht mehr. Sie wiegt etwa 2,5 kg.

Wir gehen zum Allotment steil bergab und wieder steil bergauf, deshalb nehmen wir die Ungenauigkeit der auf dem Beet nicht präzise austarierbaren Waage auf uns. Wie K. bemerkte, wir hätten eine Wasserwaage mitbringen sollen. Hinterher ist man immer klüger, es geht jedoch nicht ums Gramm.
Die Zucchini macht sich ordentlich, doch ich glaube, wir hatten schon mal eine über 3 kg.

Gegen den Weltrekord ist das alles mehr als bescheiden, der liegt bei 65 kg und kommt natürlich aus England, dem Land der Rekordsuchenden. Für solche Ergebnisse braucht es laut Internetz Spezialsamen, Spezialdüngung und vielleicht muss man die Früchte auch nachts in den Schlaf singen. Jeder Gärtner (auf Riesenjagd gehen meist Männer) hat natürlich sein Geheimrezept für den schwerwiegenden Erfolg.

Spätsommer 2020

Seit Wochen herrscht stabiles Wetter, Badewetter, Wanderwetter, viel zu schön, um sich Sorgen zu machen. Worum auch immer. Die Maske wird (meist) nicht vergessen, die Schulen sind wieder offen.

Vor der nahe gelegenen Grundschule dauert das Ankommen der Eltern und Kinder länger als gewohnt, da die Zwerge nicht truppweise hineinstürmen dürfen, doch alle stellen sich geduldig and und machen einen hochzufriedenen Eindruck, dass wieder Schule ist.

Eine kleinere Einschränkung bedingt, dass in England (nicht den ganzen UK) die Zahl der erlaubten Menschen pro privater Zusammenkunft seit heute wieder auf 6 gesenkt wird.
Dies aufgrund der Tatsache, dass viele Ansteckungen im privaten Kreis vor sich gehen, und ja, endlich mal eine Maßnahme, die zur rechten Zeit zu kommen scheint und nicht zu früh oder zu spät.

Der Rest: viel Normalität, der Verkehr auf den Straßen leider wieder sehr dicht. Man wünscht sich mehr Heimarbeit.

Von Broadsands nach Brixham und an der Küste zurück. Beides liegt an der englischen Riviera. In Broadsands fabelhafte Sandbucht zum Baden, im Fischer- und Touriort Brixham ein Gewusel wie vor Corona. Wir organisieren uns schnell ein paar pikante Teigtaschen in einer Bäckerei und verziehen uns in einen ruhigen Rosengarten mit Hafenblick (nahe des unteren Fotos). Die Badehäuschen oben können an der Badebucht gemietet werden. Haben wir nicht nötig, K. geht nicht ins Wasser, verzieht sich mit einem Philosophen auf eine Bank und ich habe dieses tolle Frotteeteil, mit dem man sich abtrocknen und in dem man sich umziehen kann. Kuschelig und praktisch, das ist mehr, als man von einem Teddybären sagen kann, der ist bloß kuschelig.

Blaues Meer

Doch erstmal ein Rotkelchen im zu hellen Sonnenschein – fürs Handy, nicht fürs Rotkelchen.

Ein Tagesausflug – um die Spinnweben im Kopf zu vertreiben – führt uns nach Falmouth – drittgrößter natürlicher Hafen der Welt -, Moenporth (Sandstrand, Kiesstrand, dazwischen Wanderweg), dem Garten Glendurgan. Dies alles knubbelt sich in Cornwall, dem Ende der Halbinsel (nennt man so etwas Großes noch Halbinsel?) zu.

Anmerkungen:
Das Wasser, auch wenn beides irgendwie Ärmelkanal ist, ist im Plymouth Sund deutlich wärmer als “draußen” in Cornwall, beides aber gut beschwimmbar. Was viele Leute finden, man kann dennoch Distanz bewahren.

Corona: natürlich ist das Labyrinth oben wegen Corona geschlossen, fairerweise ist der Eintrittspreis dieses fantastischen Gartens plus Arboretums (Baumgarten) halbiert. Vorbestellen muss man dennoch, sonst “kommst du nicht rein”.

Erfahrungen mit Einkehren. Augenrollen ist angesagt. Ein Glück, dass der Südwesten insgesamt nie ein Hotspot war noch bislang einer geworden ist. Alles andere wäre nämlich dumm.

Erfahrung 1: K hat in Plymouth ein frisch gezapftes Pint genossen. Im Gastgarten, in dem 5 von 7 Pubtischen abgesperrt waren, obwohl genügend Platz zur sozialen Distanz gewesen wäre. Machte aber nichts, er war fast alleine draußen, es gab keinen Andrang. Drinnen dagegen, im Schankraum, machte man es sich enger gemütlich.
Man sollte eine SMS schreiben mit seinem Namen und der Anzahl der Personen, mit denen man unterwegs war. Deswegen bekam man einen Zettel mit (vermutlich) einer Codenummer für diesen Pub. Später stellte sich heraus, dass die SMS Geld gekostet hat. Nicht viel, aber das begeistert nicht, wer macht so etwas ein zweites Mal? Ein Zettel für den Pub, zwei Wochen aufzubewahren, ergäbe deutlich mehr Sinn.

Erfahrung 2: In Falmouth, weil es ein nettes Städtchen ist und weil wir abends staufrei nach Plymouth zurückfahren wollten, in einem modernen Bistro abends draußen gegessen. Alles sehr hygienisch, Tische und Bänke nach jeder Nutzung abgewischt, überall Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren, Menü auf einem QR Code nachzulesen. Das mit dem Menü war für uns ein Rohrkrepierer, da wir (noch) keine QR Leseapp haben. Es gab alternativ ein Papiermenü.

Nach dem Essen fiel uns auf: niemand hat uns nach einem Namen oder einer Kontaktnummer gefragt …

Im Garten Eden

Eden Projekt in einer alten Kaolingrube nahe St. Austell, Cornwall.

Was wie eine Mischung aus Außerirdischensiedlung und Großbienensilo aussieht, sind die größten Gewächshäuser der Welt. Die geodätischen Kuppeln sind nach den Prinzipien des amerikanischen Architekten Richard Buckminster-Fuller (toller Name) errichtet worden.

Im Außenwald verschwindender oder verschwimmender Waldschrat. Jemand sagte, es solle David Bowie darstellen. Kann auch sein.
Die Technik im Tropenhaus ist gut sichtbar und erinnert an alle Lüftungstechniken der Welt, so z.B. die von U-Bahn-Schächten.
Exotische Pflanzen warten im Tropenhaus.

Der Ansatz von Eden ist tatsächlich “Garten”. Der Schwerpunkt liegt auf Nutzpflanzen und nachhaltiger Bearbeitung von Boden im Einklang mit den Gegebenheiten, nicht gegen die Ökologie des Standortes.

Die Außenwelt mit der Grubenbegrenzung durch den Kuppelwald gesehen.
Bananen dürfen nicht fehlen
Roul Roul Vögel (Straußwachtel) treiben ihr Wesen im Unterholz und auf den Wegen. Kinder sind natürlich begeistert, dürfen sie aber nicht berühren und das klappt auch gut.

Apropos Berühren. Was auffiel: in zwei Tagen wird in den UK Maskenpflicht in allen Geschäften und auch in Eden herrschen. Heute trug außer den Angestellten genau eine Person eine Maske: ich. Das war schwach, denn trotz Coronagründiger reduzierter Besuchendenanzahl war es ganz schön voll in den Häusern. Wollte Maske ausprobieren, selbst im Tropenhaus, und funktionierte gut. Nachteil: fühlte mich nicht sicherer, naja, sie soll dazu dienen, dass sich andere sicherer fühlen.

Ziemlich geschäftige Vögel, auch im Bambuswald
Skurril: die fossilen Bakterienfelsen nachempfundene Keramikskulptur, die Rauchkringel ausstößt. Sie versinnbildlicht und feiert die Blaualgen, die als erste und bis zum heutigen Tag Sauerstoff abgaben und dadurch Leben auf der Erde ermöglichten. Sie sind längst nicht nur einzeln als Blaualgen unterwegs, sondern Bestandteile aller grünen Pflanzen, und ermöglichen die Photosynthese. Die “Seifenblaseneffekte” sind jedenfalls unerwartet …
Die Rabatten auf den gestuften Hängen sind sensationell: gut entwickelte Mehrjährige Pflanzen, oft flächenweise farblich abgestimmt und -jetzt im July- in voller Blüte.

Erleichterungen

Auch die UK befinden sich in Phase – ja, welcher eigentlich – jedenfalls nicht mehr in der kompletten Lockdown (Quarantäne) Phase. Die Verlautbarungen der Regierung ändern sich dermaßen schnell und werden teilweise stotternd vorgetragen, weil sich die Leute verhaspeln, die wissen selbst nicht, was sie meinen: außer, es geht aufwärts. Nach 35.000 getestet-mit-Corona-Verstorbenen und einer (sogar offiziellen) Zahl von 50.000 Übersterblichkeit bereits in den ersten sechs Wochen des Lockdown geht es endlich abwärts – mit den Toten, mit den Infektionen. Wunderbar!
Wir im Südwesten sind bislang vom Schlimmsten verschont geblieben. Die Krankenhäuser nicht überlastet, die Fallzahlen relativ niedrig. Möge es so bleiben!

Aufgrund der Gesamtlage treten Lockerungen in Kraft, wie zum Beispiel: Ich dürfte meine Mutter im Park treffen. Auf Abstand natürlich. Allerdings nicht zugleich mit meinem Vater. Den müsste ich später treffen. Gleichzeitig darf ich jedoch wieder eine Putzkraft ins Haus lassen. Diese muss nicht mit mir verwandt sein.

Man soll wieder Arbeiten gehen, aber bloß nicht mit den Öffis, die sollen schön leer bleiben, lieber mit dem Auto. Aber noch besser, mit dem Rad, dann wird man zusätzlich fit. Geld für Radwege wurde mittlerweile bereitgestellt. Die sind dann in 2-3 Jahren fertig.

Was wie drittklassiges Kabarett klingt, sind originale Redebestandteile von Johnson bei seiner Verkündigung der Lockerungen und Aussagen von Ministern beim Corona Briefing, das ist das tägliche Vor-die-Presse-Treten einiger Politischen und ExpertInnen, das live gesendet wird. Es werden auch Fragen von Bürger*n zugelassen, nicht nur von Journalist*en. Diese Volksnähe ist wirklich vorbildlich, der Inhalt kann mitunter zum Fremdschämen einladen.

Bei all der Verwirrung ist der Bevölkerung klar: man darf wieder ohne Begrenzung ins Freie, man darf auf Abstand wieder Freunde treffen. In England!
Wales, Nordirland und Schottland sind der Meinung: bleibt weg, Englische, wir halten unter uns noch ein paar Wochen strengere Maßnahmen ein.

Wie andere auch, nutzen wir die neue Freiheit zu einem ersten Ausflug: einem Spaziergang im Dartmoor.

Ein Kuckuck hat sich die Zunge aus dem Hals gerufen, Schafe trollten mit ihren Lämmern über die Wiesen, kühle Bäche rauschten im Grund.

Dies ist ein Ast, der waagerecht vom Baum wegführt, Meter für Meter (6?). Die Eiche steht voll im Saft, hat Spannkraft, dennoch wirkt der Winkel physikalisch unvorteilhaft auf die Betrachtenden, die darunter hergehen müssen.
Auf der Höh (dem Bench Tor) gibt es Aussicht. Die braune Fläche wird sich wieder mit Adlerfarn bedecken.
Und ein Wasserreservoir gibt es auch. Vielleicht werden wir in einiger Zeit dieses Wasser in Plymouth trinken?

Währenddessen, auf dem Allotment in Plymouth, wachsen Zwiebeln, Kornblumen und Kohl.

Spaziergang durch Plymouth Teil 4 (Ende)

Wir verlassen den Hoe, auf dem wir uns in Teil 3 aufgehalten haben, doch befinden uns weiterhin auf dem Küstenwanderweg rund um die eine großbritannische Insel – ohne Nordirland (und nicht so sicher bezüglich des Ausbaus des Wanderweges im zerklüfteten Schottland). Wales und England lassen sich jedoch umwandern, wenn man die Zeit mitbringt, es sind ein paar tausend Kilomenter. Wer in Plymouth lebt, geht automatisch immer wieder ein Meilchen mit …

Die Kaserne zieht sich …

Wanderzeichen.

Wir gelangen zum Sutton Hafen und dem Barbican, der Vergnügungsmeile: nicht nur ist die Kneipendichte sehr hoch, hier befindet sich ebenso das große Aquarium, die einzige Gindistillerie der Stadt und eine symbolische Ablegestelle der Mayflower. Dazu die Touriinfo und ein Motorradtreffpunkt für alte Männer.
Segeljachten aller Art liegen vor Anker. Vom Ausflugsboot, Wochenendschiff bis zum Wohnsitz, alles dabei.
Im Norden gibt es die Long Boats auf den Kanälen, am Ärmelkanal sind seetüchtige Häuser gefragt.

Links das Aquarium.

Im Hintergrund das Aquarium, im Vordergrund ein kleines Tor mit der britischen und der amerikanischen Flagge : Vor 400 Jahren brach die Mayflower auf und errichtete nicht die erste, doch die symbolträchtigste weiße Siedlung Amerikas.

Kneipenmeile.

Über Hauptstraßen und Einkaufszentren gelangt man in stille Wohnviertel und zu kleinen Parks.

Das Gebäude im Hintergrund ist neu, heißt Barcode (wegen der vertikalen Fassadenverzierung) und beherbergt ein Kino und ein paar Restaurants. Eine dieser Stadt-attraktiv-machen-Maßnahmen.

Die Charleskirche wurde im Weltkrieg zerbombt und so belassen. Sie liegt inmitten eines Kreisverkehrs und konnte bis vor ein paar Jahren noch unterirdisch ergangen werden. Dem ist nicht mehr so.
Die “gefalteten Wandschirme” oder Segel im Hintergrund gehören zum Einkaufszentrum Drake Circus.

Brachflächen an der Eisenbahn mit einem Verkehrshütchen, das sich -warum auch immer- in einem Baum befindet.

Blick über das für Plymouth charakteristische Häusermeer.

Ausblick auf die Hügel von Devon. Da Plymouth sehr hügelig ist, ergibt sich ein reizvoller Kontrast aus verschwiegenen Ecken und unvermuteten Sichtachsen.

Zu guter letzt zwei Parks in unserer unmittelbaren Nähe:

Beaumont Park punktet mit Baumbestand. Es war einmal der Garten des Beaumont Hauses, in dem befinden sie nun Kanzleien. Der Park selbst ist öffentlich, doch mit einer Mauer umgeben, in die bei Nacht verschlossene Tore eingelassen sind:

Freedom Fields Park punktet mit Seeblick und Häuschen für schlechtes Wetter:

“Das Beste” aus Corona-Plymouth

Ein Gastbeitrag von Klaus

Soweit ich unterrichtet bin, ist es verboten oder zumindest sehr, sehr ungern gesehen, wenn sich jemand motorisiert weit weg von der eigenen Wohnung begibt, um dort spazieren zu gehen. (Im Dartmoor zum Beispiel könnten Abertausende flanieren, ohne sich zu nahe zu kommen. Aber ich bin nicht kompetent, die Restriktionen zu beurteilen.)

Der tägliche Spaziergang rund ums eigene Heim also notwendig langweilig? Nicht unbedingt. Ich kann mir vorstellen, dass es noch für ein oder zwei Monate Isolation Neues zu entdecken gibt. Vorgestern habe ich einen mir bislang unbekannten Pub entdeckt – keine 15 Minuten Fußweg von zuhause entfernt. Oder: Straßen zu gehen, die man sonst immer nur befahren hat, ist auch interessant. – So, nun aber zum heutigen Spaziergang (leider ohne Fotos):

England – Land der Gärtnerinnen und Gärtner?

So zumindest ist die Reputation dieses Landes. Besuche in großen Gartengeschäften scheinen dies zu bestätigen. Beim Gehen durch bewohnte Straßen hingegen kommt man nicht umhin zu präzisieren. Land der Gärtnerinnen und Gärtner, das mag schon stimmen. Aber keinesfalls ist es ein Land der Vorgärtnerinnen und Vorgärtner. Da tun sich fürchterliche Anblicke zuhauf auf. Zubetoniert, verwahrlost und vermüllt, bestenfalls eine Kiesfläche mit einem Blumentopf drauf. Das ist vorherrschend. Kann man es da als “Entschuldigung” durchgehen lassen, dass kaum einer dieser Vorgärten eben ist. In Plymouth geht’s nur immer rauf und runter.

Denken ja – aber bloß nicht zuviel

Die Szene ist ein etwa drei Meter breiter Fußweg zwischen zwei Siedlungen, rechts und links davon Zäune, Mauern, Hecken. Zwei Damen unterhalten sich. Sie wohnen offensichtlich nicht im selben Haushalt, denn sie halten (vorbildlich!) zwischen sich einen Drei-Meter-Abstand ein – genau DIE drei Meter, die der Weg breit ist. Die eine steht rechts am Wegesrand, die andere ihr gegenüber am linken Wegesrand. Allen Durchgehenden fliegen die Viren und Bakterien der beiden Damen buchstäblich um die Ohren. Vorbildlich?

The Who …

ist eine Rockgruppe der 60er. Der Text eines ihrer Lieder geht so (*Übersetzung ganz unten):

Uh, well, a young man, ain’t got nothing in the world these days
I said a young man, ain’t got nothing in the world these days
Well you know in the old days
When a young man was a strong man
All the people they stepped back
When a young man walked by
But you know nowadays
It’s the old man, he’s got all the money

Offensichtlich hat Corona diese alten Tage wiederbelebt. Es bin fast immer ich, der beim Spaziergang vom Bürgersteig auf die Straße oder die gegenüber liegende Seite ausweicht, wenn “a young man walks by”. Dabei habe ich gar nicht “all the money”.

*
Uh, ja, ein junger Mann hat in der Welt heute nichts zu melden.
Ich sagte, ein junger Mann hat in der Welt heute nichts zu melden.
Ja, früher
Wenn ein junger Mann ein starker Mann war
Wichen alle Leute aus
Wenn ein junger Mann vorbeiging
Aber heutzutage
Hat der alte Mann das ganze Geld.

Spaziergang durch Plymouth Teil3

Nach einem Rundblick in der Plymouther Innenstadt wenden wir uns nun nach Süden, entlang einer direkt zum Meer führenden grünen Achse. Ein letzter Hügel will erklommen werden. In der Bildmitte lässt sich im Hintergrund eine “Nadel” erkennen, das ist das Kriegerdenkmal.

Und zwar dieses.

Daneben Sir Francis Drake. Immerhin hat er hier auf die Ankunft der Armada gewartet, Boccia spielenderweise, wie es heißt. Falls jemand es nicht weiß, er hat dann gewonnen (gegen die Armada, das Bocciaergebnis ist nicht überliefert).

Der so genannte Hoe ist mit Bänken bestückt, auf einer geteerten Fläche laufen Hunde, Leuten skaten und spielen auf den Rasen Frisbee – ich nenne den Hoe das Wohnzimmer von Plymouth. Besonders Sonntag Nachmittags genießen Einheimische und Touris den weiten Blick und verweilen.

Rückwärtig steht ein Block aus Appartmentgebäuden aus dem 19. Jahrhundert, dazu ein paar neuere Bauten. Sie drängen sich nicht auf, der öffentliche Platz für jederman und jederfrau ist großzügig bemessen.

Ein Leuchtturm, der gerade für die 400 Jahrfeier der Abreise der Mayflower (Pilgerväter…) frisch gestrichen wird. Er heißt Smeatons Turm und verbringt hier seinen Austrag. Ursprünglich stand der im 18. Jahrhundert erbaute Turm außerhalb des geschützten Sundes, seine Warnfunktion übernahm ein Folgemodell und heutzutage eine automatische Anlage. Im Hintergrund ist ein Kriegsschiff zu sehen, ein bis zwei liegen meist vor Anker, Plymouth ist ein wichtiger Marinehafen.

Blick aufs Wasser nach Südwesten: der Sund von Plymouth mit der Drake Insel.

Nach Süden auf den Ärmelkanal.

Nach Südosten auf Mount Batten.

Blick auf den Lido, ein Salzwasserschwimmbecken aus den 30er Jahren. Man kann aber auch an vielen Stellen unproblematisch direkt ins Meer steigen. Die Innenstadtküste ist felsig, doch mit Treppen gut erschlossen. Die Schwimmenden haben einen breiten Wasserstreifen für sich, eine Reihe Bojen etwas weiter draußen als das Lidobecken zeigt Booten und Schiffen an, wie weit sie an die Küste herandürfen. Auf der anderen Seite sind Badende gut beraten, den Bojengürtel nicht zu überschwimmen, der Sund ist geschäftig. Lokale Fähren, die Fähren nach Frankreich und Spanien, private Segelnde, die Küstenwacht, die Marine, Feuerschiffe … sorgen für ein ständig wechselndes Bild und viel Betrieb.

Militär spielt eine Rolle auch auf dem Festland, eine riesige Kaserne aus dem 18. Jahrhundert verschandelt und verbaut den westlichen Teil des Hoe. Der Bau wird heute noch vom Militär genutzt.

Entlang des Hoe gibt es Cafés und Pubs, Eisverkaufende … Joggende, Busladungen von Touris und Leute, die um 6 Uhr früh hier relativ ungestört spazierengehen. Es ist für alle etwas dabei.