3 Tage, 3 Gärten

Und sonstige Landschaft. Somerset / Wiltshire. Septemberausflug.

Die Verpflegung war üppig. Da reicht zum letzten Frühstück vor der Abreise eine abgespeckte Version des full English: Dieses “Stilleben” zeigt Black Pudding (eine Art feste Blutwurst), ein Würstchen (und Toast gab’s dazu). Macht auch satt.

Stourhead House, Wiltshire

Einer der bekanntesten Gärten des Landes. Er lebt von Überraschungsmomenten. Man geht im Schatten der Bäume das Tal entlang – und stößt ganz “spontan” auf großartige Blickachsen auf Tempel und Brücken oder stolpert in eine Grotte hinein. Die ganze Szenerie ist auf klassische Vorbilder ausgerichtet. Generationen der Bauherrenfamilie waren jahrelang auf der Grand Tour – der großen Tour – in Europa unterwegs. Dies war eine lang anhaltende Mode, junge Männer sollten vor Ort etwas über die Antike lernen, die als der Hort von Schönheit, Eleganz und Weisheit galt. Natürlich nutzten viele junge Männer die Grand Tour, um ein paar Monate Party in Europa zu machen, aber nicht alle. Die Stourhead Familie besaß eine Bank und eine blühende Landwirtschaft, und konnten sich eine besonders grandiose Grand Tours leisten. Sie nutzten ihre Zeit und ihr Geld anschließend für die Errichtung eines klassisch-irdischen Paradieses.

Nur der hintere Teil, es gibt noch mehr Haus.
Die Maronibäume sind 600 Jahre alt (man lernt nicht aus, sie können so alt werden) und manche erneuern sich bei Bedarf von selbst – ein neuer Stamm wächst längst aus dem alten.

Montacute House, Somerset

Dieses Haus wurde um 1600 erbaut, gerade am Ende der Regentschaft von Elisabeth I. An der Bauweise sieht man, nach der Abwehr der spanischen Eroberung (1588) gab es keine Angst mehr, man verschanzte sich nicht hinter mittelalterlichen Schießscharten. Der Anwalt und Politiker, der das Haus erbauen ließ, setzte auf jede Menge riesiger Fenster, bestückt mit dem teuren Fensterglas. Durch eine Lindenallee, die vor ca. 50-100 Jahren neu gepflanzt wurde, konnte man im Anritt auf das erleuchtete Haus sehen. Im 17. Jahrhundert muss das wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt gewirkt haben.

Bad im Schlafzimmer. Immer wieder schön, diese frühen Sanitäranlagen.

Hauser und wirth Somerset Garden

Etwas ganz anderes: ein moderner Garten des weltbekannten niederländischen Designers Piet Oudolf. Oudolf schafft u.a. Präriegärten aus mehrjährigen Stauden und viel Gräsern. Dieser Garten ist an kein Haus gebunden, sondern gehört einer Stiftung. Es gibt auch eine Kunstgalerie, Tagungsräume und einen Bauernhofladen (der teuerste Farmshop, den wir je besucht haben. Das Brot war aber wirklich gut).

Wir tankten im Dorf, an der Tankstelle einer Kette, die im Umkreis von 20 Meilen noch zwei Tanken betreibt, beide haben wir im Laufe der drei Tage passiert und den relativ billigen Preis gesehen. Im Dorf nun: deutlich teurer als an der Hauptverkehrsstraße. Wir wundern uns darüber nicht mehr, als wir erfahren und auch sehen, dass hier geknubbelt einige der teuersten Privatschulen Englands ihren Sitz haben. Auf dem Parkplatz des Farmshops steht auch passend ein echt hässlicher Aston Martin (ich weiß, es gibt Fans, und normalerweise sehen die gar nicht so schlecht aus. Dieser war wirklich hässlich).

Die Kunstgalerie, die der chilenische Architekt Smiljan Radic als befristeten Bau in London errichten ließ, hat ihren endgültigen Platz im Präriegarten gefunden. Drinnen befinden sich Möglichkeiten, Kunst zu präsentieren, jedoch auch eine Zapfanlage. Prost!

Mere, Wiltshire

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