Vor 8 nur für Möwen?

Willkommen an der Britischen Riviera in Torquay in der Bucht von Torbay. Der Kanal, der ärmelige, hat ein anderes Licht als die Mittelmeer Riviera, doch ansonsten kann man nicht meckern. Die geschützte, weit geschwungene Bucht hat direkt im Zentrum einen Sandstrand mit glasklarem Wasser davor. Morgens bin ich erst alleine dort, deshalb frage ich mich, ob es hier eine Abmachung mit dem Möven-Federvieh gibt, doch dann bin ich auch vor 8 nicht der einzige Mensch im Wasser. Am Ufer, auf den Betonstufen, kehren Arbeiter den Sand des Vortages zurück ins Meer. Links ragt das Riesenrad weiß vor den Klippen. Diese Bucht kann man sich sogar bei Regen und Sturm als schön vorstellen.

Blick auf die Bucht von außen, sieht so herum nicht so spektakulär aus, ist aber gut.

Mit einer Fähre über die Bucht nach Brixham, einem nicht nur Ausflugsort, sondern auch funktionierenden Fischereihafen. Nicht auf den Fotos: ein rostiges Schiff, gepflastert mit enttäuschten Plakaten zur Brexit Politik. Man, oder einige, will richtig raus aus der EU. Fischerei hat einen emotionalen Stellenwert in den UK, doch ist keine wirtschaftliche Größe als solche, die Fischereichancen sind also schlecht. Und selbst der wohlwollendste Politiker kann die Überfischung, die alle Anrainerländer seit Jahrzehnten verursacht haben, nicht zurücknehmen.

Der Hafen von Brixham

Jede Menge Boote, jede Menge Preisklassen (bei einem Bootsmakler sehen wir Preise, die deutlich über das eines Einfamilienhauses hinausgehen).

Ein englisches Lido (gesprochen Leido) – ein Schwimmbad am Meer.

Wanderzeichen am Boden: man kann die ganze zerklüftete Küste Meter für Meter, oder foot for foot, abgehen. Wir belassen es bei 1-2 Meilen. Dieses Mal.

Einen Abend verbringen wir bei Freunden von Freunden: Tipps von Einheimischen erhalten und zwei extrem nette und offene Menschen kennen lernen – großartig.

Die Kelsall Steam (Dampf) Ralley – hinter den Kulissen

Als Marktfrau kann man rumkommen. Unser Tattenhaller Dorfmarkt entschließt sich, bei der oben genannten Ralley einen gemeinsamen Stand zu bestücken und ich manage die Ware an den zwei Tagen. Eine von uns, die professionell Topfpflanzen zieht, Hühner, Schweine etc. verkauft, also eine Kleinbäuerin, ist seit ein paar Jahren mit ihren Pflanzen dort und hat uns als zweiten Stand angemeldet – inmitten von vielen vielen Autozubehörständen, E-Bikes, einem wunderschön restaurierten Roma-Wagen und diversen anderen Tandlern auf der zweitägigen Fahrzeugschau. Es sind nur 11 Meilen, man kann heimfahren, ich entscheide mich aber für leichtes Frieren im Zelt (das orange im Hintergrund) und fahre nur zum Brausen nach Hause. Denn die sanitären Anlagen sind eher rudimentär. Die meisten Leute haben einen Caravan dabei und den anderen ist es eh Wurst.

Am Samstag laufen die Geschäfte so und so, alle, die etwas eingebracht haben, verkaufen etwas. Sonntag ist heiß und sehr schleppend. Davon bin ich enttäuscht, aber alle Handelnden haben Schwierigkeiten. Es sind Tausende von Leuten da, doch die Pfunde sitzen lächerlich fest. Dazu ist es heiß und mittags spielt England gegen Panama (6:1). Sport, Wetter und  Brexitunsicherheit sorgen für geringes Konsumaufkommen.

Doch abends ist ein Feuerwerk gewesen und Rundgänge über das enorme Gelände mit Dampfmaschinen, Bussen, Autos, Traktoren und vor allem Lastern sind schwindelerregend (in England wirft man wirklich nichts weg). Ich bin so müde, dass ich trotz sehr lauter Live-Bandmusik einschlafe und morgens ist es früh so hell (Sonnwend), dass ich endlich mal Zeit habe, in Ruhe zu lesen.

Endlos kommen Brummis im Abendlicht an.

Ein kleiner Ausschnitt – von der modernen Zugmaschine bis zum Holz gefeuerten Modell ist alles dabei. Es sind Hunderte Fahrzeuge.

Die Stars der Schau:

Mini-Dampfmaschine.

Eine echte Dampfwalze. Ich habe eine beim rückwärts Einparken beobachtet, viel Gekurbel, doch einwandfreie Reaktion der Maschine, sehr gute Manövrierfähigkeit.

Wofür diese „Lokomotive der Straße“ genutzt wurde, ist mir nicht bekannt, sie wird aber bis heute gehegt und gepflegt.

Das mit den Dampfmaschinen ist richtig cool, doch selbst diese wenigen Typen zeigen: die Dampftechnik ist richtig dreckig. Überall Ruß und Staub. Ein kleiner Einblick, mit welcher Luft die Leute jahrzehntelang in Städten leben mussten. Zwar weniger Fahrzeuge, doch Heizungen, Fabriken … ganz schön heftig.

Man wäre nicht in England, wenn es nicht ein paar Exzentriker gäbe, die alles Mögliche ausstellen:

Eine alte Melkmaschine (mit Notiz anbei, wenn man noch eine sehr alte Maschine auf dem Speicher rumliegen habe, der Eigentümer sammelt weiter). Die Maschine läuft, mit blauer Flüssigkeit wird der Weg der Milch nachverfolgbar gemacht.

Ein elektrisch angetriebenes Butterfass mit seinen beiden stolzen Ausstellern.

Von Hippies und Höhlenkäse

Ein Wochenende in Somerset

Wenn Deutsche Cheshire hören, denken sie oft an Käse – obwohl der Cheshire Käse ein verderblicher Halbweichkäse ist, der nicht oder kaum exportiert wird. Möglicherweise findet hier eine Verwechslung mit Cheddar statt, diesen Käse findet man massenweise – Gouda, Edamer und Emmentaler in einem Käse vereint, so allgegenwärtig ist er. Oft ist die Qualität entsprechend … bescheiden. Er kommt ursprünglich aus Cheddar in Somerset, wo es die Cheddarklamm und die Cheddarhöhlen gibt, in denen der Käse zum ersten Mal gereift ist. Man kann dort Tropfsteinhöhlen besichtigen (zu schönes Wetter für mich) und in einigen anderen Höhlen wird noch Käse hergestellt. Teurer Käse, doch lohnt: vielschichtiges Geschmackserlebnis, hat nichts mit dem Supermarktkäse zu tun. Man muss nicht immer nur über Weinnuancen reden … (eigentlich muss man überhaupt nicht über Wein reden, doch lassen wir dass dahingestellt; in Somerset kann man übrigens über Käse- oder Ciderfeinheiten reden. Cideräpfel werden in großem Stil angebaut und oft wird er zimmerwarm serviert). Den Käse habe ich vom ältesten Käsehändler der Cheddarklamm gekauft, seit 1870 verkauft man Käse.

Die Klamm ist ENORM populär. Sie ist nicht groß, an den Alpen gemessen, doch die größte ihrer Art in Großbritannien. Unten führt eine geringe Landstraße hindurch, voller Parkplätze. Doch oben entlang geht ein Weg, links hoch, dann hinunter, wieder hoch und auf der anderen Seite zurück. Auch kann man entlang der Parkplätze gut in die Schlucht hineingehen. Es herrscht Verkehr, doch es geht ganz gut. Die Sonne scheint, die Touris essen Eis, stehen für die Höhlen an, alles ist gut. Man merkt, dass einige der Autos nur wegen der Schlucht hier entlangfahren und nicht, weil sie von A nach B wollen. Und nach dem 10. Auto ist sogar mir aufgefallen, dass es zu laut röhrte: Porsche in allen Primärfarben sieht man im Rudel sicher nicht jeden Tag. Ein Porschetreffen in der Cheddarklamm … dann hat man alles gesehen.

Steil geht es nach oben.

Blick auf Cheddar und ein Wasserreservoir.

Warum war ich überhaupt dort? Klaus hat wieder Schach gespielt, in Frome (kam in seiner Kategorie von Platz 55 auf Platz 24, sehr respektabel). Frome ist ein sehr nettes Städtchen, ein bisschen künstlerisch, ein bisschen alternativ, ein bisschen bodenständig. Frome liegt in Somerset, nicht in den berühmten Cotswolds, die sind aber nicht weit. Wie dort dominiert hier der wunderbare gelbe Kalkstein. Wir besuchen Somerset bei perfektem Maiwetter, da sieht es überall erfreulich aus. Man kann sich die Gegend jedoch auch bei Regen und Kälte angenehm vorstellen.

Ein Vintageladen (Ware Zweiter Hand aus den 50ern, 60ern und Neuware im alten Stil). Man beachte das leuchtend rosa Kleid in der Ecke und die schönen Türgriffe aus den 60ern.

Im zweiten Bild unser B&B – sehr stilvoll in einer kleinen Gasse gelegen. Den Mini davor zeigt an, man ist eher in England, nicht in Italien, wo ein Fiat wahrscheinlicher wäre.


Die Hippies aus dem Titel finden sich in Glastonbury, dem Städtchen mit dem weltberühmten Musikfestival. Ganzjährig gibt es den Tor zu besuchen, einen Hügel in flacher Landschaft, der Alternative magisch anzieht. Die Innenstadt von Glastonbury sieht aus wie eine Zeitblase aus den 60ern. Nichts als bunte Kleidung, Rastalocken, Kristallläden. In wie vielen Orten auf der Welt spielen Straßenmusiker Harfe!

Der Tor, der Hügel, beherbergte früher ein Kloster, ein Turm ist noch erhalten.

Netterweise hat man an Radfahrende gedacht, in der Schafweide, am Weg.

Glastonbury zieht Reisende seit langer Zeit an – auf dem Brunnenbogen aus dem 19. Jahrhundert steht ‚To the Tor‘ (Zum Tor) und eine Hand deutet in die richtige Richtung.


Bristol haben wir auch besucht, mit dem Zug. Tolle Stadt, tolle Essmöglichkeiten. Viele Studies, locker, modern. Zu Fuß zur und auf die berühmteste Attraktion der Stadt: die Clifton Kettenbrücke über den Fluß Avon. Das UK hatte viele berühmte Ingenieure, doch der berühmteste ist wohl Isambard Kingdom Brunel. Von dem ist diese Brücke.

Brückenhängung auf der Brücke – Detail.


Supertoll auch Wells, eine kleine Stadt mit Kathedrale. Ich fahre hin, sehe eine Kirche, denke, ja, klar, kleine Stadt, kleine Kathedrale und gehe darauf zu. Drehe mich zufällig um, und da ist sie, die wirkliche Kathedrale: gar nicht so klein.

Ich komme gerade recht zum nachmittäglichen Evensong (Gottesdienst mit viel Gesang). Die Chorknaben und -männer singen von traditionell bis ultramodern, die Predigt dreht sich um Hegels Weltgeist. Ein unerwartetes intellektuelles Vergnügen.

April, April

Der 1. April ist längst Geschichte, Menschen, die auf mehr oder minder gelungene Scherze hereingefallen sind, dürften sich wieder beruhigt haben – entweder, indem sie mit dem Lachen aufgehört haben oder mit dem Genervt-sein.
Keine Ahnung, welche mehr offiziellen Scherze 2018 gelaufen sind, von Seiten der Medien oder einflussreicher Webseiten. Habe weder auf englischer noch auf deutscher Nachrichtenseite etwas gesehen oder gehört. Auch google, ein Unternehmen bekannt für gute Stimmung und harmlose Internetweltherrschaft in fröhlichen bunten Farben (das ist jetzt Sarkasmus) macht jedes Jahr einen Scherz mit dem bekannten amerikanischen Nicht-Humor.

Was heißen kann, dass einige der bierernsten politischen Meldungen der letzten Tage HOFFENTLICH nur Scherze waren. Vermutlich leider nicht.

Ohnehin befassen sich Aprilscherze meist nicht mit der Weltlage, sondern nehmen sich Randgeschehen vor.

Einer meiner liebsten Späße kam vor Jahren von der BBC. Echte Spieler und Offizielle, die man an der Stimme schon erkennen kann, so berühmt sind sie, wurden befragt, warum sie bei der Kampagne, die Fußballtore weiter zu machen, mitmachen würden. Die Aussagen gingen dahin, sie hätten es satt, immer nur Latten zu schießen. Latten wären derart häufig, dass völlig klar sei: Tore sind zu klein. Mit einem größeren Tor gäbe es viel mehr Tore und das Spiel wede noch attraktiver.

Die haben mich ein paar Minuten lang dran gekriegt.

Meine Lieblingsmeldung aus Deutschland (vom WDR, glaube ich): Heinz Erhardt und Ludwig Ehrhard seien Brüder gewesen. Sie hätten sich nicht gut vertragen, deshalb habe man sie nie zusammen gesehen. Von der Statur her wäre das noch hingekommen … und wenn man das im Radio hört, fällt die unterschiedliche Schreibweise der Nachnamen nicht ins Auge.


Der Ursprung des Aprilscherzes ist, aller Forschung zum Trotz, unbekannt. Es gibt viele Spuren, doch eigentlich … So galt der 1. April bei den Römern als einer von mehreren Unglückstagen, später war es in Frankreich der Tag, Liebesbriefe zu übermitteln, und so gibt es der Bespiele mehr aus vielen Jahrhunderten. In Europa und Nordamerika hat sich das Ganze irgendwann im 19. oder 20. Jahrhundert zu einem unernsten Datum verdichtet. Die Menschen treiben halt gerne Schabernack und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das institutionalisiert hat.

Dieses Jahr hat sich Klaus hingesetzt und an seine Schachkumpel und Kumpelinen eine E-Mail mit folgendem Inhalt abgesetzt: Es täte ihm Leid, Cheshire zu verlassen, aber wir würden auswandern. Er habe noch nie in einem Land gelebt, in dem seine Anwesenheit eine Statistik für irgendwas deutlich beeinflusst hätte. Das wolle er ändern und zwar durch einen Umzug nach – Antigua und Barbuda. Der Karibikstaat befindet sich (das kann man nachlesen) auf Rangliste 179 und damit auf dem letzten Platz der Weltschachorganisation FIDE*. Es sind dort zwei Spieler mit einem sehr geringen Rang gemeldet. Wenn Klaus dort hinziehen würde, für Antigua und Barbuda spielte und sein Rang addiert,  würde das Land sofort Laos überrunden, das nächstniedrig eingestufte Land.

*FIDE: Fédération Internationale des Èchecs. Französisch.

Die Schachspielenden von Cheshire haben teilweise mehr als scharf überlegen müssen, ob das wahr ist ! E-Mails flogen hin und her …


Kehrseite der Geschichte: ich habe mich natürlich sofort schlau gemacht, ob man nach Antigua und Barbuda auswandern kann. Es ist eines dieser Commonwealth-Staaten, die spät (1981) unabhängig wurden, eine verheerende Kolonial- und SklavInnengeschichte hinter sich haben und mehr als pleite sind – trotz der angeblich 365 Strände und des herrlichen Wetters. Deshalb sind sie nicht sehr originell auf die Idee der gekauften Staatsbürgerschaft gekommen. Seit einigen Jahren genügt es, ein Haus zu erwerben, das mehr als 400.000 Dollar kostet und eine Residenzpflicht von 30 Tagen im Jahr zu erfüllen. Das geht ja alles, Monaco macht es leider nicht anders, nur teurer. A.undB. wirbt aber auch offiziell dafür, dass man mit dem Paß des Landes visafreien Zutritt zu 131 Ländern, darunter die EU, besitzt.
Man muss nicht eine wirklich schmutzige Phantasie besitzen, um das als Einladung für Drogenhändler, Menschenschmuggler und sonstiges Gesocks zu verstehen, sich reinzuwaschen und neue Märkte zu erschließen. Ich möchte gerne gutgläubig sein, das fällt mir hier aber schwer.

Heilende Gärten

Die Szenerie rundherum scheint das Gegenteil zu beweisen, doch eine große Explosion bereitet sich unterirdisch längst vor – die sprießende Explosion. Man darf sich von den kahlen Ästen und dem schütteren Grün am am Erdboden nicht täuschen lassen, sonst wird man kalt erwischt und muss alles auf einmal aufgärtnern.

Infolgedessen gibt es in Carols Gärtnerei jede Menge zu tun und zur Belohnung für säen, pflanzen und abräumen blühen die ersten Anemonen (vorne im Bild) im Folienhaus und draußen verschiedene Christrosen, die es sich lohnt, im Detail zu betrachten. Der harte Winter hat das Unkraut klein gehalten, doch die Beete sind nicht weniger geworden …

Nach wie vor, England ist Gartenland. Man sieht keinesfalls überall aufregende oder zumindest bemühte Gärten, doch versteckte Schönheiten lassen sich an vielen Orten finden.

Um über Winter nicht zu verkümmern oder auch sich weiterzubilden, gibt es die Vorträge der Tattenhall Gartengesellschaft, deren Mitglied ich bin. Der Verein richtet nicht nur die fabelhafte Tattenhallschau aus, die alles prämiert, von 5 identischen Tomaten zu dem besten Foto, das ein Mensch unter 10 Jahren geschossen hat, bis zu Kunst oder dem perfekten Miniaturgesteck. Nein, auch Vorträge und kleine Ausflüge zu Gärten sind bei uns im Programm. Ich habe keine weitere Funktion als Veranstaltungen mit Dreizeilern in freien Magazinen zu bewerben. Und Veranstaltungen zu besuchen.

Manchmal können die Vorträge schon sehr speziell sein, Sukkulente z.B. oder Dahlien oder Orchideen im heimischen Garten. Bei meinem kleinen Mischgarten und ohne Glashaus alles nix. Auch gestern war ein Vortrag angekündigt, der ehrlich gesagt, nicht so prickelnd klang. Geschichte und aktuelle neue Gärten in Cheshire im Programm des nationalen Gartenplans (national garden scheme). Gähn.

Aber da es nur 50 Meter bis zum Veranstaltungsort sind, bin ich hingedackelt. Und dann war es doch sehr englisch.

Logo des Vereins, ein geöffnetes Gartentor.

Der Verein ermutigt Leute, ihre Privatgärten an einem oder mehreren Tagen im Jahr für die Öffentlichkeit freizugeben. Groß oder Klein ist egal, irgendwie muss er halt interessant sein. Das Eintrittsgeld wird dann gespendet. So viel wissen irgendwie alle, die solche Gärten besuchen, auch ich. Die Gärten sind zahlreich, das so genannte „Yellow Book“, das Gelbe Buch zeigt alle Details. In Cheshire alleine sind über 60 Gärten im Jahr zu besichtigen.

Ein populäre Sache, befriedigt Gartenliebhabende, Neugierige und Leute, die nicht wissen, was sie an dem Nachmittag sonst anstellen sollen. Auch in Tattenhall liegt so ein Garten, doch selbst die Ausrichter (die Vorsitzende unserer Gartengesellschaft) wusste bislang nicht, wie genau ihr erwirtschaftetes Geld verwendet wird …

Ca. 1860 hat ein Wohltäter in Liverpool Krankenschwestern in arme Bezirke geschickt, um denen zu helfen, die sich keinen Arzt leisten konnten oder um Familien zu unterstützen. Das was heute noch Gemeindeschwestern oder die Familienhilfe tut. Schnell stellte sich heraus, dass die Armen zahlreich waren und organisatorische Strukturen und der Aufbau einer Organisation sinnvoll war. Mehrere Initiativen haben sich großbritannienweit zusammengetan und eine Schwesternschule gegründet, eine Einrichtung, die heute noch Pflege-Forschung betreibt, wenn die Gemeindeschwestern selbst auch seit 1947 vom nationalen Gesundheitsdienst bezahlt werden.

Dieser neue Förderverein hat sich durch Hilfe vieler Mäzene gut finanziert, bis dann 1927 jemand auf die Idee kam, Geld dadurch einzufahren, dass Privatleute ihre Gärten für die Öffentlichkeit zugänglich machten. Über 600 Gärten haben in diesem ersten Jahr mitgemacht. Meist waren es Herrenhäuser mit riesigen Gärten, die der normale Mensch zum ersten Mal sehen konnte. Die wohlhabenden Patrone und vor allem Patroninnen müssen mehr oder minder ihre Adressbücher durchtelefoniert haben, um ihre Kumpels aus den oberen Zehntausend zu animieren, mitzumachen.

Die Aktion war ein Bombenerfolg und seitdem werden Gärten geöffnet. Da, wie gesagt, seit 1947 die Schwestern- und Pflegerausbildung staatlich organisiert ist, benötigt das ursprüngliche Lehrinstitut nicht mehr die Menge Geld, die erwirtschaftet wird, und Stück für Stück wurden Krebshilfen und andere medizinische Organisationen unterstützt. 1980 wurde dieser nationale Gartenplan dann ein eigener Verein.

Es handelt sich also um einen Verein, der nur dazu da ist, Geld für andere Vereine aufzutreiben.

Wenn das nicht sehr englisch ist!

Doch es gibt doch noch eine andere Verbindugen. Garten und Medizin mag man nicht sofort im Zusammenhang sehen, doch ist man im Verein stolz darauf, durch die Gartenbesuche die Leute rauszubringen, zu animieren, selbst zu gärtnern und auch die Eigentümer der Gärten sind natürlich motiviert, ihren Garten im bestmöglichen Licht zu präsentieren. Man leistet also auch seinen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit. So schließt sich der Kreis, eine zufällig wirkende Spendenidee hat mit dem Spendenziel zu tun: für Wohlbefinden und Gesundheit zu sorgen.

Intermezzo auf Madeira Schluss

Super, oder? Originalnebel vom Freitag, über 1800 m Meereshöhe. Bild könnte Osten zeigen, Westen, Süden, vielleicht aber auch Norden.

Na ja, ganz so schlimm war es nicht, man konnte den Weg sehen. Und den Schnee.

Die Wanderung vom zweithöchsten Gipfel zum höchsten Gipfel bezieht ihre Attraktivität jedoch vom Ausblick, der spektakulär sein muss, wenn er denn stattfindet. Doch nicht heute, deshalb entscheidet die Gruppe und die Wanderführerin, alternativ 1000 m tiefer in die Üppigkeit des Lorbeerwaldes einzutauchen, und das sieht dann so aus:

Und so:

Madeira Buchfink und die Levada, entlang der gewandert wurde:

Fette Farne:

Und Aussicht zum Adlerhügel, rechts im Bild, gab’s auch noch:


So hell präsentiert sich Madeira im Winter nicht immer, doch einmal noch, auf der Zuckerrohrweg auf der „neuen Levada“, der Levada nova, da scheint die Sonne den ganzen Tag, hurra. Wir sehen Cherimoya (Obst, schmeckt ähnlich wie Birne, gibt es in Deutschland kaum, da nicht lagerbar), Mimosen in Blüte und Zuckerrohr am Hang, das kann über 4 m hoch werden.

Bilderbuchtag mit Nachbarinseln:

Morgen ist Regen angesagt. Macht aber nix.

Intermezzo auf Madeira II

Madeira ist bekannt für seinen süßen Wein, doch es gibt weitere Spezialitäten, die vielleicht nicht so bekannt sind. Bolo Caco ist kein Kakao, sondern eine Art Pizza-Süßkartoffelbrot mit Knoblauchbutter, ein guter Snack; Kognac nicht aus Trauben, sondern auf Basis von inseleigenem Zuckerrohr, also Rum, extrem lecker und hochwertig – und die Gläser werden großzügig eingeschenkt; Poncha, eine Art süßer Cocktail aus Frucht, Rum und Honig, der in Flaschen verkauft wird, auch sehr gut (wie immer: Portugal = süß); Honigkuchen. Und und und, wir sind noch nicht mit allem durch.

Bekannt sind ferner: die Holzschlitten auf Teer, die früher als Transportmittel dienten, heute werden Touris damit nach unten gefahren, teuer, aber einmalig. Da K. nicht so richtig zieht, belasse ich es bei einer Seilbahnfahrt nach oben nach Monte zur Abfahrstelle und schaue ein bisschen zu und in die Wallfahrtskirche hinein – die ist portugiesischer Barock mit bemalter Holzdecke. Da sich nur gut benehmende Touris drin aufhielten, gab es eine sehr schöne Atmosphäre, in der ich nicht geknipst habe, sondern zwei Kerzen angezündet.

Blick aus der Seilbahn. Unter dem Kirchturm befindet sich das Hotel. Kirche von 2002 mit schönem Wandbild, siehe hier:

Die Attraktion: Schlitten fahren:

Die Schlitten werden mit dem Laster wieder nach oben transportiert. Auch die Lenker müssen nicht laufen.

Einsteigen bitte.

Der erste Abschnitt, recht flach. Um die Ecke wird es wohl steiler. Man gleitet auf einer öffentlichen Straße dahin, ich denke, eine Einbahnstraße.

 

 

Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte

Wandern, auch ein großes Ding. Da Madeira nur 50×25 km groß ist, mit 260.000 Einwohnenden, ist es relativ dicht besiedelt mit einem sehr guten Nahverkehr. Man könnte seine Wanderungen ohne Auto selbst unternehmen. Wir mischen, geführt und eigen.

Wanderung zur Ostspitze – ein Weg, rechts und links das Meer. Optimal mit dem Bus erreichbar und unmöglich, sich zu verlaufen – abgesehen davon, dass man nicht alleine unterwegs ist, Madeira ist nur bedingt für Einsamwandernde geeignet.

Mit Kleingruppe zur ersten der berühmten Levadas: Madeira besitzt 2000 km Levadas, das sind meist offene Wasserkanäle, die das Wasser seit Jahrhunderten vom regenreichen Norden in den regenärmeren Süden verteilen. Jede Levada besitzt aus Gründen der Pflege einen Fußpfad daneben, diesen kann man als Wanderweg nutzen. Die beliebtesten Levadas sind wegtechnisch etwas ausgebaut, doch streckenweise hat man 20 cm Steinweg am Abhang entlang.

In der Landesmitte West: steile Täler, Nebelwald (der weltberühmte Lorbeerwald, den es auch auf den Kanaren gibt, aber an nicht vielen anderen Orten der Welt)

Viele Wasserfälle! Die Levadas sind sehr hübsche Wasserrinnen.

Ein Paradies für Flechten und alle megafett ausgebildet. Links ein Exemplar der so genannten Salatflechten. Man kann sich denken, warum sie so genannt werden (tellergroß). Rechts die Levada mit breitem Weg, doch ragendem Erikabaum, an dem man sich den Kopf stoßen kann. Der Lorbeerwald hat alles in Baumform. Es gibt Blaubeer-, Lorbeer-, Heide-, Löwenzahn- und sogar Maiglöckchenbäume!

Zum Schluss noch durch einen Tunnel, mit Taschenlampen. Hinaus kommt man auf die Südseite der Insel: sofort ändert sich die Vegetation, es wird subtropisch. Ich denke, das sind Callas.

Auch berühmt: die Markthalle, Fisch, Blumen, Obst, Sonstiges.

Für eine kleine Inselgruppe gibt es hier ganz schön viel Berühmtes …

Intermezzo auf Madeira I

Einen alten Wunsch erfüllt – nach Madeira geflogen. Ich hatte die leicht irrationale Idee, die Insel sei auf dem Meer nur schwer zu finden. Vor nicht allzulanger Zeit WAR sie auch schwer zu finden. Dank moderner Technik schienen die Piloten aber keine Probleme damit zu haben. Ich wäre ja auf der ersten links sichtbaren Insel gelandet, mit 5 oder 6 Mini-Mini Inselchen darum. Sah ganz proper aus, dachte ich, heißt jedoch Porto Santo, lernte ich. Denn der Flieger setzte nicht zur Kurve an, sondern flog in ein Wolkenband hinein, unter dem sich rechterhand Madeira verbarg. Man lerne: Madeira ist eine ansehnliche Inselgruppe, wie die Balearen, die Kanaren, Hawaii … Meeresrücken, ob vulkanisch oder nicht, neigen offenbar dazu, mehrfach in die Höhe zu gehen. Von Indonesien ganz zu schweigen und das einsame St. Helena erwähnen wir gar nicht. Obwohl eine Art Verbindung gibt es: dort starb Napoleon, hierenorts starb der letzte Kaiser von Österreich-Ungarn, der exilierte Kaiser Karl. Stilvolles Exil, das.

Erstes einheimisches Bier (und Radler) im Sonnenschein. Na, dann Prost!

Bislang haben die Leute auf meine Versuche, Portugiesisch zu sprechen, meist mit Englisch reagiert, seufz. Am ersten Tag sind wir mit dem umsonstenen Hotelbüslein in die Stadt, Funchal, die Hauptstadt. Zurück fuhr kein Bus vom Hotel mehr. Ich fragte also einen Busfahrer, welcher Bus in Richtung Fußballstadium fährt, darüber liegt unser Hotel. Es gibt immer einen Bus zu einem Fußballstadium, logisch. Der Bus Nr 8, hinter ihm, der sei der richtige. Wir rein, Karten gekauft und los in die Nacht, Hügel auf und ab, kam uns schon weit vor, doch Busse fahren ihre Routen ab. Ein ausgewachsenes Fußballstadium kann man schlecht übersehen, ich war guten Mutes. Klaus fragte doch mal nach, und tatsächlich, das Stadium wurde erst auf dem Rückweg angefahren! Nach einem Wenden-in-drei-Zügen Manöver am Endpunkt der Route (Straßen hier sind aus geografischen Gründen sehr steil und sehr eng und nichts für schwache Nerven) und 10 Minuten Busfahrerpause. Diese habe ich genutzt, um den Busfahrer, der wie alle Busfahrer in jeder freien Sekunde am Wischkastl hängt, einfach auf Spanisch zu fragen, wie das nun sei mit den Bussen. Mittels einer Zeichnung und ein paar Worten hat er mir geduldig erklärt, wo wir gerade waren (janz weit weg) und welcher Bus der eigentlich Richtige sei. Das könnte ein Ansatz sein: einfach flüssig reden, egal welche Sprache, besser als stottern.

Fußballstadium: Ronaldino, wirklich und echt einer der weltbesten und berühmtesten Fußballspieler (Nachteil: er ist ein Mann und weiß das, genug gesagt), stammt aus Madeira und spielt längst woanders. Doch hier spielt Funchal Maritimo, Klaus wird nächsten Samstag dabei sein.

Madeira bei Nacht, geht doch. Wir hängen am Berg, ich wollte Meerblick. Jetzt haben wir Bucht- und Meerblick. Im Hafenbecken liegt eine der Aidas, seit zwei Tagen. Im Sommer dawuzeln sich die Kreuzfahrtschiffe hier, aber eines, das verträgt die Insel. So klein ist sie auch nicht.

Aktuell 2 Tage später: die Aida ist weg, stattdessen ist eine Mega-Aida da, Aida Prima, scheußlich, ein mittelgroßes Tui Schiff und ein Norweger, der aber schon wieder weg ist. 3 Schiffe gehen auch.

Wir sind pauschal hier – ganz bequem mit Flughafentransfer! Hier gibt es keinen Awad, der einen auf Bestellung von Sharm-el-Sheik nach Dahab fährt, so ist es wirklich auch angenehm, kann man nicht leugnen. Hotel haben wir ebenfalls auf Empfehlung des Reisebüros gebucht, und es ist sauber, modern, großes Bad, massives Frühstücksbuffet, bestimmt erst seit neuestem mit glutenfreier und laktosefreier Ecke. Brauchen wir nicht, dennoch erkannt. Typisch Portugiesisch: der Cappucchino aus der Maschine ist vorgezuckert. Süß ist Trumpf.

Also pauschal, was wollte ich sagen: einerseits faul, doch andererseits gar nicht faul. Was man alles unterschreiben muss, man muss ihnen vertrauen, dass sie die Namen für die Flieger nicht falsch schreiben und wir mussten (nicht über sie, sie haben daran nicht verdient) eine Reiseversicherung abschließen. Pauschalreisen machen vielleicht nur noch Neunzigjährige. Das ging hin und her im nasskalten Chester.

Seit den 60igern hat Funchal einen Botanischen Garten und, jawohl, am Hang gelegen. Klaus! hat vorgeschlagen, vom Zentrum raufzugehen. 300 Höhenmeter später und nach einer Kaffeebarpause in einer Vorortbar (ein Wasser, ein Espresso, hier Bica genannt, für 1,40, sonst herrschen auf Madeira in etwa gewohnte dt. Preise) waren wir da. Zurück sind wir mit dem Bus. Ja, Bus, der Nah- und Regionalverkehr (Fernverkehr fällt wegen fehlenden Umlandes aus) sind gut, häufig und günstig. Werden von Einheimischen und Touristen sehr gerne genutzt.

Tintenfisch auf der Lauer – oder doch eine Agave

Die beiden Bilder zeigen Pflanzen aus der Stadt – keine Übertreibung, auch im Winter blüht Madeira.

Die große Schachspielausstellung

Gar nicht viele Worte, dafür aber viele Bilder. Monatelang hat Klaus seine Schachspielausstellung vorbereitet, Texte geschrieben (mit mir), Werbung gemacht, andere Leihgaben erbeten – nächstes Bild ist das Plakat.

30 eigene Spiele und 20 Leihgaben ergaben eine stolze Schau. Es kamen etwa 50 Leute, mehr wären besser gewesen, doch besser als weniger. Man konnte sich den Mund fusselig reden, dass Schach viele Künstler durch die Zeit inspiriert hat, ihre eigene Variante zu schaffen, auch für Nichtschachinteressierte geeignet, richtig kapiert haben das die Leute erst, als sie da waren. Alle waren BEGEISTERT.

 

Das Set Ungarn gegen Türken (20 cm hoch) ging zwar nie in Serie, mutet aber wie Krippenfiguren an. Grimmige Krippenfiguren.

Um den ganzen Raum herum Schachspiele, Schachspiele.

Das älteste Spiel, ca. 1852 (Leihgabe), ein frühes „Staunton“ Set. Mit dieser Art von Figuren werden seit über 100 Jahren die meisten internationalen Turniere ausgetragen.

Reiseschach, Magnetschach, Minischach, die ganze Bandbreite der praktischen Spiele mit denen man tatsächlich sinnvoll spielen kann.

Mit diesen Spielen vielleicht weniger. Links im Bild die Simpsons, rechts die Filmreihe Transformers (irgendwas mit Autos, die gleichzeitig Roboter sind und sich von einem in das andere verwandeln können. Oder so.)

Der Schachtisch wurde extra aus einem Hotel geholt und erfreute sich besonders bei den Kindern großer Beliebtheit. Leider kamen nicht so viele Kinder, doch sie hatten Spaß (Vater hat Erlaubnis für Bildveröffentlichung erteilt).

Holz und Metall, ein schweres, klassisches Set.

Ein Spiel für Golffreunde.

Eine Kopie des berühmten Lewis-Spiels, mittelalterliche Spielsteine, die auf den äußeren Hebriden gefunden wurden und vermutlich von skandinavischen Händlern verloren worden waren.

Afrikanisches Specksteinspiel.

Wunderbar filigranes afrikanisches geschnitztes Spiel.

Buntes mongolisches Spiel (vom Bonner Weihnachtsmarkt).

Brasilianisches Tonspiel, extranett.

Es darf gemotzt werden

und zwar über das Englische. Oder dessen Nutzung.

Inhalt dieses leider bildfreien Beitrags:

1. Über den Ärger mit dem Englischen für jeden Schmarrn.
2. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: warum moderne Begriffe scheinbar alternativlos sind, weil sie nicht übersetzt werden können.
3. Anmerkungen über Englisch als Lingua Franka – globale Gebrauchssprache.

1.
Handlettering, was für ein Wort! Da meint man, schon alles gesehen zu haben, doch Neuglisch schleicht sich überall ein. Was soll das Wort aus Hand und Brief – hand und letter -, das ich in einer E-Mail gelesen habe, bedeuten? Nachschauen im Netz ergab, es handelt sich irgendwie um die gute alte Kalligraphie, das Schönschreiben. Aber trifft es das wirklich? Ist Handlettering Kalligraphie oder etwas anderes, das man mit einem neuen Namen belegen sollte? Es scheint zu beinhalten, schöne und ansprechende Buchstaben zu schreiben, in verschiedenen Stilen, für Karten, als Überschriften. Nicht unbedingt für längere Texte. Der Begriff Schriftmalerei wird in einem Blog vorgeschlagen, das endlich gefällt mir. Im Prinzip geht es um aufmerksames und künstlerisches Schreiben mit der Hand, im Gegensatz zum krakeln. Und im Gegensatz zum Tippen und Ausdrucken.

Englisch muss immer für alles herhalten, das ist nichts Neues, ärgert mich aber, weil ich die Vielfalt der Sprache an sich mag, ohne dass sie zwanghaft für alles „Neue“, oder „Andere“ herhalten muss, weil sich niemand Gedanken macht oder man immer noch meint, ohne englischen Namen zieht keine Idee.

2.
Das ist im Allgemeinen das „Problem“ mit der Übersetzung englischer Begriffe aus z.B. dem Informationsbereich. Oft schleicht sich dieses Gefühl des Nicht Passenden ein, als gäbe es keine eindeutige Übersetzung und nur das englische Wort würde perfekt zu der benannten Sache passen. Es kann jedoch einfach ein Fall des „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ sein. Etwas Neues wird benannt und schon wirkt das Wort wie die ideale Ergänzung zur Sache.
Die Medien-, Computer-, Informationszeitaltersprache ist, eben, neu. Praktischerweise nahm man alte Worte und drückte ihnen einen neuen Stempel auf. Ein Beispiel sind Internetbrowser wie Firefox oder Internet Explorer (englische Eigennamen; oder den von den Norwegern benannten Browser Opera). Browser scheint ein neu geprägtes Wort zu sein, abgeleitet von to browse, rumstöbern. Wie übersetzt man nun Browser exakt? Gar nicht, denn ein Ungetüm käme heraus, wie Stöberer, Herumsucher, Flanierer. Mehr als zwei Silben, nicht so gut. Wäre jedoch eines dieser Worte zuerst auf der Landkarte erschienen, würde die halbe Welt heute vielleicht Flanieren oder im Netzgestöber untergehen ;-).

3. Wahrscheinlich würde es nichts mit der anderssprachigen Bezeichnung, denn die Lingua Franca des halben 20. und des bisherigen 21. Jahrhunderts ist nun einmal Englisch. Es ist nicht die erste und wird nicht die letzte Lingua Franca* sein.

*Die Benennung bezieht sich auf einen konkreten Fall: im Mittelalter war die Lingua Franka, die „Fränkische Sprache“ eine Mischung aus Italienisch, Französisch, Spanisch und Arabisch und wurde im östlichen Mittelmeer zur Verständigung zwischen Handelpartnern eingesetzt.

Latein, Spanisch, Niederdeutsch, Griechisch, Arabisch, Quechua im Inkareich – jede Epoche besaß und besitzt zahlreiche Linguae Francae (oder so in der Mehrzahl). Heute ist Englisch eindeutig die bekannteste Lingua Franca. Doch auch Spanisch, Französisch, Russisch, Chinesisch sind in manchen Regionen die nützliche Verkehrssprache. Dazu die Pidgin genannten Mischungen aus Sprachen. Der Status Lingua Franka bedeutet, dass Menschen die Sprache kaum als Muttersprache erwerben, sondern meist später lernen. Nicht unbedingt um in einem der Kernländer der Sprache zu leben, sondern um irgendwo verstanden zu werden. Meist für Handelszwecke und Geschäfte aller Art. In Ländern mit zahlreichen „einheimischen“ Sprachen, die durch z.B. willkürliche Grenzziehung von Kolonialherrschern entstanden sind, ist es eine nützliche Sprache, die allen Völkergruppen von früh an zur Verfügung steht, wenn es auch nicht gesagt ist, dass sie für alle Sprechenden auch den Rang einer Muttersprache inne hat.

Zur Abgrenzung: Kreolische Sprachen sind Mischsprachen, die den Sprung zur Muttersprache geschafft haben, sie wird also automatisch weitergegeben. Denn das ist das Schicksal jeder Lingua Franka. Wenn sie für die Nutzenden keinen Vorteil mehr hat, wird sie schulterzuckend aufgegeben und nur noch Muttersprachler oder wirklich an der Sprache interessierte Personen werden sie noch benutzen.

Man könnte glauben, durch die globale Kommunikation hat Englisch einen Anspruch auf dauerhafte Verwendung erworben – es war zur richtigen Zeit am richtigen Sprach-Ort. Kann sein. Kommunikation hat sich durch die nun zur Verfügung stehenden Mittel in kurzer Zeit derartig verändert, ein Beispiel ist ein Wiedererstarken von Bildzeichen, den Emojis, dass man keine Prognosen abgeben kann. Es gibt keinen sprachlichen Endstand.