April, April

Der 1. April ist längst Geschichte, Menschen, die auf mehr oder minder gelungene Scherze hereingefallen sind, dürften sich wieder beruhigt haben – entweder, indem sie mit dem Lachen aufgehört haben oder mit dem Genervt-sein.
Keine Ahnung, welche mehr offiziellen Scherze 2018 gelaufen sind, von Seiten der Medien oder einflussreicher Webseiten. Habe weder auf englischer noch auf deutscher Nachrichtenseite etwas gesehen oder gehört. Auch google, ein Unternehmen bekannt für gute Stimmung und harmlose Internetweltherrschaft in fröhlichen bunten Farben (das ist jetzt Sarkasmus) macht jedes Jahr einen Scherz mit dem bekannten amerikanischen Nicht-Humor.

Was heißen kann, dass einige der bierernsten politischen Meldungen der letzten Tage HOFFENTLICH nur Scherze waren. Vermutlich leider nicht.

Ohnehin befassen sich Aprilscherze meist nicht mit der Weltlage, sondern nehmen sich Randgeschehen vor.

Einer meiner liebsten Späße kam vor Jahren von der BBC. Echte Spieler und Offizielle, die man an der Stimme schon erkennen kann, so berühmt sind sie, wurden befragt, warum sie bei der Kampagne, die Fußballtore weiter zu machen, mitmachen würden. Die Aussagen gingen dahin, sie hätten es satt, immer nur Latten zu schießen. Latten wären derart häufig, dass völlig klar sei: Tore sind zu klein. Mit einem größeren Tor gäbe es viel mehr Tore und das Spiel wede noch attraktiver.

Die haben mich ein paar Minuten lang dran gekriegt.

Meine Lieblingsmeldung aus Deutschland (vom WDR, glaube ich): Heinz Erhardt und Ludwig Ehrhard seien Brüder gewesen. Sie hätten sich nicht gut vertragen, deshalb habe man sie nie zusammen gesehen. Von der Statur her wäre das noch hingekommen … und wenn man das im Radio hört, fällt die unterschiedliche Schreibweise der Nachnamen nicht ins Auge.


Der Ursprung des Aprilscherzes ist, aller Forschung zum Trotz, unbekannt. Es gibt viele Spuren, doch eigentlich … So galt der 1. April bei den Römern als einer von mehreren Unglückstagen, später war es in Frankreich der Tag, Liebesbriefe zu übermitteln, und so gibt es der Bespiele mehr aus vielen Jahrhunderten. In Europa und Nordamerika hat sich das Ganze irgendwann im 19. oder 20. Jahrhundert zu einem unernsten Datum verdichtet. Die Menschen treiben halt gerne Schabernack und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das institutionalisiert hat.

Dieses Jahr hat sich Klaus hingesetzt und an seine Schachkumpel und Kumpelinen eine E-Mail mit folgendem Inhalt abgesetzt: Es täte ihm Leid, Cheshire zu verlassen, aber wir würden auswandern. Er habe noch nie in einem Land gelebt, in dem seine Anwesenheit eine Statistik für irgendwas deutlich beeinflusst hätte. Das wolle er ändern und zwar durch einen Umzug nach – Antigua und Barbuda. Der Karibikstaat befindet sich (das kann man nachlesen) auf Rangliste 179 und damit auf dem letzten Platz der Weltschachorganisation FIDE*. Es sind dort zwei Spieler mit einem sehr geringen Rang gemeldet. Wenn Klaus dort hinziehen würde, für Antigua und Barbuda spielte und sein Rang addiert,  würde das Land sofort Laos überrunden, das nächstniedrig eingestufte Land.

*FIDE: Fédération Internationale des Èchecs. Französisch.

Die Schachspielenden von Cheshire haben teilweise mehr als scharf überlegen müssen, ob das wahr ist ! E-Mails flogen hin und her …


Kehrseite der Geschichte: ich habe mich natürlich sofort schlau gemacht, ob man nach Antigua und Barbuda auswandern kann. Es ist eines dieser Commonwealth-Staaten, die spät (1981) unabhängig wurden, eine verheerende Kolonial- und SklavInnengeschichte hinter sich haben und mehr als pleite sind – trotz der angeblich 365 Strände und des herrlichen Wetters. Deshalb sind sie nicht sehr originell auf die Idee der gekauften Staatsbürgerschaft gekommen. Seit einigen Jahren genügt es, ein Haus zu erwerben, das mehr als 400.000 Dollar kostet und eine Residenzpflicht von 30 Tagen im Jahr zu erfüllen. Das geht ja alles, Monaco macht es leider nicht anders, nur teurer. A.undB. wirbt aber auch offiziell dafür, dass man mit dem Paß des Landes visafreien Zutritt zu 131 Ländern, darunter die EU, besitzt.
Man muss nicht eine wirklich schmutzige Phantasie besitzen, um das als Einladung für Drogenhändler, Menschenschmuggler und sonstiges Gesocks zu verstehen, sich reinzuwaschen und neue Märkte zu erschließen. Ich möchte gerne gutgläubig sein, das fällt mir hier aber schwer.

Heilende Gärten

Die Szenerie rundherum scheint das Gegenteil zu beweisen, doch eine große Explosion bereitet sich unterirdisch längst vor – die sprießende Explosion. Man darf sich von den kahlen Ästen und dem schütteren Grün am am Erdboden nicht täuschen lassen, sonst wird man kalt erwischt und muss alles auf einmal aufgärtnern.

Infolgedessen gibt es in Carols Gärtnerei jede Menge zu tun und zur Belohnung für säen, pflanzen und abräumen blühen die ersten Anemonen (vorne im Bild) im Folienhaus und draußen verschiedene Christrosen, die es sich lohnt, im Detail zu betrachten. Der harte Winter hat das Unkraut klein gehalten, doch die Beete sind nicht weniger geworden …

Nach wie vor, England ist Gartenland. Man sieht keinesfalls überall aufregende oder zumindest bemühte Gärten, doch versteckte Schönheiten lassen sich an vielen Orten finden.

Um über Winter nicht zu verkümmern oder auch sich weiterzubilden, gibt es die Vorträge der Tattenhall Gartengesellschaft, deren Mitglied ich bin. Der Verein richtet nicht nur die fabelhafte Tattenhallschau aus, die alles prämiert, von 5 identischen Tomaten zu dem besten Foto, das ein Mensch unter 10 Jahren geschossen hat, bis zu Kunst oder dem perfekten Miniaturgesteck. Nein, auch Vorträge und kleine Ausflüge zu Gärten sind bei uns im Programm. Ich habe keine weitere Funktion als Veranstaltungen mit Dreizeilern in freien Magazinen zu bewerben. Und Veranstaltungen zu besuchen.

Manchmal können die Vorträge schon sehr speziell sein, Sukkulente z.B. oder Dahlien oder Orchideen im heimischen Garten. Bei meinem kleinen Mischgarten und ohne Glashaus alles nix. Auch gestern war ein Vortrag angekündigt, der ehrlich gesagt, nicht so prickelnd klang. Geschichte und aktuelle neue Gärten in Cheshire im Programm des nationalen Gartenplans (national garden scheme). Gähn.

Aber da es nur 50 Meter bis zum Veranstaltungsort sind, bin ich hingedackelt. Und dann war es doch sehr englisch.

Logo des Vereins, ein geöffnetes Gartentor.

Der Verein ermutigt Leute, ihre Privatgärten an einem oder mehreren Tagen im Jahr für die Öffentlichkeit freizugeben. Groß oder Klein ist egal, irgendwie muss er halt interessant sein. Das Eintrittsgeld wird dann gespendet. So viel wissen irgendwie alle, die solche Gärten besuchen, auch ich. Die Gärten sind zahlreich, das so genannte „Yellow Book“, das Gelbe Buch zeigt alle Details. In Cheshire alleine sind über 60 Gärten im Jahr zu besichtigen.

Ein populäre Sache, befriedigt Gartenliebhabende, Neugierige und Leute, die nicht wissen, was sie an dem Nachmittag sonst anstellen sollen. Auch in Tattenhall liegt so ein Garten, doch selbst die Ausrichter (die Vorsitzende unserer Gartengesellschaft) wusste bislang nicht, wie genau ihr erwirtschaftetes Geld verwendet wird …

Ca. 1860 hat ein Wohltäter in Liverpool Krankenschwestern in arme Bezirke geschickt, um denen zu helfen, die sich keinen Arzt leisten konnten oder um Familien zu unterstützen. Das was heute noch Gemeindeschwestern oder die Familienhilfe tut. Schnell stellte sich heraus, dass die Armen zahlreich waren und organisatorische Strukturen und der Aufbau einer Organisation sinnvoll war. Mehrere Initiativen haben sich großbritannienweit zusammengetan und eine Schwesternschule gegründet, eine Einrichtung, die heute noch Pflege-Forschung betreibt, wenn die Gemeindeschwestern selbst auch seit 1947 vom nationalen Gesundheitsdienst bezahlt werden.

Dieser neue Förderverein hat sich durch Hilfe vieler Mäzene gut finanziert, bis dann 1927 jemand auf die Idee kam, Geld dadurch einzufahren, dass Privatleute ihre Gärten für die Öffentlichkeit zugänglich machten. Über 600 Gärten haben in diesem ersten Jahr mitgemacht. Meist waren es Herrenhäuser mit riesigen Gärten, die der normale Mensch zum ersten Mal sehen konnte. Die wohlhabenden Patrone und vor allem Patroninnen müssen mehr oder minder ihre Adressbücher durchtelefoniert haben, um ihre Kumpels aus den oberen Zehntausend zu animieren, mitzumachen.

Die Aktion war ein Bombenerfolg und seitdem werden Gärten geöffnet. Da, wie gesagt, seit 1947 die Schwestern- und Pflegerausbildung staatlich organisiert ist, benötigt das ursprüngliche Lehrinstitut nicht mehr die Menge Geld, die erwirtschaftet wird, und Stück für Stück wurden Krebshilfen und andere medizinische Organisationen unterstützt. 1980 wurde dieser nationale Gartenplan dann ein eigener Verein.

Es handelt sich also um einen Verein, der nur dazu da ist, Geld für andere Vereine aufzutreiben.

Wenn das nicht sehr englisch ist!

Doch es gibt doch noch eine andere Verbindugen. Garten und Medizin mag man nicht sofort im Zusammenhang sehen, doch ist man im Verein stolz darauf, durch die Gartenbesuche die Leute rauszubringen, zu animieren, selbst zu gärtnern und auch die Eigentümer der Gärten sind natürlich motiviert, ihren Garten im bestmöglichen Licht zu präsentieren. Man leistet also auch seinen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit. So schließt sich der Kreis, eine zufällig wirkende Spendenidee hat mit dem Spendenziel zu tun: für Wohlbefinden und Gesundheit zu sorgen.

Intermezzo auf Madeira Schluss

Super, oder? Originalnebel vom Freitag, über 1800 m Meereshöhe. Bild könnte Osten zeigen, Westen, Süden, vielleicht aber auch Norden.

Na ja, ganz so schlimm war es nicht, man konnte den Weg sehen. Und den Schnee.

Die Wanderung vom zweithöchsten Gipfel zum höchsten Gipfel bezieht ihre Attraktivität jedoch vom Ausblick, der spektakulär sein muss, wenn er denn stattfindet. Doch nicht heute, deshalb entscheidet die Gruppe und die Wanderführerin, alternativ 1000 m tiefer in die Üppigkeit des Lorbeerwaldes einzutauchen, und das sieht dann so aus:

Und so:

Madeira Buchfink und die Levada, entlang der gewandert wurde:

Fette Farne:

Und Aussicht zum Adlerhügel, rechts im Bild, gab’s auch noch:


So hell präsentiert sich Madeira im Winter nicht immer, doch einmal noch, auf der Zuckerrohrweg auf der „neuen Levada“, der Levada nova, da scheint die Sonne den ganzen Tag, hurra. Wir sehen Cherimoya (Obst, schmeckt ähnlich wie Birne, gibt es in Deutschland kaum, da nicht lagerbar), Mimosen in Blüte und Zuckerrohr am Hang, das kann über 4 m hoch werden.

Bilderbuchtag mit Nachbarinseln:

Morgen ist Regen angesagt. Macht aber nix.

Intermezzo auf Madeira II

Madeira ist bekannt für seinen süßen Wein, doch es gibt weitere Spezialitäten, die vielleicht nicht so bekannt sind. Bolo Caco ist kein Kakao, sondern eine Art Pizza-Süßkartoffelbrot mit Knoblauchbutter, ein guter Snack; Kognac nicht aus Trauben, sondern auf Basis von inseleigenem Zuckerrohr, also Rum, extrem lecker und hochwertig – und die Gläser werden großzügig eingeschenkt; Poncha, eine Art süßer Cocktail aus Frucht, Rum und Honig, der in Flaschen verkauft wird, auch sehr gut (wie immer: Portugal = süß); Honigkuchen. Und und und, wir sind noch nicht mit allem durch.

Bekannt sind ferner: die Holzschlitten auf Teer, die früher als Transportmittel dienten, heute werden Touris damit nach unten gefahren, teuer, aber einmalig. Da K. nicht so richtig zieht, belasse ich es bei einer Seilbahnfahrt nach oben nach Monte zur Abfahrstelle und schaue ein bisschen zu und in die Wallfahrtskirche hinein – die ist portugiesischer Barock mit bemalter Holzdecke. Da sich nur gut benehmende Touris drin aufhielten, gab es eine sehr schöne Atmosphäre, in der ich nicht geknipst habe, sondern zwei Kerzen angezündet.

Blick aus der Seilbahn. Unter dem Kirchturm befindet sich das Hotel. Kirche von 2002 mit schönem Wandbild, siehe hier:

Die Attraktion: Schlitten fahren:

Die Schlitten werden mit dem Laster wieder nach oben transportiert. Auch die Lenker müssen nicht laufen.

Einsteigen bitte.

Der erste Abschnitt, recht flach. Um die Ecke wird es wohl steiler. Man gleitet auf einer öffentlichen Straße dahin, ich denke, eine Einbahnstraße.

 

 

Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte

Wandern, auch ein großes Ding. Da Madeira nur 50×25 km groß ist, mit 260.000 Einwohnenden, ist es relativ dicht besiedelt mit einem sehr guten Nahverkehr. Man könnte seine Wanderungen ohne Auto selbst unternehmen. Wir mischen, geführt und eigen.

Wanderung zur Ostspitze – ein Weg, rechts und links das Meer. Optimal mit dem Bus erreichbar und unmöglich, sich zu verlaufen – abgesehen davon, dass man nicht alleine unterwegs ist, Madeira ist nur bedingt für Einsamwandernde geeignet.

Mit Kleingruppe zur ersten der berühmten Levadas: Madeira besitzt 2000 km Levadas, das sind meist offene Wasserkanäle, die das Wasser seit Jahrhunderten vom regenreichen Norden in den regenärmeren Süden verteilen. Jede Levada besitzt aus Gründen der Pflege einen Fußpfad daneben, diesen kann man als Wanderweg nutzen. Die beliebtesten Levadas sind wegtechnisch etwas ausgebaut, doch streckenweise hat man 20 cm Steinweg am Abhang entlang.

In der Landesmitte West: steile Täler, Nebelwald (der weltberühmte Lorbeerwald, den es auch auf den Kanaren gibt, aber an nicht vielen anderen Orten der Welt)

Viele Wasserfälle! Die Levadas sind sehr hübsche Wasserrinnen.

Ein Paradies für Flechten und alle megafett ausgebildet. Links ein Exemplar der so genannten Salatflechten. Man kann sich denken, warum sie so genannt werden (tellergroß). Rechts die Levada mit breitem Weg, doch ragendem Erikabaum, an dem man sich den Kopf stoßen kann. Der Lorbeerwald hat alles in Baumform. Es gibt Blaubeer-, Lorbeer-, Heide-, Löwenzahn- und sogar Maiglöckchenbäume!

Zum Schluss noch durch einen Tunnel, mit Taschenlampen. Hinaus kommt man auf die Südseite der Insel: sofort ändert sich die Vegetation, es wird subtropisch. Ich denke, das sind Callas.

Auch berühmt: die Markthalle, Fisch, Blumen, Obst, Sonstiges.

Für eine kleine Inselgruppe gibt es hier ganz schön viel Berühmtes …

Intermezzo auf Madeira I

Einen alten Wunsch erfüllt – nach Madeira geflogen. Ich hatte die leicht irrationale Idee, die Insel sei auf dem Meer nur schwer zu finden. Vor nicht allzulanger Zeit WAR sie auch schwer zu finden. Dank moderner Technik schienen die Piloten aber keine Probleme damit zu haben. Ich wäre ja auf der ersten links sichtbaren Insel gelandet, mit 5 oder 6 Mini-Mini Inselchen darum. Sah ganz proper aus, dachte ich, heißt jedoch Porto Santo, lernte ich. Denn der Flieger setzte nicht zur Kurve an, sondern flog in ein Wolkenband hinein, unter dem sich rechterhand Madeira verbarg. Man lerne: Madeira ist eine ansehnliche Inselgruppe, wie die Balearen, die Kanaren, Hawaii … Meeresrücken, ob vulkanisch oder nicht, neigen offenbar dazu, mehrfach in die Höhe zu gehen. Von Indonesien ganz zu schweigen und das einsame St. Helena erwähnen wir gar nicht. Obwohl eine Art Verbindung gibt es: dort starb Napoleon, hierenorts starb der letzte Kaiser von Österreich-Ungarn, der exilierte Kaiser Karl. Stilvolles Exil, das.

Erstes einheimisches Bier (und Radler) im Sonnenschein. Na, dann Prost!

Bislang haben die Leute auf meine Versuche, Portugiesisch zu sprechen, meist mit Englisch reagiert, seufz. Am ersten Tag sind wir mit dem umsonstenen Hotelbüslein in die Stadt, Funchal, die Hauptstadt. Zurück fuhr kein Bus vom Hotel mehr. Ich fragte also einen Busfahrer, welcher Bus in Richtung Fußballstadium fährt, darüber liegt unser Hotel. Es gibt immer einen Bus zu einem Fußballstadium, logisch. Der Bus Nr 8, hinter ihm, der sei der richtige. Wir rein, Karten gekauft und los in die Nacht, Hügel auf und ab, kam uns schon weit vor, doch Busse fahren ihre Routen ab. Ein ausgewachsenes Fußballstadium kann man schlecht übersehen, ich war guten Mutes. Klaus fragte doch mal nach, und tatsächlich, das Stadium wurde erst auf dem Rückweg angefahren! Nach einem Wenden-in-drei-Zügen Manöver am Endpunkt der Route (Straßen hier sind aus geografischen Gründen sehr steil und sehr eng und nichts für schwache Nerven) und 10 Minuten Busfahrerpause. Diese habe ich genutzt, um den Busfahrer, der wie alle Busfahrer in jeder freien Sekunde am Wischkastl hängt, einfach auf Spanisch zu fragen, wie das nun sei mit den Bussen. Mittels einer Zeichnung und ein paar Worten hat er mir geduldig erklärt, wo wir gerade waren (janz weit weg) und welcher Bus der eigentlich Richtige sei. Das könnte ein Ansatz sein: einfach flüssig reden, egal welche Sprache, besser als stottern.

Fußballstadium: Ronaldino, wirklich und echt einer der weltbesten und berühmtesten Fußballspieler (Nachteil: er ist ein Mann und weiß das, genug gesagt), stammt aus Madeira und spielt längst woanders. Doch hier spielt Funchal Maritimo, Klaus wird nächsten Samstag dabei sein.

Madeira bei Nacht, geht doch. Wir hängen am Berg, ich wollte Meerblick. Jetzt haben wir Bucht- und Meerblick. Im Hafenbecken liegt eine der Aidas, seit zwei Tagen. Im Sommer dawuzeln sich die Kreuzfahrtschiffe hier, aber eines, das verträgt die Insel. So klein ist sie auch nicht.

Aktuell 2 Tage später: die Aida ist weg, stattdessen ist eine Mega-Aida da, Aida Prima, scheußlich, ein mittelgroßes Tui Schiff und ein Norweger, der aber schon wieder weg ist. 3 Schiffe gehen auch.

Wir sind pauschal hier – ganz bequem mit Flughafentransfer! Hier gibt es keinen Awad, der einen auf Bestellung von Sharm-el-Sheik nach Dahab fährt, so ist es wirklich auch angenehm, kann man nicht leugnen. Hotel haben wir ebenfalls auf Empfehlung des Reisebüros gebucht, und es ist sauber, modern, großes Bad, massives Frühstücksbuffet, bestimmt erst seit neuestem mit glutenfreier und laktosefreier Ecke. Brauchen wir nicht, dennoch erkannt. Typisch Portugiesisch: der Cappucchino aus der Maschine ist vorgezuckert. Süß ist Trumpf.

Also pauschal, was wollte ich sagen: einerseits faul, doch andererseits gar nicht faul. Was man alles unterschreiben muss, man muss ihnen vertrauen, dass sie die Namen für die Flieger nicht falsch schreiben und wir mussten (nicht über sie, sie haben daran nicht verdient) eine Reiseversicherung abschließen. Pauschalreisen machen vielleicht nur noch Neunzigjährige. Das ging hin und her im nasskalten Chester.

Seit den 60igern hat Funchal einen Botanischen Garten und, jawohl, am Hang gelegen. Klaus! hat vorgeschlagen, vom Zentrum raufzugehen. 300 Höhenmeter später und nach einer Kaffeebarpause in einer Vorortbar (ein Wasser, ein Espresso, hier Bica genannt, für 1,40, sonst herrschen auf Madeira in etwa gewohnte dt. Preise) waren wir da. Zurück sind wir mit dem Bus. Ja, Bus, der Nah- und Regionalverkehr (Fernverkehr fällt wegen fehlenden Umlandes aus) sind gut, häufig und günstig. Werden von Einheimischen und Touristen sehr gerne genutzt.

Tintenfisch auf der Lauer – oder doch eine Agave

Die beiden Bilder zeigen Pflanzen aus der Stadt – keine Übertreibung, auch im Winter blüht Madeira.

Die große Schachspielausstellung

Gar nicht viele Worte, dafür aber viele Bilder. Monatelang hat Klaus seine Schachspielausstellung vorbereitet, Texte geschrieben (mit mir), Werbung gemacht, andere Leihgaben erbeten – nächstes Bild ist das Plakat.

30 eigene Spiele und 20 Leihgaben ergaben eine stolze Schau. Es kamen etwa 50 Leute, mehr wären besser gewesen, doch besser als weniger. Man konnte sich den Mund fusselig reden, dass Schach viele Künstler durch die Zeit inspiriert hat, ihre eigene Variante zu schaffen, auch für Nichtschachinteressierte geeignet, richtig kapiert haben das die Leute erst, als sie da waren. Alle waren BEGEISTERT.

 

Das Set Ungarn gegen Türken (20 cm hoch) ging zwar nie in Serie, mutet aber wie Krippenfiguren an. Grimmige Krippenfiguren.

Um den ganzen Raum herum Schachspiele, Schachspiele.

Das älteste Spiel, ca. 1852 (Leihgabe), ein frühes „Staunton“ Set. Mit dieser Art von Figuren werden seit über 100 Jahren die meisten internationalen Turniere ausgetragen.

Reiseschach, Magnetschach, Minischach, die ganze Bandbreite der praktischen Spiele mit denen man tatsächlich sinnvoll spielen kann.

Mit diesen Spielen vielleicht weniger. Links im Bild die Simpsons, rechts die Filmreihe Transformers (irgendwas mit Autos, die gleichzeitig Roboter sind und sich von einem in das andere verwandeln können. Oder so.)

Der Schachtisch wurde extra aus einem Hotel geholt und erfreute sich besonders bei den Kindern großer Beliebtheit. Leider kamen nicht so viele Kinder, doch sie hatten Spaß (Vater hat Erlaubnis für Bildveröffentlichung erteilt).

Holz und Metall, ein schweres, klassisches Set.

Ein Spiel für Golffreunde.

Eine Kopie des berühmten Lewis-Spiels, mittelalterliche Spielsteine, die auf den äußeren Hebriden gefunden wurden und vermutlich von skandinavischen Händlern verloren worden waren.

Afrikanisches Specksteinspiel.

Wunderbar filigranes afrikanisches geschnitztes Spiel.

Buntes mongolisches Spiel (vom Bonner Weihnachtsmarkt).

Brasilianisches Tonspiel, extranett.

Es darf gemotzt werden

und zwar über das Englische. Oder dessen Nutzung.

Inhalt dieses leider bildfreien Beitrags:

1. Über den Ärger mit dem Englischen für jeden Schmarrn.
2. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: warum moderne Begriffe scheinbar alternativlos sind, weil sie nicht übersetzt werden können.
3. Anmerkungen über Englisch als Lingua Franka – globale Gebrauchssprache.

1.
Handlettering, was für ein Wort! Da meint man, schon alles gesehen zu haben, doch Neuglisch schleicht sich überall ein. Was soll das Wort aus Hand und Brief – hand und letter -, das ich in einer E-Mail gelesen habe, bedeuten? Nachschauen im Netz ergab, es handelt sich irgendwie um die gute alte Kalligraphie, das Schönschreiben. Aber trifft es das wirklich? Ist Handlettering Kalligraphie oder etwas anderes, das man mit einem neuen Namen belegen sollte? Es scheint zu beinhalten, schöne und ansprechende Buchstaben zu schreiben, in verschiedenen Stilen, für Karten, als Überschriften. Nicht unbedingt für längere Texte. Der Begriff Schriftmalerei wird in einem Blog vorgeschlagen, das endlich gefällt mir. Im Prinzip geht es um aufmerksames und künstlerisches Schreiben mit der Hand, im Gegensatz zum krakeln. Und im Gegensatz zum Tippen und Ausdrucken.

Englisch muss immer für alles herhalten, das ist nichts Neues, ärgert mich aber, weil ich die Vielfalt der Sprache an sich mag, ohne dass sie zwanghaft für alles „Neue“, oder „Andere“ herhalten muss, weil sich niemand Gedanken macht oder man immer noch meint, ohne englischen Namen zieht keine Idee.

2.
Das ist im Allgemeinen das „Problem“ mit der Übersetzung englischer Begriffe aus z.B. dem Informationsbereich. Oft schleicht sich dieses Gefühl des Nicht Passenden ein, als gäbe es keine eindeutige Übersetzung und nur das englische Wort würde perfekt zu der benannten Sache passen. Es kann jedoch einfach ein Fall des „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ sein. Etwas Neues wird benannt und schon wirkt das Wort wie die ideale Ergänzung zur Sache.
Die Medien-, Computer-, Informationszeitaltersprache ist, eben, neu. Praktischerweise nahm man alte Worte und drückte ihnen einen neuen Stempel auf. Ein Beispiel sind Internetbrowser wie Firefox oder Internet Explorer (englische Eigennamen; oder den von den Norwegern benannten Browser Opera). Browser scheint ein neu geprägtes Wort zu sein, abgeleitet von to browse, rumstöbern. Wie übersetzt man nun Browser exakt? Gar nicht, denn ein Ungetüm käme heraus, wie Stöberer, Herumsucher, Flanierer. Mehr als zwei Silben, nicht so gut. Wäre jedoch eines dieser Worte zuerst auf der Landkarte erschienen, würde die halbe Welt heute vielleicht Flanieren oder im Netzgestöber untergehen ;-).

3. Wahrscheinlich würde es nichts mit der anderssprachigen Bezeichnung, denn die Lingua Franca des halben 20. und des bisherigen 21. Jahrhunderts ist nun einmal Englisch. Es ist nicht die erste und wird nicht die letzte Lingua Franca* sein.

*Die Benennung bezieht sich auf einen konkreten Fall: im Mittelalter war die Lingua Franka, die „Fränkische Sprache“ eine Mischung aus Italienisch, Französisch, Spanisch und Arabisch und wurde im östlichen Mittelmeer zur Verständigung zwischen Handelpartnern eingesetzt.

Latein, Spanisch, Niederdeutsch, Griechisch, Arabisch, Quechua im Inkareich – jede Epoche besaß und besitzt zahlreiche Linguae Francae (oder so in der Mehrzahl). Heute ist Englisch eindeutig die bekannteste Lingua Franca. Doch auch Spanisch, Französisch, Russisch, Chinesisch sind in manchen Regionen die nützliche Verkehrssprache. Dazu die Pidgin genannten Mischungen aus Sprachen. Der Status Lingua Franka bedeutet, dass Menschen die Sprache kaum als Muttersprache erwerben, sondern meist später lernen. Nicht unbedingt um in einem der Kernländer der Sprache zu leben, sondern um irgendwo verstanden zu werden. Meist für Handelszwecke und Geschäfte aller Art. In Ländern mit zahlreichen „einheimischen“ Sprachen, die durch z.B. willkürliche Grenzziehung von Kolonialherrschern entstanden sind, ist es eine nützliche Sprache, die allen Völkergruppen von früh an zur Verfügung steht, wenn es auch nicht gesagt ist, dass sie für alle Sprechenden auch den Rang einer Muttersprache inne hat.

Zur Abgrenzung: Kreolische Sprachen sind Mischsprachen, die den Sprung zur Muttersprache geschafft haben, sie wird also automatisch weitergegeben. Denn das ist das Schicksal jeder Lingua Franka. Wenn sie für die Nutzenden keinen Vorteil mehr hat, wird sie schulterzuckend aufgegeben und nur noch Muttersprachler oder wirklich an der Sprache interessierte Personen werden sie noch benutzen.

Man könnte glauben, durch die globale Kommunikation hat Englisch einen Anspruch auf dauerhafte Verwendung erworben – es war zur richtigen Zeit am richtigen Sprach-Ort. Kann sein. Kommunikation hat sich durch die nun zur Verfügung stehenden Mittel in kurzer Zeit derartig verändert, ein Beispiel ist ein Wiedererstarken von Bildzeichen, den Emojis, dass man keine Prognosen abgeben kann. Es gibt keinen sprachlichen Endstand.

 

Weihnachtspause

… im Vereinsheim Tattenhall. Am dritten Adventswochenende spielten dort einmalig und nur heute auf: die Twanglers*. Dahinter verstecken sich dieselben Musiker, die sonst Folk und Blues spielen, nämlich unsere Freunde Paul, Rich und Pete. Und eine Dame am Schlagzeug.

* ein nachhallendes Geräusch auf einer Seite erzeugen, ist aber eher humoristisch gemeint, schrammeln vielleicht.

   

Die richtige Silhouette: Cowboys unter den Lamettagirlanden.

Die Band hatte sich eher verhalten dazu hergegeben, Country- und Westernstücke zur Benefizveranstaltung der Tennisabteilung einzustudieren, denn es ist nicht ganz ihre Musik. Wie es oft so ist, bei ungewöhnlichen Ideen: es wurde ein zünftiger Abend, komplett mit Donald Trump und Seilschnalzen bei der weltbekannten Nummer Rawhide (siehe roten Pfeil auf dem Bild)!

Und Westerntanz, angeführt von der unermüdlichen Tennisspielerin und Organisatorin Val (rechts im Bild).

 

Bevor es Scherben gibt …

sind Keramiken gewissermaßen Einstückscherben, die man Teller, Krüge, Figuren oder Abflussrohre nennt. Großbritannien blickt, wie schön öfters berichtet, auf eine umfangreiche Tongeschichte zurück. Hier soll es um ein paar internationale Stücke aus meiner Sammlung, äh, meinem Geschirrschrank, gehen.

Tonerden sind dieser ganz besondere Stoff, weich und hart, wasserdicht wenn glasiert, mit fast unendlichen Formmöglichkeiten. Nur wenn das gebrannte Erzeugnis runterfällt, dann ist es kaputt.

Ein Miniabriss zur Geschichte

Seit Zehntausenden von Jahren werden Keramiken von Menschen hergestellt.

Die UK haben, wie der Rest der Welt, neidisch nach China geschaut, denn von dort kam das feine Porzellan, ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das dem Land der Mitte einen Riesenumsatz bescherte. In Deutschland, genauer gesagt, im damaligen Königreich Sachsen, wurde das Porzellan 1708 nochmals „entdeckt“, und hat sich von dort weiterverbreitet, das fernöstliche Monopol war gebrochen. Deutschland, Frankreich, die Niederlande etc. brannten die neue Technologie, was das Zeug hielt. Meist natürlich für gehobene Schichten, denn die Produkte waren sehr teuer. Für das normale Volk gab es weiterhin Steingut und andere Keramiken, doch auch für dieses kamen frische Farben, neue Dekors und Formen dazu.

Ein gewisser Josiah Spode hat im England zu Ende des 18. Jahrhunderts das Knochenporzellan erfunden, bei dem ein hoher Prozentsatz Knochenasche dem Kaolin und den anderen Keramikzutaten beigemischt wird. Da Porzellan auf Englisch China heißt (gesprochen Tschaina), heißt das Knochenporzellan Bone China. Die Firma Spode gibt es bis zum heutigen Tag, sie stellen Gebrauchskeramik her. Überhaupt, Gebrauchskeramik, das UK übernahm schnell die Rolle des neuen Weltlieferanten und Erneuerers.

Die beginnende Industrialisierung benötigte neue Werkstoffe, Firmen, die heute für feine Suppenteller bekannt sind, machten ihr Geld z.B. mit x-tausenden von Meilen an Tonrohren, die für Abflusssysteme, später für Kabel gebraucht wurden. Das saarländische Villeroy und Boch lebt heute noch großteils von der sehr wichtigen Sanitärkeramiksparte.

Die Brennindustrie war extrem bedeutend im Königreich, bis zu dem Punkt, dass die ersten der vielen Kanäle, die Cheshire im Osten durchziehen, vor allem auch für die Töpfereien gebaut wurden. Der Transport auf Lasttieren mit mit Stroh gefütterten Körben war derart ineffektiv mit Bruchraten bis zu 90%, dass es sich lohnte, für diesen wichtigen Wirtschaftszweig die Schaufel in die Hand zu nehmen. Oder 100 Schaufeln. Oder 100.000. Alle in Handarbeit gegraben. Die Kanäle, auf denen man heute gemütlich im Urlaub schippern kann, dienten also nicht nur dem Schüttguttransport.

Zur Vorbereitung

Tonstücke sind oft praktisch und auch schön, es ist ein Material, das die Kreativität herausfordert und Geschmäckern unterliegt. Wenn man ein besonderes Stück besitzt, weiß man oft auch, welche Ausrede man beim Kauf hatte. Meist die, dass das betreffende Stück nicht nur schön, sondern auch nützlich ist. In Kürze weiß man, welche Geschichte dahinter steckt.

Es heißt, man brauche so eine Lichtbox, damit man anständig fotografieren kann. Also habe ich mir aus einem Karton und einem Molltontuch geschwind eine als Hintergrund gebastelt, um ein bisschen zu knipsen. Hochprofessionell, das alles!

Die Milch ist schuld!

Unsere Milch wird leicht schlecht, schon vor dem Verfallsdatum, doch bessere Qualität ist bei unserem Kramer nicht zu kriegen. Wir glauben, wenn kleinere Reste aus der Plastikflasche herauskommen, halten sie im Kühlschrank länger. Am besten in einem handlichen Krügerl.

Seit über 30 Jahren besitze ich dieses kleine Ziegenmilchkännchen (rechts vorne) aus der Schweiz. Fast der Rest eines kleinen Services, den mir meine Schwester geschenkt hatte. Das Kännchen wurde selten benutzt, bis wir in das UK kamen, deshalb habe ich es noch nicht zerdöppert.

Vor kurzem kam das Tittmoninger* Stücke dazu, links im Bild, gekreuztes Muster auf Grau, da für größere Milchreste die Ziegen zu klein sind. Mit dem rechten Krug unbekannter Herkunft eine Spende aus der Krugmenge meiner Mutter.
*Erna Leitner hieß die Töpferin, die 1959 die Töpferei des dann verstorbenen Karl Hentschel übernahm und in ähnlichem Stil weiterführte. Beide Krüge werden benutzt, doch für die Milch hat das eine Krüglein eine zu weite Öffnung, das andere ist zu eng, zu unpraktisch zum spülen jede Woche. Mehr ein Sirupkrug.
Auf dem Töpfermarkt in Traunstein 2017 habe ich dann den dunkelblauen Krug mit der lebendig wirkenden Glasur entdeckt und gekauft. Größe, Form: Der ideale Milchkrug.

Was mir dabei auffiel: ohne es zu planen, besitze ich nun eine Sammlung von blauen Krügen!

Doch halt, wer kommt da daher, dieser Krug ist nicht blau, der ist bräunlich, mit Stich ins Grüne. Der ist ein Geschenk fürs Katzen- und Hühnerhüten in der Gärtnerei und kommt aus Cornwall. Aus einer berühmten Töpferei mit Namen Leach. Bernard Leach war ein Produkt des Weltreiches. Aufgewachsen in Hongkong, Japan, China und England, studierte er Kunst und fing an sich mit Japan zu beschäftigen, lebte und arbeitete in Japan und Peking und gründete später eine Töpferei in St. Ives, Cornwall, die es heute noch gibt. Er hat japanische und englische Töpferei maßgeblich befruchtet. Der Krug ist von einer norddeutschen, dort arbeitenden Töpferin hergestellt worden.

Marke der Leach Pottery (Töpferei)

Der Krug steht auf einem einfachen bayrischen Teller, auch vom Töpfermarkt in Traunstein. Der musste her, denn die großen englischen Toastscheiben lappen immer über den Rand eines normalen Kuchentellers, vor allem, wenn man zwei davon isst. Er hat eine Größe zwischen Kuchen- und flachem Teller. Eine harmonische Wirkung, obwohl die betroffenen Töpfereien insgesamt sehr unterschiedliche Stile aufweisen.

Die Wedgwood Verbindung

Seit meinem Besuch des Wedgwood Museums esse ich meine Nudeln aus einem modernen Teller aus dem dortigen Fabrikverkauf. Kürzlich war ich nun in einem riesigen (6 Hallen) Antikcenter. Antikcenter sind Plätze, an denen Handelnde einen abgetrennten Bereich in einem Geschäft mieten können. Man findet dort, da im Land nichts weggeworfen wird (die Müllhalden sprechen eine andere Sprache, doch das ist die Moderne), alles von der wertvollen Antiquität bis zu Sammelndenstücke oder modernes Dekor. Ich schaue immer nach Keramik, das zieht mich an.
Ich finde einen Kuchenteller, der mir gefällt, schaue darunter: ah, Wedgwood, der wäre eine Möglichkeit. Einige Stände weiter stapelt sich fast ein Service. Ich hebe einen Teller hoch: schon wieder Wedgwood. Ich kombiniere: Scheint mein Geschmack zu sein. Ich kaufe für kleines Geld das Einzelstück und einen Teller des anderen Services. Ab jetzt wird mein eigenes Brot (kleinere Brotscheiben als englischer Toast) stilvoll verzehrt!

Das graue Motiv heißt Cornucopia und wird heute noch hergestellt. Ein Teller dieser Größe kostet neu 30 Pfund, ich habe 6 bezahlt. Zweiter Hand oder Zweite Wahl: egal, macht Freude. Das gold-petrolfarbene Teil ist aus der nicht mehr verfügbaren Serie Agincourt. Ob das englischer Humor ist, weiß ich nicht, die Geschichte ist nämlich Folgende: vor Agincourt haben die englischen Franzosen (Willi der Eroberer war schließlich Franzose und er hat die Geschichte der Insel entscheidend durcheinandergewirbelt, also sind es zu dem Zeitpunkt Halbfranzosen) 1415 die französischen Franzosen geschlagen. Eine Schlacht des 100jährigen Krieges. Man will es sich gar nicht vorstellen. Der Name des Porzellans soll wohl nur auf den schicken französischen Stil aufmerksam machen. Preis: 7 Pfund.

Es muss nicht immer kostbar sein

Dieses Trio gab es for 2,50 Pfund in einem Wohltätigkeitsladen: Modern, Massenware, wen kümmert’s, sie sind hübsch und vielseitig einsetzbar.

Original und Fälschung

Diese beiden Schüsseln sind identisch in Form, Gewicht und Größe, doch eines ist eine echte Portmeirion Schüssel (1962 gegründete Töpferei), die andere, aus einem anderen Antikcenter, trägt den Stempel Porthmeirion, Wales. Man beachte das h nach dem t in Porth. Also ein Imitat, eine Fälschung? Das Internet schweigt sich dazu aus, dabei ist es sonst so geschwätzig. Faszinierend. Ich mag beide, das elegantere Portmeirion und das wie eine frühe Version wirkende Beispiel in den blassen Farben.

Die unterschiedlichen Marken

Zum guten Schluss

Vom Erhabenen zum Komischen: dies ist Klaus’ Tasse. Beim Schranktür öffnen muss man dem „Oink“ einfach zulächeln.

Gleiche Chancen für …

Mädchen und Jungs. Eine zweiteilige Fernsehsendung im britischen Fernsehen.

Ist das nicht längst gegeben? Wir schreiben das Jahr 2017 und befinden uns in Großbritannien, einem der Länder, die sich Geschlechtergerechtigkeit auf die Fahnen schreiben. Wieso sieht man also im Erwachsenenalter immer noch, dass Frauen weniger für dieselbe Arbeit erhalten (und sogar oft fordern, weil sie offenbar bescheidener sind).

Sachverhalte wie diese wollte ein Fernsehmann und Arzt näher untersuchen. Er griff sich eine Klasse mit 7-jährigen auf der beschaulichen Isle of Wight im Süden Englands und testete die Kinder zu Beginn eines 2-monatigen Versuchs, Jungs und Mädchen geschlechterneutral zu erziehen. Kein Problem, ein paar kleinere Korrekturen und geschafft, oder?
Denkste.
Die Erstbefragung war erhellend. Bis auf ein Mädchen gaben alle Kinder an, dass Jungs besser seien. Sie seien stärker*, würden automatisch Führungsrollen übernehmen und coolere Spielzeuge erhalten.

*Kinder sind vor der Pubertät biologisch gleich stark. Mit einem Hau-den-Lukas Wettbewerb wurde das schön demonstriert und zeigte Aha-Effekte. Woher glaubten die Kinder dann, dass Jungs stärker sind?

Andererseits konnten Mädchen ihre Gefühle ausdrücken und Jungs im Schnitt nur eines: Wut. Andere Gefühle konnten sie nicht beschreiben.

Mädchen beschrieben sich als hübsch oder hässlich und veranstalteten – kein Witz jetzt! – rosa Parties. Nichts gegen Rosa, doch sah das etwas einseitig aus. Es gibt ja noch andere hübsche Farben. Blau z.B. Oder Grün.

Im Legen von Tanggram*aufgaben waren die Mädchen erbarmungsmäßig schlechter als die Jungs, so dass man jeden viktorianischen (Victoria, Queen 1837-1901) Familienvater mit der altväterlichen Idee, Frauen könnten nun mal nicht räumlich denken und das sehe die Natur so vor, bitteschön, Recht geben müsste. Sie hatten nie „räumliche“ Spielsachen bekommen, wie Lego, sondern „soziale“, wie Puppen.

* https://de.wikipedia.org/wiki/Tangram

Noch mehr Beispiele?: Kinder, deren Väter nachweislich viele Aufgaben wie Kochen im Haushalt übernahmen, sagten dennoch , Abwaschen, das ist Frauensache.

Kleiderlose Ausmalbilder von Berufen wurden generell mit Geschlechtern besetzt: Mechaniker und Magier wurden als Männer gezeichnet, Tänzer und Make-up-Künstler als Tänzerin und Make-up-Künstlerin. Kein Wunder, dass der Versuchsleiter dann den Kindern ein paar Stunden mit genau den gegenteiligen Rollenbildern schenkte. Eine weibliche Mechanikerin zeigte das Innere eines Autos, ein Tänzer machte Übungen und erzählte von seiner Arbeit.

Die Welt dieser Kinder ist voll mit entweder Rosa oder Blau – die Industrie gibt vor, die Eltern machen unbewusst mit.

Der Versuchsleiter – und nicht nur er – war geschockt. Ein derartig einseitiges Ergebnis hatte er nicht erwartet.


In dem Alter wollen Kinder natürlich (denke ich) anfangen, die Welt in Schubladen zu packen und saugen mehr auf, als die Erwachsenen (außer die Marketingfritzen von der Industrie) glauben. Sie sind stolz, wenn sie meinen, sie checken die Welt langsam ab. So hat es zu sein, ich weiß w(d)as. Kein Wunder, dass bei dieser Beeinflussung die Mädchen ihre Berufswünsche bzw. Möglichkeiten als Friseuse beschrieben und nicht als Formel 1 Fahrerin, die Jungs keinerlei Probleme dabei hatten, sich als Astronaut im All zu sehen.


Mit einigen innovativen und witzigen Ideen wurde versucht, Alternativen aufzuzeigen.


Am Ende der zwei Monate hatte sich tatsächlich einiges geändert. Jungs haben spontan Picknick vorbereitet und Mädchen sind in die Feuerholzgruppe gegangen. Jungs haben mit Begeisterung Bären aus einem vorgefertigten Set genäht und Mädchen einen elektisch betriebenen Roboter.

Die Mädchen konnten schon nach wenigen Wochen die Tangramaufgaben fast so gut wie die Jungs lösen. Sie haben schnell aufgeholt, was sie durch weniger spielen mit Lego oder Dingen wie Fischertechnik verpasst hatten. Einige Jungs sind weniger vor Frust explodiert, sondern konnten ihre Gefühle und Wünsche schon vor dem großen Knall äußern.

Der Klassenlehrer hat sich die Lektionen hinter die Ohren geschrieben, nicht mehr die Kinder mit geschlechterspezifischen Kosenamen gerufen, hat Bücher mit Superheldinnen in seine Klassenbücherei gepackt und die passiven Prinzessinnen rausgeschmissen. Auch die (weibliche) Schulleitung hat versprochen, mehr Möglichkeiten für das Denken der Kinder offenzuhalten.


Doch das Ganze war wirklich frustierend. Dies war eine durchschnittliche Schule, nicht anders als eine in Deutschland. Mich hat es immer wieder heiß und kalt überlaufen, wenn ich dachte: wie hätte ich mich als Erwachsene verhalten: schenke ich nicht auch geschlechterspezifisch, um einer Erwartungshaltung gerecht zu werden? Akzeptiere ich nicht auch rauheres Verhalten von Jungs als von Mädchen? Was mich dazu treibt, (manche) Jungs zu vermeiden, muss ich sagen, weil es mich elendig annervt, aber das ist ja auch eine Form von Akzeptanz. Dass es anders geht, zeigt z.B. mein Patensohn … lebhaft, aber bis jetzt noch nicht macho.

In den 70ern, in meiner völlig normalen und dazu bayrischen!!! Schule hätte kaum ein Mädchen gesagt, dass Jungs besser wären. Berufswünsche waren offen: man wusste, es gibt nicht viel weibliche Mechanikerinnen oder männliche Kranken“schwestern“, doch dass diese Dinge gerade dabei waren, sich zu ändern und wir die Wahl hatten. Man wusste, Frauen und Forschung oder andere gehobene Berufe, die viel Zeit in Anspruch nehmen, können von Frauen intelligenzmäßig locker bewältigt werden. Wenn auch meist um den Preis, dass sie keine Kinder bekommen sollten, dann hätten sie die Zeit nicht mehr für diese „Berufung“. Das war auch irgendwie klar …

Wenn ich sage, „man“ versuche ich mich zu erinnern, wie ich die Atmosphäre empfunden habe und was ich gelernt habe. Gemischte Botschaften, siehe oben, aber immerhin gemischt. Es war eine Offenheit da, eine gewisse Bereitschaft, seinen eigenen Weg finden zu dürfen. Obwohl ich oft gehört habe: dieses oder jenes sollte man als Frau (und nicht als Mensch oder Erwachsene(r)) können, wurde nie vermittelt, es lohne sich nicht, andere Dinge auch zu lernen.

Aufrüttelndes Fernsehen.