Schloss, Land, Fluss

Schloss Chenonceau mit Katharina von Medici Garten
Diese bekannte Ansicht kann man ganz umsonst vom Radweg aus haben.

Schloss Chenonceau in der Gemeinde Chenonceaux, das unsere englisch sprechende Appstimme Eric zur großen Erheiterung Tschennensoak ausspricht ( franz. beide Namen identisch ungefähr Schönosó ausgesprochen ) erstand am Standort einer Mühle über den Cher, einem Nebenfluss der Loire. Die vorhandene Holzbrücke wurde später in eine Steinbrücke mit doppelter Galerie verwandelt, die einem reichen Partyleben dienten, während in anderen Räumen ein riesiges Land regiert wurde. Von Menschen wie Katherina von Medici, die niemand als Regentin für dreier ihrer Söhne auf dem Schirm hatte, sonst hätte man die Kaufmannstochter aus Italien nie mit dem jüngeren Bruder des Königs verheiratet. Dieser verstarb unerwartet und schon war sie Königin, nach einem schon vorher absurden Achterbahnleben als Spielball der Allianzen.

Eigentlich erstaunlich, die Menschen wussten, dass ihre Lebenserwartung gering war, jeder Husten tödlich sein konnte, und doch planten sie, als könnten sie alles im Griff haben. Sie sind uns damit doch nahe, selbst in ihrer unpraktischen Kleidung und mit ihren strengen Mienen.

Blick vom Schloss auf den Cher.

Es gibt große Schlösser, kleine Schlösser, gedrungene und feine Schlösser, Weingutanlagen und Sommerresidenzen, und alle könnten nirgendwo stehen als in Frankreich. Natürlich macht unser Tourplan auch andere Vorschläge, Weinproben -mit dem Rad ein bisschen kritisch – Pilzzüchtereien, Mühlen, Museen gibt es auch ( Wetter zu gut ), aber ein Schloss lockt halt doch und so bleiben sie unser Schwerpunkt. Neben km langen Fahrten durch Weinberge, Jagdwälder und an Flüssen entlang. Es gibt Orchideen in den naturbelassenen Wiesen und gepflanzte Iris an den Hecken, Hasen im Feld und einen eingezäunten Poitieresel. Das sind diese Riesenesel, die es mal im Münchener Zoo gab. Schlecht gelaunt, aber machen was her. Toll, so etwas in einem Dorf zu sehen. Am schönsten ist es, durch die Natur zu radeln, bei einer Bäckerei einen Eclair zu essen und den zahlreichen Kuckucken zu lauschen. Bis zum nächsten Schloss.

Ab dem 14. Jahrhundert im 100jährigen Krieg als Verteidigung gegen England errichtet, wurde das Loiretal schlossreich und Zentrum der Macht und höfischen Lebens der Renaissance. Auch nachdem die Regierung wieder nach Paris gezogen war, blieb man der Gegend für Jagd und Sommerfrische treu. Es sind etwa 220 km bis Paris, auch in alten Zeiten keine zu große Entfernung. Wie die Menschen früher eine Vorstellung ihres Anspruchsgebiet oder ihres Landes hatten, ist schwer nachzuvollziehen. Aber es hat seit Jahrtausenden gut funktioniert. Ab einem gewissen Organisationsgrad einer Gesellschaft kann man sich verwalten. Arbeitsteilung, Infrastruktur über Wasserwege, die See und einige Straßen, ausreichend ( oder auch nicht) Kommunikation. Und Armeen, denn Nachbarn waren grundsätzlich unfreundlich.

Iris werden überall gepflanzt, wie die Märzenbecher an Englands Straßen.
Sumpfknabenkraut ( Anacamptris )
Platanen und belgisches Bier

Endlich gibt es überall Platanenalleen, etwas was man vielleicht mehr mit Südfrankreich verbindet. Gastronomisch herrscht viel der Norden, belgische Biere sind an der Tagesordnung, die regionale Küche scheint herzhaft nördlich zu sein, weniger schon mediterran. Regionalen Wein muss man, denke ich, nicht extra erwähnen, in Frankreich wächst an jeder Ecke das eine oder andere Fläschchen heran.

Die erste Fotowand

Beauregard liegt am Weg zwischen Cour-Cheverny und Mosnes – für die Conoisseur:innen der Gegend – ein wenig einsam und nicht der ganz große Magnet der Gruppenreisenden. Doch zu Unrecht, der Garten und die 300 Jahre alte “Fototapete” der Herrschenden sind charmant und ein Traum. Malschüler haben seinerzeit im Auftrag der Eigentümer bekannte Porträts kopiert und diese wurden in einer Galerie zusammengestellt. Lapislazuli-Farb-Malereien an die Decke und Delfter Kacheln mit einer Armee auf den Boden verlegen und fertig ist eine Galerie der frühen Neuzeit. Diese Art von Raumgestaltung soll nicht unüblich gewesen sein, die meisten Galerien sind jedoch nicht mehr erhalten.

Chateau Beauregard

Nach drei Tagen Reise sind wir so voll der Eindrücke, wir wundern uns, dass noch einige Tage vor uns liegen und der Urlaub noch nicht vorbei ist. Visuelle Überladung. Aber bald packen wir Amboise an, wo Leonardo da Vinci die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte. Man lernt nie aus, vielleicht sollte man mal ein Buch über ihn lesen. Seine Zeit ist mir entrückter als manche andere, die Römer z.B. kommen mir wie alte Kumpels vor. Man stolpert ja auch überall über ihre Reste. Das Wohnschloss, das da Vinci zur Verfügung gestellt wurde, und der Garten sind wirklich interessant. Im Garten finden sich Modelle seiner Erfindungen oder Weiterentwicklungen von Erfindungen anderer Leute, oder seine Brücken, die er für alle Gelegenheiten entworfen hat, alles sehr lehrreich. In einer Art Renaissancecafé schmeckt dann der gewürzte Wein nach altem Rezept, eine Art kühler Glühwein, um das alles zu verdauen.

Amboise ist ganz schön rummelig. Es gibt auch drei Schlösser dort, die zum Betreten einladen. Die beiden anderen sparen wir uns aber. Die Loire derweil, die fließt unbekümmert dahin.

Verdächtig prächtig

Wir radeln durch das helle Frühlingsgrün. Das Laub im Wald leuchtet mit den Rapsfeldern um die Wette. Inmitten der Landschaft stehen Schlösser. Manche recht gut besucht, manche schön ruhig.

Der erste Höhepunkt hinter Blois ist Chambord. Es wurde als Jagdschloss errichtet, für wenige Wochen im Jahr nur, in einem Sumpf, der im Sommer mückengeplagt war und im Winter fies kalt. Aber egal, Hauptsache, man sah gut aus dabei. So alle 100 Jahre wurde umgebaut, neu möbliert oder renoviert. Im Zuge der Gemütlichmachung wurde auch der Sumpf trocken gelegt.

Wenn man diese Pracht sieht, wundert man sich weniger, warum die französische Revolution so überhand nahm. Der Kontrast zwischen denen, die dachten, ihnen stünde alles zu, und den vielen anderen ist hier noch mehr auf die Spitze getrieben als in den UK. Von Deutschland ganz zu schweigen. Es ist obszön, dieses Anspruchsdenken. Die Zurschaustellung der Macht wirkt leicht paranoid, als hätte man seinem Glück doch nicht so recht getraut. Ich verstehe alle, die fleißig mit dem Giftfläschchen unterwegs waren, um ein Stück des kleinen Kuchen abzukriegen. Hat aber Hunderte von Jahren funktioniert, kurze Zäsur der Revolution und schon ging’s weiter. Bis 2010 wurden hier noch, wie in anderen Schlössern Frankreichs, präsidentiale repräsentative Jagden abgehalten. Pompidou hat Dutzende Wildschweine mit Jagdfreunden aus aller Welt im Dienst der Republik erlegt. Erst Sarkozy hat diesen Pomp, zugleich mit anderen Privilegien, als unzeitgemäß abgeschafft. Jetzt geht es ja vielen, darunter auch uns, viel besser, und das ist die richtige Richtung. Packen wir das Gift wieder ein.

Große Wendeltreppe
Blick vom 2. Stock
Das ist auf dem Dach. Wie Klein-Venedig. Schon toll.
Das Schloss ist längst unmöbliert. Aber die Decken sind noch da mit dem Salamander von Franz I. Salamander galten als feuerfest = unzerstörbar. Biologisch ist das übrigens eine Fehlbeobachtung.
Fernsehaufnahmen von Pompidous Jagd.
Wie Gott in Frankreich

Ich esse Sachen wie kleingehackte Gans und Gänseklein? und warme geschmorte Radieschen. Unbekannte Worte. Wir sind ja nicht hergekommen, um nichts Neues zu erleben. Schmeckt auch.

Jedes Frühstück besser als das vorige.

Hier wird angepriesen, es gebe ein Frühstücksbuffet süß und pikant. Fabelhaft! Man hat keine Angst vor Süßem.
Hier gab es 4 Nuss/Pistazien/Bitterkakaoaufstriche. Paradisische Zustände in 3 Sterne Hotels.

Doch Natur ist am besten. Mit unseren Leihrädern zuckeln wir von vorgebuchter Unterkunft zur nächsten. Unsere Radanbieterin hat uns Routenkarten, eine ausgedruckte Wegbeschreibung und eine App mit gps Verfolgung zur Verfügung gestellt. Die App spricht mit uns an Wegkreuzungen. Eine männliche Stimme, wir nennen sie Eric, ein internationaler Name. Sobald wir vom Weg abweichen, sagt er uns das. Und wieder. Und wieder. Ein treuer Kamerad. Sehr praktisch.

Booster genügt

Der Englandblog hat gerade eine gewisse Auslandslastigkeit. Zuerst die Post-Coronaflügel nach Spanien ausgestreckt, dann der andauernde Alptraum Ukrainekrieg, der den Blick auf den Osten lenkt. Und für dessen Unterstützung ich mich mit meinem Chor heiser gesungen habe, krank wurde ich durch den zugigen Singort auch, doch kein Corona. Nun wieder raus aus England. Dieses Mal versuchen wir Frankreich. In den UK ist sowieso nicht viel los, Johnson hat einen Lockdownbruchskandal (Parties in Downing Street) nach dem anderen an der Backe, weigert sich aber, zurückzutreten, und seine Reaktion auf die Energiekrise, die es schon vor dem Krieg gab, lautet: in 30 Jahren haben wir schöne neue Atomkraftwerke für euch fertig, meine lieben Fans, bis dahin ist es halt besser, reich zu sein. Also der übliche Wahnsinn.

Mal sehen, wie ein zwischen Mitte und extrem rechts gespaltenes Frankreich aussieht. Bis vor kurzem musste man bei der Einreise aus den UK eine so genannte Ehrenerklärung unterzeichnen, man habe in den letzten 2 Wochen weder Symptome gehabt noch Kontakt mit Infizierten. Bei Inzidenzen von bis zu jede 13. Person hat irgendwie Corona kann man das nicht versprechen. Aber nun fiel das weg, man musste nicht lügen und brauchte nur den Booster nachzuweisen. Nach 2 Jahren Zwangspause benutzen wir unsere Coronafährgutscheine und schiffen auf der Armorique ein. Die gehört zu Brittany Ferries, nicht zu P&O Ferries, die kürzlich alle ihre Leute entlassen haben, um sie mit Billigpersonal zu ersetzen. Ein Schritt, der sogar nach den lockeren brit. Arbeitsgesetzen illegal war, aber sie sind bereit, die Strafe zu zahlen, Hauptsache, das Eignerkonsortium ist zufrieden. Das empört sogar die Kapitalist:innen bis auf Regierungsebene und wir würden mit P&O jetzt nicht fahren. Brittany Ferries bringt uns über Nacht in der Kabine mit Stockbett ruhig nach Roscoff. Ein bisschen Zug-Liegewagen Nostalgie kommt durch das Stockbett auf. Die Liegewagen waren jedoch immer gefühlt leicht siffig. Auf dem Schiff ist es wie immer wie geleckt, Seeleute verstehen auf der Welt am besten, wie man sauber macht. Finde ich.

Mit Bus und Zug geht es nach Blois. Dazu wird über Paris Montparnasse gefahren. Ein Riesenumweg, und Montparnasse ist nicht der schönste Bahnhof, aber so laufen eben die Gleise.

Aus Sicherheitsgründen haben wir Zeit eingeplant, so sind wir nach 24 Stunden am Ziel. Knapper getaktet, ginge es in 20 Stunden. Die Wartezeiten ermöglichen es uns, in der Bretagne ein erstes Croissant zu uns zu nehmen. Bin kein Croissantfan, doch vom guten Bäcker ist es doch was ganz anderes.

Morlaix, der spektakuläre Eisenbahnviadukt.
Morlaix, Bretagne
die Loire bei Blois.
Eier zum Selberkochen beim Frühstück.

Mallorca – Land

Zum Abschluss des Abschlusses noch was Schönes.

La Foradada. Wanderung zum Nadelöhrfelsen zwischen Deía und Banyalbufar.
Jedem Olivenbaum sieht man an, dass er gelebt hat.
Am Cami de Coanegra, bei Santa Maria di Camí, im Inland, gibt es stolze Bauernhöfe mit entsprechenden Außenanlagen.
… und eine schöne Schlucht.
Die allerersten Mandelbäume zeigen ihre Blüten.
Exotische Gartenpflanze: die Hawaiianische Lilie oder der Goldene Wein, ein Nachtschattengewächs

Mallorca – Stadt

Ein paar letzte Fitzelchen Eindrücke aus der bemerkenswerten Stadt.

Viele Geschäfte haben Krippen in ihren Schaufenstern aufgebaut. Diese hier ist nach italienischer Art wie ein Ausschnitt aus dem richtigen Leben gestaltet. Sie beinhaltet moderne Botschaften. Die Schilder, die einige Figuren tragen, werben für den Erwerb lokaler Produkte und die Bewahrung des Planeten.
Die immer runden Scherenschnitte gehören auch zu einer guten Mallorquinischen Weihnachtsdeko.

Die Bucht von Palma ist groß, anders kann man das nicht sagen. Sie liegt nach Süden zu offen. Ungefähr in der Mitte befindet sich seit Römerzeiten (mindestens) eine Siedlung. Östlich davon liegen Badestrände, die im Kern in Balnearios – Badebereiche eingeteilt sind. Es gibt 15 davon. Aus Balneario 6 wurde auf Deutsch Ballermann 6, der besonders für seine Saufgelage und ausufernden Feiern berüchtigt wurde. Das besonders schlechte Benehmen ist bereits seit 20, 30 Jahren eingeschränkt und zivilisierter und findet mehr in Clubs statt. Der Ruf hängt der Strandkneipe trotzdem nach.
Auch heute hört man am Reden auf der Straße, es gibt besonders viele deutsche Urlaubende. Es gibt auch Currywurst. K. konnte nicht widerstehen und hat eine gegessen und sie war wohl nicht schlecht.

Auf der anderen, der westlichen Seite der Bucht von Palma liegen Orte wie Magaluf. Dort liegen berüchtigte britische Partymeilen, analog des Ballermanns.

Der Hafen von Palma mit der Kathedrale im Hintergrund.

Und der Hafen am frühen Morgen bei Nebel.

Best of Mallorca 4

Palma

Palma de Mallorca hat über 400.000 Einwohnende, das ist eine Menge für eine Insel, die nur eine knappe Million zählt. Größte Gruppe der Ausländischen mit Residenz sind tatsächlich die Deutschen mit über 30.000. Das dürften Rentner:innen und Geschäftsleute sein. Man sieht allüberall deutsche Makler:innen, Galerien, natürlich Restaurants an den touristischen Stränden, es gibt von deutschen geführte Bauernhöfe (Fincas). Insgesamt ist der Ausländer:innenanteil aber viel höher, über 20%. Das dürften Dutzende von Nationen sein, u. a. Brit:innen und Argentinier:innen.

Flusspark zum Hafen hin
Burg Bellver über Palma. Man sieht das Durchblicksfenster allüberall von der Stadt aus und im Gegenzug von der Festung gibt es einen tollen Blick über die Stadt.
Die Kathedrale

Die Kathedrale wird allenthalben zum Besuch empfohlen und natürlich wollen wir sie sehen. Da sie nur wenige Stunden am Tag geöffnet ist, dauert es ein Weilchen, bis wir dazu kommen. Es ist ein sehr blockhaftes Gebäude aus hellem Kalkstein, das wie ein gestrandetes Containerschiff am Ufer liegt. Oder es schwebt über den Wellen, jedenfalls lädt der Bau zu Vergleichen ein.

Die Girlanden sind Teil der Weihnachtsdekoration, findet sich auch in anderen Kirchen. Die Rosette soll die größte in einer gotischen Kirche sein.

Wenn man die Schatzkammer mit unglaublich großen und kunstvollen Gerätschaften und Monstranzen aus Gold und Silber durchlaufen hat (kein Hinweis darauf, ob das geraubtes Gold aus Südamerika ist, könnte man ja machen und ist wahrscheinlich), gelangt man in den Innenraum der Kathedrale. Was soll man sagen? Ich habe mehr Tausende als Hunderte Gotteshäuser gesehen. Von einem einfachen Raum, der als Gemeinde dient, irgendwo in der Vorstadt, bis zum Kölner Dom oder der Peterskirche. Barocke Kirchen sind mir wohlbekannt, genauso wie Kirchen von koptischen, griechisch-orthodoxen, lutheranischen, armenischen, anglikanischen Christ:innen, um nur einige zu nennen. Kirchen aus dem vierten Jahrhundert genauso wie Kirchen von 1960. Die Kathedrale von Palma fügt in dieses Mosaik wieder ein sehr eigenes Steinchen ein.

Und das nicht nur, weil Gaudí dort einen Seitenaltar gestaltet, sehr schöne Kronleuchter angebracht hat und (laut Beschreibung) verschiedene Möbel wie Chorgestühle umgeräumt hat. Und er hat, für die Zeit mehr als fortschrittlich, den Altar näher zum Volk gerückt.

Best of Mallorca 3

Der Palast von Mallorca

Eine stolze Geschichte steckt hinter den Balearen. Jedenfalls zeugt ein schicker Palast an der Kathedrale davon.

Nicht immer best

Orttechnisch fahren wir mit den Überlandbussen (freundliche Busfahrer) alles Mögliche ab. Auch Touriorte, wir sind schließlich selber welche. Das Bild, das entsteht, liegt natürlich im Auge der Betrachterin. Port Andratx tritt jetzt an gegen Cala d’Or. Port Andratx ist ein malerisch gelegener Bootshafen in einer tief in die Berge eingeschnittenen Bucht, in dem jeder Quadratzentimeter der steilen Berghänge für (schöne) Häuser und Ferienhäuser genutzt wird. Ein Bad im grünen Meer war nur an einem winzigen Strand möglich, der Rest war mit Privatzugängen gepflastert. Da kann ich auch an den Starnberger See fahren, da komme ich auch nicht ins Wasser (Schwimmen war trotzdem schön und die freundlichste Eisdiele haben wir auch noch aufgespürt). Der Hafen war fast überfüllt mit kleineren und größeren Jachten. Nicht für jederfrau, mehr pfui als hui.

Schön anzusehen, weniger zum Verweilen. Port Andratx.

Cala d’Or dagegen ist genau das, was es zu sein vorgibt: eine künstliche Stadt. Im Osten der Insel gelegen, erstreckt sich Cala d’Or kilometerweit an der felsigen Küste entlang. Keine Hotelburgen, sondern ein- bis zweistöckige Unterkünfte von großen Ferienvillen bis zu kleinen Fenstern in bescheidenen Hotelzimmern prägen das Bild. Jetzt im Winter fast eine Geisterstadt. Strände nur, wo die geografische Lage Buchten erlaubt. Am Strand Riesenschilder für die Strandetikette, die im Sommer hier vonnöten sein muss: so wenig (feinster) Sand für so viele potenzielle Badewillige! Alle Bauten sind aus einem Guss, weiß verlehmt, leicht abgerundet, fast orientalisch anmutend. Es ist sauber und freundlich. Hierhin würde ich jederzeit einen Pauschalurlaub buchen. Das offene Café war auch ungezwungen freundlich. Erinnerungen an Jesolo oder Lignano kommen hoch;-). Und der Strand: wenn so etwas “ärmere” Leute kriegen, bin ich dabei.

Kultur

In Palma findet sich nicht nur an jeder Ecke moderne Kunst. Sondern alle drei Meter. Und auch alte Kunst, gewiss. Das ist alles lobenswert. Sicher, nicht alles für alle, aber für alle sollte was dabei sein. Es gibt auch ein Museum für moderne Kunst. Dort findet sich eine aktuelle Ausstellung zu Tourismus mit diesem interessanten Zeitzeugen:

Was mir auffiel: Die Ausgabe ist von 1973, dahin zeigt mein schwarzer Pfeil. So viele Menschen konnten sich schon damals Urlaub leisten / andere Länder möglicherweise verschandeln.
Andere Kunst gab es auch. Diese überdimensionierten Nadeln heißen Ritual. Ich weiß nicht warum, aber alle, die schon mal einen Knopf angenäht haben, sollten sie ansprechen.
Und noch ein Blick vom Dach des Museums auf die Kathedrale. Irgendwann schaffen wir die auch noch. Rechts muss man sich das Meer denken, man sieht ein paar Masten im Dunst diesen eher trüben Tages.

Best of Mallorca 2

Weihnachten
Es gibt auch Schweinchen, ein Hinweis auf Silvester?
Auf der Post

Weihnachten kam von selbst, wir mussten es gar nicht einplanen. Es ist auch kaum zu übersehen.
Wir fütterten die spanische Post mit einigen Grußkarten, die teilweise sogar noch rechtzeitig vor dem Fest angekommen sind. Wie oft in Spanien gilt das Nummernziehprinzip. Man zieht eine Zahl und wird aufgerufen. Kennen alle noch vom Einwohnendenmeldeamt, oder? (Außer denen, die die letzten 50 Jahre nicht umgezogen sind.) Gerne auch an spanischen Wursttheken üblich. Das erspart den Stress, wer zuerst in der Schlange stand oder welche Schlange schneller vorwärts geht, die gefühlt ja immer die andere ist.
Auf der Post musste man an dem Nummernziehapparat auswählen, ob man Post versenden oder abholen wollte. Die an dem Tag gezogene Ziffer für Post abholen war bereits höher als die für Post aufgeben. Zeigt, dass viel Spanische ihre Post oder jedenfalls ihre Pakete abholen. Man sieht auch keine UPS oder Amazonautos herumfahren, jedenfalls ist es uns noch nicht aufgefallen. In Plymouth beobachtet man ungelogen mindestens fünf Lieferwagen am Tag und das in unserer unbedeutenden Seitenstraße.

Ganz klar ist das Mallorquinische Weihnachtssystem noch nicht, die Straßen sind schön geschmückt, Gottesdienste finden statt, Weihnachtsmusik wird gespielt, aber die Kinder bekommen erst – und das ist eigentlich logisch – am 6. Januar Geschenke, vermutlich bessere als Weihrauch und Myrrhe (Gold wäre ja nicht so schlecht). Werden die beiden Wochen zwischen dem 24.12 und dem 6.1 einfach weihnachtlich bleiben? Wäre ja nett, mir gefällt der Lichterglanz.

Der 24.

Am 24. stolpern wir fast zufällig in einen normalen Gemeindegottesdienst in der Altstadt. Ein paar Tropfen Desinfektionsmittel auf die Hand beim Hineingehen und eineinhalb Meter Abstand pro Familie ist angesagt. Wir finden noch einen Sitzplatz auf einer einzelnen Bank in einer barocken Seitenkapelle der gotischen Kirche. Wir haben keinen Photo dabei, aber ich denke, diese Beschreibung weckt einige Bilder im Kopf.
Die Messe findet größtenteils auf Katalanisch (Mallorquinisch) statt. Die Lesung aus Jesaia wird auf Spanisch (Castellano) vorgetragen, ebenso die Fürbitten. Ein bisschen Latein kommt auch vor. Überhaupt sind die meisten Schilder und Ankündigungen auf der Insel in beiden Sprachen zu finden. Man merkt aber nichts Militantes dabei wie vielleicht in Barcelona. Die Leute nehmen sich ihre Freiheit. Die erste Schulsprache scheint (so lese ich nach) weiterhin Spanisch zu sein, wenn die Leute auch oft mallorquinisches Katalan zu Hause sprechen und Katalan ein Schulfach geworden ist.

Dann, wir sind immer noch im Gottesdienst, die große Überraschung: unter Orgelgebraus geht ein Kerzenträger einer mittelalterlich gekleideten Frau voran, die mit gezücktem Degen durch die Kirche schreitet! Eine gezogene Waffe in einer Kirche wirkt schon etwas verstörend. Sie schreitet auf die Kanzel hinauf und fängt an, in gregorianischem Stil zu singen. Acht Strophen singt die Sängerin, unterbrochen von Orgelmusik. Gänsehaut garantiert!
Hier ein Beispiel von 2007.

Wir erfahren später, es ist der Gesang der Sibylle, die den Weltuntergang ankündigt. Spanien ist nie den ganz großen Themen ausgewichen … Der Gesang ist einer dieser unwahrscheinlichen Dinge, die die Jahrhunderte überlebt haben. Und das soll sich so abgespielt haben: Im Jahr 999 dachten viele, die Welt ginge unter. Deshalb haben sich besondere Mysterienspiele (Theater an und in Kirchen gab es überall) auch in den spanischen Kirchen etabliert. Als die Welt schließlich doch nicht unterging, wollten Päpste diese Bräuche wieder unterbinden. Im Laufe der Jahrhunderte gelang dies auch. Doch der Gesang der Sibylle war so populär, dass er nicht totzukriegen war. Zumindest auf Mallorca und zu Weihnachten. Dort kann man sie nach 1000 Jahren immer noch hören. El cant de Sibilla ist sogar immaterielles Kulturerbe der UN geworden.

Noch ein bisschen Eichendorff.

Best of Mallorca 1

Wir sind nicht die ersten, die es wieder wagen, ins Ausland zu reisen. Ich habe ein Auge drauf gehalten, wie das in der neuen Welt, in der wir leben, abläuft, Formulare, Testregimes, und so weiter, und Bekannte ausgehorcht: Der Tenor lautet, es ist machbar. Dann wäre es doch schön, ein bisschen Winterlicht aufzusaugen! Nicht zu weit weg, aber sonniger als Plymouth. Wir haben uns für Mallorca entschieden, wo wir gefühlt die einzigen Deutschen sind, die noch nie da gewesen sind. Wenn Corona etwas gezeigt hat, dann, dass das Leben kurz ist und man sich erfüllbare Wünsche erfüllen sollte.

Zwischen Buchung und Abreise haben sich Coronazahlen und Reisebürokratie noch einmal verschärft, Reisen ist wieder spannend geworden. Dazu weiß man nie, ob man ankommt, denn kurzfristig kann immer ein Zug wegen Personalmangels ausfallen. Am Ende hatten wir eine absolut störungsfreie Reise (beruhigend langweilig), bei der unsere Papiere aber auch alle geprüft wurden, wir haben nichts umsonst ausgefüllt. Es ist das Zeitalter der QR- und Bar-Codes. Fliegen als Privatangelegenheit gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr, die Überwachung fand aber immer im Hintergrund statt. Wegen der Seuchengefahr ist das nun – eigentlich ganz gut so – in das öffentliche Bewusstsein gerückt.

Wir wohnen in Palma, einer Stadt mit fast einer halben Million Einwohnenden, in einem größeren Hotel mit ungeheiztem Pool. Um es gleich zu sagen: außer mir habe ich da noch nie jemanden drin gesehen. Das Wasser ist schon frisch, aber mit meiner Ärmelkanalabhärtung in Ordnung. Das Meer dagegen, in dem ich auch so ziemlich die einzige Badenutzerin bin, ist wie Plymouth im Sommer: Badewanne!

Insel erkunden

Das Mallorquinische Bussystem ist genial (und ich denke, das gibt es noch nicht lange in dieser Form): man kann es mit jeder Kredit- oder EC-Karte benutzen. Ohne Freischaltung, ohne Voranmeldung, ohne Gebühren. Offenbar haben die Verkehrsbetriebe einen Vertrag mit Visa, Mastercard und dergleichen abgeschlossen. Bei Einsteigen scannt man ihre Karte, beim Aussteigen auch wieder. Fertig. (das Wörtchen “ihre” steht mit Absicht da. Sprache muss lebendig bleiben und auch mal aufgemischt werden.)


Irgendwann stolpern wir auch über eine Karte mit der Erklärung der Tarife;-) damit wir überhaupt wissen, was uns da abgeknöpft wird. Die Insel ist in Zonen unterteilt und wenn man eine Zahlgrenze überfährt, wird es teurer. Man kann übrigens auch in bar bezahlen, das kostet aber deutlich mehr. Die Einheimischen erhalten eine Karte zum Aufladen, ihre Tarife sind noch billiger als die EC-Karten Preise.

Palma ist wunderschön und teuer wie England oder Deutschland. Lohnt aber bei der Atmosphäre, in die man eintauchen darf. Davon später mehr. Zuerst wollen wir wandern in den Tramuntanabergen im Norden der Insel. Das ist ein Weltkulturerbe, erfahren wir, man lernt jeden Tag dazu. Nach der Busfahrt und etwas wandern ist auch klar, warum: weil’s so schön ist. Wer hier nur zum Saufen hinfährt (und das ist nach wie vor der Ruf, der in meinem Kopf feststeckt), der ist selber schuld.

Wie von Vatern versprochen, die Wanderbeschilderung auf Mallorca ist vorbildlich.

Das ist der Strand des Dorfes Banyalbufar. Auf diese außerplanetarisch wirkende Bucht (zumindest bei mir) gelangt man über gut in Schuss gehaltene Treppen. In der Mitte ein Süßwasserfall. Sonst Steilküste. Sieht man nicht alle Tage.

Wandern, wo andere Fahrrad fahren. Die berühmte Serpentinenstraße über den Paß nach Sóller. Eigentlich wollen wir in die Gärten von Alfábia. Im Netz steht täglich geöffnet, der Bus hält vor der Haustüre. So weit, so gut. Ansonsten befindet sich an der Stelle nur die Einfahrt zum neuen Tunnel nach Sóller, keine Ortschaft. Am Ausstieg sieht es verdächtig ruhig aus. An Eingang dann ein offenbar seit Jahren dort befindliches Schild: von November bis Februar grundsätzlich geschlossen. In der Nebensaison rechnen wir mit allem, also auch Schließungen und Rückschlägen, deshalb nehmen wir das mit Fassung. Nun, auf den nächsten Bus in einer Stunde warten oder Plan B ausführen: neben der neuen und belebten Hauptstraße befindet sich noch die alte Landstraße nach Sóller, die berühmt ist bei Radsportelnden im In- und Ausland. Wir sprinten über den Kreisverkehr und biegen auf die erste Serpentine ein: Ruhe und Frieden. Ab und zu ein einheimisches Auto und deutlich öfter ein Rad, das uns entgegenkommt oder uns mit atemberaubender Geschwindigkeit nach oben zu überholt. Die Steigung beträgt nur um die 5%, aber 5 km weit hoch? Das will ich mir mit meinem Stadtrad gar nicht vorstellen, viel zu anstrengend. Einige der Radelnden sehen auch etwas verbissen aus, den meisten scheint es aber Spaß zu machen. Die grüßen auch freundlich. Wir treffen auf Einzelfahrer im Deutschlandtrikot. Wir schließen nach einiger Zeit darauf, es ist eine deutsche Mannschaft, die hier trainiert. Die jungen Männer gehören zu den Verbiesterten, wir ersparen ihnen den Opa- und Oma Smalltalk mit uns;-)

13 km sind es auf dieser Straße nach Sóller. Die Hälfte in der angenehmen Wintersonne durch Olivenhaine, die zweite Hälfte im Baumschatten von Pinien und Steineichen auf der Nordseite. Zum Schluss noch 2 km am Straßenrand der Hauptstraße entlang, geht aber auch. Auf Teer gegangen natürlich kein idealer Wanderweg als solcher, man ist gut beraten, geeignete Schuhe zu tragen. Aber was für ein wunderschöner Weg! Sollte in jedem Wanderführer drin stehen.