Dicke Dinger

Manche Erfolge hat man so nebenher. Wenn man nicht hinsieht. Wenn man nicht aufpasst. Wenn man nichts erwartet.

Das kann bei Kürbissen so sein. Die Eigenleistung ist eher gering und wenn man diese schon wieder vergessen hat, kann es explosiv werden!
Unsere Kürbisernte belief sich auf 16 dicke Dinger an zwei Pflanzen. Rein rechnerisch, denn eine der Beeren (Kürbis ist eine Beere) wurde von irgendwelchen Tieren weggefressen. Gönnen können, wünsche guten Appetit gehabt zu haben! Es war genügend für alle da. Blieben 15. Ich habe in meinem Bekanntenkreis Werbung gemacht und sieben Stück verschenken können. Blieben acht. Das ist schon stattlich für zwei Personen und wir arbeiten noch daran. Ein Glück, dass die Dinger ein paar Monate halten.

Wenn man nicht gerade einen Preiskürbis züchten möchte, wobei man anscheinend mehrmals am Tag düngt, den Kürbis vor zu viel Sonne oder Kälte oder nagenden Tieren schützt und vor dem Wundliegen! der Kolosse (kein Witz), ist der Anbau von Wald- und Wiesensorten geradlinig. Platz, Futter und vor allem: Licht.

Ich hatte mal ein paar Pflanzen an einem halbschattigen Kompost ausprobiert. Wuchs gut, aber Blütenansatz: mager und Früchte wurden keine geerntet.

Das Wichtigste ist es, die Jungpflanzen wie ein Luchs im Auge zu behalten. Kürbissetzlinge sind Schneckenkaviar. Dafür lassen die Schleimer die besten Schneckenkörner links liegen. Nachdem wegen ihnen nur noch ein Setzling im Minigewächshaus auf dem Allotment übrig geblieben war, ging der nach Hause mit und wurde von Hand aufgezogen. Nachts am Fensterbrett kuschelnd, tagsüber Sonne tankend auf dem Hoftisch. Dazu gesellte sich eine gesunde Pflanze einer anderen Sorte, die mir jemand geschenkt hatte.

Beim 2-3 Blätter Stadium schrieb man bereits Mai (oder besser May, sind ja in England) und es musste was passieren. Mit einer auch gerade mal so überlebt habenden Zucchinipflanze wurden die Kürbiswinzlinge in Membranlöcher am unteren Ende des Allotments gesetzt. Dort, wo jahrelang nur totes Holz lag, vermischt mit in Millionen Teile zerfallenden Plastikplanen, Brombeerranken und alten Jacken, Schrauben und Dachrinnenteilen. Eine echter Müllplatz, den ich akribisch gereinigt hatte. Viel Wachstum erwartete ich allerdings nicht, also erstmal Membran drüber und halt die drei Pflänzchen.

Etwas Dünger, ein Ring aus Schneckenkorn und am Anfang Gießen nicht vergessen. Ich habe sogar je einen Tomatenstab dazugesteckt, damit ich die zarten Dinger beim Herumlaufen nicht versehentlich zertrete, so klein waren sie. Irgendwann vergisst man das dann und geht seiner ausgetretenen Wege. Bis man über Ranken steigen muss, wenn man zum Kompost will (und die Zucchiniplanze wie eine kleine Gunnera aussieht, s. Beispielbild unten. Das sind aber Zierpflanzen am Teich und in keiner Weise verwandt, das ist nur so eine Assoziation).

Wikipediabild einer Gunnerapflanze

Und noch später sucht man nach Trittmöglichkeiten zwischen den dichten Ranken und wenn man ganz woanders bei den Roten Rüben (Rote Beete) jätet oder eine kleine Sonnenblume abschneidet, hat man schon wieder eine Ranke am Fuß, die über die alten Erdbeeren herangewachsen ist. Und gut, dass mein Nachbar mit seiner Fläche so entspannt ist. Da sind sie auch hingewandert, die grünen Ausläufer. Doch erst beim Abräumen im Oktober wurde das wahre Ausmaß ersichtlich, da reichten die Finger nicht mehr zum Zählen. Eine schöne Überraschung (und etwa 20 Zucchini).

So ein Kürbis flößt Respekt ein. Er ist schwer und in seiner Panzerhülle gewichtig. Der Franz-Josef Strauß unter den Gemüsen. In seiner Orangeheit oder Gelbheit oder Grünheit sitzt er fett da und man ist schon satt, wenn man ihn nur anschaut. Mag man den Eigengeschmack eigentlich? Irgendwie muss man ihn immer aufpeppen. Dann geht er aber ab wie eine Rakete, eine Fülle überraschender Verarbeitungsmöglichkeiten tut sich auf.

Fühle mich bereits als Spezialistin für Kürbisgerichte. Um mich einzustimmen, fing ich süß an. Machte ständig Kompott mit Äpfeln. Zucker, Zimt, Vanille, Weihnachtsgewürze, Orange, das schmeckt und ersetzt den Joghurt zu jedem Müsli. Da spart man sich ein paar Plastikbecker (hier gibt es keinen Joghurt im Pfandglas). Dann gab es den klassichen American Pie – die Butterkruste mit der Füllung aus püriertem Kürbis, Sahne, Ei, Zucker, Gewürzen und einem Schuss Sherry! Das ist ein rechtes Schmankerl. In Gemüseeintöpfen machten Kürbisschnitze eine gute Figur. In normalen Gemüse-Rührkuchen sowieso. Als Variation von Rüblikuchen und Co. K bereitet einen Salat mit Sesamöl, Pinienkernen und Orangenstücken vor: großes Kino! Und irgendwann gibt es dann auch mal den Klassiker: Suppe.

Vielleicht mal kandierten Kürbis probieren? Oder füllen? Trotz Gefrierschrank sollte man immer ein paar Ideen im Hinterkopf haben, denn ein einmal angeschnittener Kürbis muss zwar nicht sofort, aber doch die Tage weiterverarbeitet werden. Wenn man ihn weder abdeckt noch in den feuchten Kühlschrank legt, schimmelt er eine Woche lang nicht, wird nur an den Rändern trocken. Aber er liegt da und fordert heraus: mach was aus mir!

Kürbis heißt übrigens, ja, wie eigentlich? Die Amis nennen ihn Pumpkin, aber hier höre ich öfter Squash. Als ich einen überreiche, sagte die Empfängerin: danke für den Gourd. Das sagt man wohl auch mal für gestreifte oder platte Kürbisse. Ist alles richtig und man wird verstanden.

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