Endlich einmal gute Aussichten

Wir wollen im Dezember ins Ausland fahren. Es ist das erste Mal, dass wir seit Februar 2020 die Insel verlassen wollen und natürlich machen wir uns Gedanken, ob es möglich sein wird. Zu vielen Menschen wurde in den beiden letzten Jahren ein Strich durch ihre Rechnung gemacht, manchmal einen Tag vor einer geplanten Abreise. Immer kam Lockdown 1, 2 oder x dazwischen. Oder das Zielland hat dicht gemacht oder die bürokratischen Hürden waren einfach zu hoch und / oder zu teuer.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Corona uns auflaufen lassen wird? Werden wir weiter auf die interessanten, aber im Winter nicht so attraktiven Inlandsreisen angewiesen sein? Oder wird es sogar einen neuen Lockdown geben, ohne die geringste Ausflugsmöglichkeit? Die Zukunft zu deuten geht nicht, aber praktischerweise wird die britische Lage gerade in nationalen und internationalen Medien diskutiert.

Großbritannien hat nicht gerade die rühmlichste Pandemie hingelegt, die Verfehlungen und tödlichen Fehleinschätzungen und politischen Eitelkeiten sind hinlänglich bekannt und durchgekaut worden. Seit Juli 2021, dem Freiheitstag, wird vieles lax gehandhabt, Masken sind mehr zufällig im öffentlichen Raum anwesend, und die Zahlen stiegen im Sommer und Herbst nach kurzer Erholung auch wieder an.

Von Anfang an waren die UK Schlusslicht Europas: der erste Lockdown zu spät, die massiven Todeszahlen steigerten sich zu traurigen Rekorden. Das schon in “Friedenszeiten” angespannte Gesundheitssystem war bald überlastet und ist es bis heute. Über ein Jahr lang ging das so, die Politik hing den Geschehnissen deutlich hinterher. Seit die Impfungen begonnen haben, ziehen wir uns langsam wieder aus dem Sumpf.
Bauernschläue, Glück und Geschäftssinn halfen dabei, die ersten Impfdosen an Land zu ziehen. Dennoch haben die ansteckenderen Alpha- und Deltavarianten die Impferfolge gleich wieder leicht geschwächt. Die beiden Virenmutationen sind frühzeitig und mit Macht durch Großbritannien gezogen.
Doch hier liegt die aktuelle Chance: vieles besonders Schlimme hat schon stattgefunden. Die frühzeitigen Impfungen (mehr als 6 Monate nach der zweiten Impfung wird der “Booster” empfohlen) erlauben diese Drittimpfungen jetzt, wo es genügend Impfstoff gibt und der Herbst kommt. Wir sind endlich etwas besser aufgestellt als manche andere Länder.

Dazu eine relative gute Annahme der Impfungen und wegen der früheren Fehler ein größerer Prozentsatz der bereits Erkrankten (ca. 15% zu 6-8% in Deutschland). Von einer Herdenimmunität sind wir noch sehr weit entfernt. Dieses Prinzip scheint wirklich nicht zu funktionieren. Also gar nicht.
Dazu: Seit es Schnelltests gibt, sind sie kostenlos und werden einem förmlich aufgedrängt, damit man immer wissen kann, wo man steht.

Diese kleinen Unterschiede – Impfrate, Testen, Genesene summieren sich im Moment zu großen Unterschieden zu Mitteleuropa.

Beispiel Cornwall und Plymouth: unsere Zahlen lagen eineinhalb Jahre immer (teilweise deutlich) unter dem Landesschnitt. Seit diesen Sommer, dem Freiheitstag im Juli, sind wir fast Spitzenreiter in der Infektionszahl. Ständig. Das Virus fegt durch die Gemeinde, ich kenne viele, die krank waren oder einen PCR-Test machen mussten, weil sie mit der App angepiepst oder direkt als Kontakte benannt wurden. Ich bin gerade davon gekommen, mich einem Test unterziehen zu müssen. War zu den richtigen Zeiten NICHT an den falschen Orten.

Diese Menschen, die ich kenne, sind alle geimpft, das zeigt, Impfdurchbrüche gibt es viele, doch niemand unter diesen meist älteren Semestern ist bisher ernsthaft erkrankt. Selbst Astra Zeneca, der Impfstoff, den die meisten erhalten haben, und der relativ weniger vor der Deltavariante schützt, federt schwere Verläufe gut ab. Deshalb sind die Todeszahlen im Südwesten weiterhin fast lachhaft (wenn so etwas lachhaft wäre) niedrig. Wenn es überall so ginge, wie bei uns …. Leider hat es etwa Birmingham oder Lincolnshire oder London ganz anders erwischt, in den ersten Phasen der Pandemie.

So stellt sich die Lage nach bestem Wissen der Expert:innen im In- und Ausland dar. Wir wollen nach Spanien, das ist impftechnisch und ansteckungstechnisch im Moment auch gut aufgestellt. Vorsichtiger Optimismus ist angesagt.

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