Letzte Ruhe

Nicht für uns, doch unser letztes Gebäude ist die Klosteranlage von Fontevraud, in der ein Männer- und Frauenkloster miteinander existierten, unter der Leitung von Äbtissinnen. Dieses “Experiment” zog viel Missgunst und üble Nachrede auf sich, wegen der Frauenpower natürlich, doch hat 700 Jahre gehalten. Da sollte die experimentale Phase vorbei sein. Erst die Auflösung der Klöster im Zuge der Französischen Revolution machte dem Arrangement ein Ende.

Napoleon baute danach den Komplex zu einem schnell berühmt berüchtigten Gefängnis um und das blieb Fontevraud bis in die 1960er. Von der Inneneinrichtung gibt es nur noch Reste der Malereien, doch die Struktur, das Hohe und Schlichte der Räume ist erlebbar.
Die wichtigste “Bewohnerin” ab 1204 wurde in all den Jahrhunderten nicht verschleppt, sie und drei weitere königliche Sarkophage ruhen noch / wieder in der Kirche. Entworfen wurden sie von dieser Verstorbenen, Eleanor von Aquitanien, die ihre letzten Lebensjahre hier verbrachte. Einer ihrer Ehemänner, Henry II., ihr Lieblingssohn Richard Löwenherz und dessen Frau Isabella von Angouleme liegen bei ihr. Zwei Könige von England. Richard ist der, der in der Robin Hood Geschichte immer gut wegkommt, leider zu Unrecht, ihm fiel auch nichts Besseres als teures Kriegsführen ein, er ist nicht der strahlende Retter.

Eleonore ist eine treibende Kraft ihrer ganzen Epoche gewesen, ein Leben wie im Film, das erst mit 82 Jahren zu Ende ging. Nur Königin von Frankreich konnte sie nicht werden, da Frauen dort fast in fanatischer Weise von der Thronfolge ausgeschlossen waren. Als Begründung diente altes salisches (fränkisches) Recht, das Frauen Grundbesitz untersagte, und die Salbung der Könige, die automatisch damit Kirchenaufgaben übernahmen, fast Priester waren. Da konnte man dem Pakt zwischen Vatikan und Königshäusern nicht dazwischenfunken. Frauen galten bis zu einem Konzil im 16. Jahrhundert nicht einmal als Menschen, geschweige denn als salbbar, sondern als Ding mit Gebärmutter (so die offizielle Definition!), hatten folglich wenig Chancen auf der Leitungsebene. Nicht nur, aber auf jeden Fall in der französischen Welt. Es gibt viele Länder, in denen das immer noch so ist und das ist das eigentlich traurige daran.


Eleonore stellte sich mit Buch dar. Sie wollte tatsächlich ihre Bildung zeigen.
Kreuzgang der Frauen.
Alte Küchengebäude.
Durchfahrt

Jeden Tag Kuckucksrufe, Grillenzirpen und Fröschegeschrei, Schwalben fliegen sehen, einem Käuzchen lauschen und die ersten großen Glockenblumen. Wer sich Zeit nimmt, kann viel erleben.

Auf den letzten Metern vor unserem Zielpunkt Saumur dann noch ein völlig unerwartetes Schmankerl: ein mittelalterlicher Markt in den Fels gehauen (nicht mehr aktiv). Der Radweg führt einfach hindurch, das war eine Überraschung, mitten hinein in die Sehenswürdigkeit.

Später sürzte manches Dach ein, wie ein Karstloch.
Sogar auf zwei Ebenen.

Wir haben auf unseren Wegen wenig Pedelecs gesehen, doch es gibt Infrastruktur. Die Gemeinde mit dem Höhlenmarkt hat z.B. Schließfächer aufgestellt, in denen man seine Batterie einschließt. In den Fächern befinden sich Steckdosen zum Aufladen. Kostet nicht mal was. Clever.

Kein Fazit

Was man in Frankreich tun sollte: Zug fahren. Pünktlich, sauber und Eins A gepflegte Gleisanlagen. Selbst der letzte Bummelzug fährt butterweich über jede Weiche. Mein Test dazu: vor dem Halt, wenn man schon an der Tür steht, ohne sich festzuhalten, stehen. Ich habe eine gute Balance, doch das geht weder in Deutschland noch in den UK so richtig gut. In Frankreich war es kein Problem. Da es ein Angebot gab, eine Strecke für buchstäblich 2 Euro mehr in der Ersten Klasse zu fahren, haben wir auch das ausprobiert – anstatt 4 Sitzen drei in der Reihe, wie ein Sessel, das tut dem Hintern, der vom harten Sattel nicht verwöhnt ist, richtig gut.

Das Land war auch so schön sauber … Frankreich und Deutschland sind ja sehr unterschiedlich, Mentalität, Lebensgefühl, Kultur, schon sehr anders. Aber Müll auf den Straßen? Nein danke. Leider anders in England, da wird öffentlicher Raum von zu wenigen Menschen geschätzt. Wir kennen aber nur die Leute, die den Müll aufheben bzw. erst gar nicht wegwerfen. Viele Leute kümmert es nicht, wenn die Mülltonnen mal wieder vom Wind umgeweht werden. Man könnte sie ja festketten …

Was man nicht machen sollte: sich auf Öffnungszeiten von Geschäften verlassen und auf Restaurants. Das liegt nicht unbedingt nur an einer gallischen laissez-faire Mentalität, wir haben gelernt, dass es auch, wie in England, seit Covid einen Personalmangel in der Gastronomie und Serviceindustrie gibt. Also immer eine Packung Nüsse dabei haben und bei jedem Bäcker auftanken, das Restaurant könnte auch beim besten Willen der Betreibenden geschlossen bleiben! Es ist uns nur einmal passiert, aber genau zum unrechten Zeitpunkt. Unsere Taschen waren gerade leer gefuttert.

Was will man mehr als Wiesen voller Butterblumen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.